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In der Schuldenfalle

Schuldenfalle - Männerhose mit leeren HosensäckeEinen neuerlichen „Betreuungsrekord“ melden die oberösterreichischen Schuldnerberatungs-stellen für das Jahr 2006. Angestiegen ist in den vergangenen Jahren der Anteil der Familien unter den Klienten.

7.914 Klienten wurden im Jahr 2006 von den Mitarbeitern der Schuldnerberatung betreut bzw. beraten. Alle Kennzahlen (wie Beratungsgespräche und Neuzugänge) haben sich über die vergangenen fünf Jahre stark nach oben entwickelt. „Natürlich sagt das nicht nur etwas über eine steigende Verschuldung in den oberösterreichischen Haushalten aus“, erklärt Soziallandesrat Josef Ackerl. „Die Beratungsangebote werden immer bekannter und entsprechend öfter in Anspruch genommen.“

Familien

Besonders bedenklich stimmt laut Schuldnerberatung, dass der von 2002 auf 2006 aufgetretene hohe Anstieg des Anteils der Familien (ausschließlich Personen mit Kindern) unter den Klienten der Schuldnerberatung – von 23,6 auf 35 Prozent. „Es zeigt, dass das bereits vielfach diagnostizierte höhere Armutsrisiko von Familien sich weiterhin im Anstieg befinden dürfte“, so Ackerl.

'Schuld' an der Verschuldung

Nur im Jahr 2003 war „mangelnde Budgetplanung“ die Hauptursache für die persönliche Verschuldung und in weiterer Folge für die Inanspruchnahme der Schuldnerberatungen. In den anderen Jahren seit 2002 stand und steht die „unverschuldete Verschlechterung der Einkommenssituation“ – zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit – unangefochten an der Spitze, teilt die Einrichtung  mit.

Forderungen

Die Schuldnerberatungsstellen fordern unter anderen ein Recht auf ein Girokonto auf „Haben-Basis“: „Personen, denen ein Girokonto verwehrt wird, haben große Probleme am Arbeitsmarkt und sind im Zahlungsverkehr finanziell massiv benachteiligt“, so die Schuldnerberatung. Zudem verlangt sie ein Verbot des Kontoüberzuges und Kredites für Jugendliche. „Teenager dürfen nicht daran gewöhnt werden, mit Schulden zu leben.“


Cornelia Schobesberger
März 2007

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020