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Senkfuß bei Kindern: Kein Grund zur Sorge

Senkfuß bei Kindern: Kein Grund zur SorgeObwohl uns die Füße durchs Leben tragen, schenken wir ihnen meist wenig Aufmerksamkeit. Oft treten sie nur dann ins Bewusstsein, wenn sie Probleme machen – wie beim Senkfuß. Welche Ursache die Fußfehlstellung bei Kindern hat, erklärt Dr. Karin Riedl.

Wer gesunde Füße im Erwachsenenalter haben will, kann bereits in der Kindheit den Grundstein dafür legen. Wichtig ist es deshalb, Fehlstellungen rechtzeitig zu erkennen und – wenn notwendig – auch zu behandeln. Eine davon ist der Senkfuß.

Abgeflachtes Längsgewölbe

Ein gesunder Fuß weist zwei Wölbungen auf: Das Längsgewölbe verläuft der Länge nach am Innenrand des Fußes, während sich das Quergewölbe im mittleren Fußbereich zwischen den beiden Außenkanten erstreckt. Ist das Längsgewölbe des Fußes bei Belastung abgeflacht und senkt sich nach unten, spricht man von einem Senkfuß. Ein Plattfuß liegt hingegen vor, wenn der Fuß auf der Innenseite überhaupt nicht mehr gewölbt ist und vollständig am Boden aufliegt. Er stellt somit die ausgeprägteste Form des Senkfußes dar.

Bei Kleinkindern ganz normal

Ein Senkfuß ist bei Kindern gar nicht selten zu beobachten: „Es kommt zwar auf das Alter an, aber generell tritt ein Senkfuß sehr häufig auf. Bis zum zweiten beziehungsweise dritten Geburtstag ist das Längsgewölbe meist besonders flach und auch bis zum abgeschlossenen sechsten Lebensjahr tritt ein Senkfuß häufiger als bei älteren Kindern oder Erwachsenen auf“, sagt Dr. Karin Riedl, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Orthopädischen Spital Speising in Wien.

Kindliche Ursachen des Senkfußes

Warum das so ist, hat mehrere Gründe: Zum einen weisen Kinder noch ein dickes Fettpolster an der Fußsohle auf, sodass der Fuß abgeflacht aussieht. „Aber auch die vermehrte Einwärtsdrehung des Oberschenkelknochens drückt zusätzlich das Längsgewölbe hinunter“, fügt die Ärztin hinzu. Bis zum dritten Lebensjahr ist ein Senkfuß daher bei Kindern durchaus normal, denn solange bleibt der Fettpolster bestehen: „Es gibt zwar einen Graubereich, was die Definition betrifft, bei Kindern bis zum dritten Lebensjahr kann ein Senkfuß aber als physiologisch, also als nicht krankhaft, angesehen werden“, erklärt die Medizinerin. Die vermehrte Einwärtsdrehung des Oberschenkelknochens hingegen bildet sich meist bis zum zehnten bis zwölften Lebensjahr auf einen Normalwert zurück. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum ein Senkfuß bei Kindern noch kein Grund zur Sorge ist: „Kinder entwickeln nach Gehbeginn ein X-Bein, ein so genanntes Genu valgum. Das führt ebenfalls zur vermehrten Abflachung im Längsgewölbe“, so Riedl. Auch das sollte sich bis zum Schulalter allerdings zurückbilden. Sind Eltern dennoch besorgt, so ist ein Facharzt für Orthopädie aufzusuchen.

Kombination mit Knickfuß

Ein Senkfuß tritt aber meist nicht alleine, sondern in Kombination mit einem Knickfuß auf. Bei diesem Knick-Senkfuß ist nicht nur das Längsgewölbe abgeflacht, sondern auch der Fersenvalgus verstärkt – die Ferse kippt nach innen. „Speziell bei jüngeren Kindern findet sich meistens ein Knick-Senkfuß, der durch die physiologische Beinachsen- und Rotationsentwicklung bedingt ist. Andere Ursachen können neuromuskuläre Erkrankungen, Band- oder Bindegewebsschwächen, aber auch Übergewicht oder eine familiäre Veranlagung sein“, erklärt die Fachärztin.

Senkfuß verursacht meist keine Beschwerden

Die gute Nachricht ist: Die Fehlstellung verursacht meistens keine Beschwerden. „Betroffene haben oft auch später im Jugendalter keine Schmerzen. Liegt ein starker Knick-Senkfuß vor, können jedoch belastungsabhängige Schmerzen auftreten“, erklärt die Ärztin. Oft hängen die Beschwerden auch davon ab, um welche Form der Fußfehlstellung es sich handelt. Ein flexibler Knick-Senkfuß verursacht selten Beschwerden, die Prognose ist also gut. Das Kind ist hier in der Lage, in den Zehenstand zu gehen, wobei sich das Fußgewölbe aufrichtet. „Ein kontrakter Knick-Senkfuß hat nicht die Möglichkeit, sich selbst aufzurichten. Hier liegt oft eine tarsale Koalition zugrunde, also eine angeborene Verbindung von Fußwurzelknochen, die im Laufe des Wachstums verknöchert und operativ behandelt werden muss“, sagt die Medizinerin.

Einlagen oder Operation

Doch wie sieht die Therapie überhaupt aus? Riedl antwortet: „Diese hängt vom Alter des Kindes und von der Schwere der Fehlstellung ab. Vor dem dritten Lebensjahr ist eine Behandlung meist nur in Ausnahmefällen notwendig. Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr kann meist zugewartet werden, wenn das Kind keine Beschwerden hat und es sich um einen flexiblen Knick-Senkfuß handelt. Bei massiven Ausprägungen macht eine Versorgung mit Einlagen allerdings Sinn. Eine Einlage beeinflusst zwar die Entwicklung des Längsgewölbes nicht, bringt aber den Fuß in eine günstigere Ausgangssituation, also eine gesunde Position, sodass es nicht zu Beschwerden kommt.“ In seltenen Fällen reicht das aber nicht aus. Bei einem schmerzhaften oder stark ausgeprägten Knick-Plattfuß ist im Alter von zirka zehn Jahren ein minimal-invasiver Eingriff – eine so genannte Calcaneus-Stopp-Schraube – möglich. Dabei wird eine kleine Schraube eingebracht, die den Fuß in der richtigen Position hält. Es ist lediglich ein Hautschnitt von einem bis eineinhalb Zentimetern erforderlich. Pro Fuß dauert der Eingriff zirka zehn Minuten. „Die Schraube bleibt zwei bis drei Jahre im noch wachsenden Kinderfuß. Wird sie dann entfernt, übernimmt der Fuß die neue Position“, erklärt Riedl.

Barfuß gehen stärkt die Fußmuskulatur

Empfehlenswert ist zudem regelmäßige Fußgymnastik, sobald das Kind dazu in der Lage ist. Eine einfache Übung etwa ist, im Einbeinstand zu balancieren. Dabei muss man das Gewicht ständig ausgleichen, was jene Fußmuskeln aktiviert, die das Längsgewölbe heben können. „Ich empfehle aber auch allen Eltern, dass sie ihre Kinder möglichst viel barfuß gehen lassen und zwar nicht am glatten Parkett, sondern in der Wiese oder im Sand“, sagt die Ärztin.

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
November 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020