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Pubertas präcox: Frühzeitige Pubertät

 Pubertas präcox – frühzeitige PubertätNoch vor dem achten Lebensjahr beginnt sich bei Mädchen die Brust zu entwickeln und die Regel setzt ein, während bei Jungen vor dem neuen Lebensjahr der Hoden und Penis sowie die Bart- und Schambehaarung vorzeitig wachsen. Treten Pubertätsmerkmale bei Kindern frühzeitig auf, sollte dies unbedingt vom Arzt abgeklärt werden.

Machen sich sekundäre Geschlechtsmerkmale bei Mädchen vor dem achten Lebensjahr und bei Jungen vor dem neunten Lebensjahr vorzeitig bemerkbar, spricht man in der Medizin von der „Pubertas präcox“. Erkennbar ist die vorzeitige Entwicklung bei Mädchen durch eine frühe Vergrößerung der Brüstdrüsen und/oder ein vorzeitiges Auftreten von Schamhaaren. Seltener tritt bereits die erste Regelblutung ein. Buben fallen mit einer vorzeitigen Schambehaarung oder einem Wachstum der Hoden und des Penis auf. Gleichzeitig mit dem Auftreten der Pubertätszeichen kommt es zu einer Beschleunigung des Längenwachstums.

Ursachen: Hormonelle Störung oder Tumor

Man unterscheidet zwei Formen der Erkrankung. „Bei der echten vorzeitigen Pubertät, der Pubertas präcox vera, kommt es neben dem Auftreten von sekundären Geschlechtsmerkmalen auch zur Reifung von Samen- und Eizellen. Am häufigsten ist diese Störung durch eine verfrühte Aktivierung der übergeordneten Hormonregelkreisläufe bedingt. Es können aber auch akute und chronische Hirnerkrankungen dafür verantwortlich sein. Mädchen sind häufiger betroffen. Die meisten Fälle dieser Form sind idiopathisch. Das heißt, man findet keine Ursache für die vorzeitige Hormonaktivität“, erklären Universitätsprofessor Primarius Dr. Klaus Schmitt, ärztlicher Direktor der Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz, und sein Kollege Oberarzt Dr. Dieter Furthner.

Bei der „unechten“ vorzeitigen Pubertät, der Pseudopubertas präcox, hingegen kommt es nur zur verfrühten Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale wie einer vorzeitigen Scham- und Achselbehaarung. „Sie ist auf eine vermehrte Produktion von weiblichen oder männlichen Sexualhormonen zurückzuführen“, so die Mediziner. Betroffene Mädchen bekommen keine Regelblutung und die Hoden der Jungen bleiben klein. Das Wachstum ist aber beschleunigt. Eine mögliche Ursache für die „unechte“ vorzeitige Pubertät kann ein hormonproduzierender Tumor sein.

Bei Verdacht einen Arzt aufsuchen

Stellen die Eltern vorzeitig Zeichen einer beginnenden Pubertät fest, sollten sie sich an den Kinderarzt, praktischen Arzt oder Schularzt wenden, die, wenn notwendig, die betroffenen Kinder zu einem Spezialisten (pädiatrischer Endokrinologe) überweisen. „Wir untersuchen unter anderem den Wachstumsverlauf und die aktuelle Skelettentwicklung und führen gegebenenfalls Hormonuntersuchungen und -tests sowie Ultraschalluntersuchungen von Nebenniere, Hoden oder Eierstöcken bzw. der Gebärmutter durch“, erklärt Dr. Dieter Furthner den Weg der Diagnosestellung.

Eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung ist aus mehreren Gründen besonders wichtig: Unbehandelt stellt sich ein Wachstumsschub aufgrund der hormonbedingten beschleunigten Knochenreifung ein. Weiters kommt es zum vorzeitigen Wachstumsstopp und damit verbunden zum Kleinwuchs. „Da die betroffenen Kinder zu Beginn rascher wachsen und größer sind, ist die Enttäuschung über die geringe Endlänge besonders groß. Je früher die vorzeitige Pubertätsentwicklung einsetzt, desto ausgeprägter ist der Verlust an Endlänge“ weiß Dr. Dieter Furthner.

Eine Therapie ist aber auch deshalb wichtig, weil die psychosoziale Belastung bei den Betroffenen sehr groß ist. Die mentale Reife verläuft nämlich nicht parallel zur körperlichen Entwicklung. Dr. Klaus Schmitt: „Fast immer werden die sehr früh auftretenden Pubertätsmerkmale zu Unrecht als vorzeitige ‚geistige Reife’ gesehen.“ Die körperlichen Veränderungen können den Betroffenen Angst machen. Insbesondere deshalb, weil Gleichaltrige noch keine Geschlechtsentwicklung haben. Mögliche Folgen können sein, dass sich die Patienten aufgrund ihrer Verunsicherung zurückziehen oder unbedachte, frühe sexuelle Aktivitäten haben.

Behandelt wird die echte verfrühte Pubertät (Pubertas präcox vera) mit einer nebenwirkungsarmen Hormontherapie. „Die Therapie zielt darauf ab, die frühzeitige Pubertätsentwicklung vorübergehend zu stoppen“, so die Mediziner. Die Medikamente werden alle vier Wochen in einen Muskel gespritzt und sind gut verträglich. Die Therapie wird dann beendet, wenn der Zeitpunkt des normalen Pubertätsbeginns erreicht ist. Handelt es sich hingegen um eine pseudo-verfrühte Pubertät (Pseudopubertas präcox), muss die auslösende Ursache der frühzeitigen Pubertätsmerkmale behandelt werden.


MMag. Birgit Koxeder
Mai 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020