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Papa werden ist nicht leicht

Papa werden ist nicht leicht - Werdende VäterDer werdenden Mutter und ihrem ungeborenen Kind soll es während der Schwangerschaft gut gehen. Die „schwangeren“ Väter werden hingegen oft vernachlässigt. Aber auch sie haben viele Zweifel und Fragen. Dabei gilt: Wer mehr weiß, kann seine Partnerin besser unterstützen.

 

Egal, ob sie erst am Beginn ihrer Schwangerschaft steht oder bereits einen kugelrunden Bauch hat — wenn ein Paar ein Kind bekommt, gilt das Hauptinteresse der Frau. Die Familie, der Arzt, die Hebamme, sie alle sind mit guten Tipps zur Stelle. „Der werdende Vater ist in vielen Fällen hingegen nur Zaungast“, weiß Eberhard Schäfer, Leiter des Berliner Väterzentrums „Mannege“, von seiner Arbeit mit werdenden Vätern. „Aus sozialwissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir aber, dass Väter genauso gute Elternteile sein können wie Mütter“, sagt Schäfer, der auch ein „Papa-Handbuch“ (Verlag Gräfe und Unzer) verfasst hat. Nur: Dafür brauchen sie erst einmal wichtige Informationen.

 

Männer sollten sich deshalb nicht scheuen, ihre Fragen zu stellen — zunächst einmal ihrer Partnerin. Wer sich austauscht, bleibt mit seinen Ängsten und Unsicherheiten nicht alleine. Sollen wir noch Sex haben? Was ist, wenn das Kind nicht gesund ist? Werden wir gute Eltern sein? Was kommt da bei der Geburt auf uns zu? All diese Fragen beschäftigen künftige Mütter genauso wie künftige Väter.

 

 

Fragen, fragen ...

Viele Frauen durchleben in der Schwangerschaft emotionale Achterbahn-Fahrten und die werdenden Papas stehen hilflos daneben. Schäfers Rat an die Männer: fragen, fragen, fragen. Wenn Arzt und Hebamme auch den Mann aufklären und beraten, dann beseitigt das Unsicherheiten. Er kann besser verstehen, was die Frau fühlt und was ihr hilft. Die einen möchten etwa bei schlechter Laune in Ruhe gelassen werden, andere wünschen sich eine Massage.

 

Paaren, die kurz vor der Geburt stehen, empfiehlt Schäfer: „Nicht zu viel Stress beim Nestbau.“ Von selbst verstehen sollte sich, dass Männer spätestens bei fortgeschrittener Schwangerschaft zum ritterlichen Kavalier werden: Sie tragen die Einkäufe und kochen der Liebsten Tee, während diese schon am Sofa liegt.

 

95 Prozent sind im Kreißsaal

Und dann kommt der große Tag. Väter im Kreißsaal oder Geburtszimmer — heute sind sie dort nicht mehr wegzudenken. Vor einer Generation, also vor rund 30 Jahren, sind erst fünf Prozent der werdenden Väter zur Geburt ihres Kindes mitgekommen. Heute begleiten 95 Prozent der Männer ihre Partnerinnen ins Krankenhaus, wenn die Ankunft des neuen Erdenbürgers bevorsteht. Auch hier gilt wieder: Man(n) kann der Mutter nur beistehen, wenn er informiert ist. Deshalb soll er — wie schon in der Schwangerschaft — Fragen stellen, wenn er etwas nicht versteht. Eberhard Schäfer: „Wenn der Mann völlig ahnungslos in den Kreißsaal geht, ist er keine psychologische Stütze für die gebärende Frau.“ Nicht nur die Mutter, auch der Papa in spe sollte wissen, wie eine Geburt verlaufen kann. Besonders wichtig für Paare: Sie sollten sich in der Endphase der Schwangerschaft mit den zu erwartenden Schmerzen für die Frau auseinander setzen. Schäfer: „Vielen Frauen hilft es, wenn ihr Partner bei den Wehen mitatmet. Kommt sich ein Mann dabei allerdings sehr blöd vor, sollte er es lieber lassen.“ Das gilt auch ganz grundsätzlich: Wenn sich ein Mann partout nicht vorstellen kann, zur Geburt mitzukommen, dann soll er es auch nicht tun. Die Frau kann in diesem Fall ihre Mutter, Schwester oder eine Freundin bitten, sie bei der Geburt zu unterstützen.

 

Birgit Baumann
Oktober 2008

Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Papa werden ist nicht leicht„Männer sollten sich aktiv während der Schwangerschaft einbringen und gegenüber Hebammen und Ärzten klarstellen, dass sie alles wissen möchten, was auch ihre Partnerin weiß. Hilfreich sind auch Gespräche mit Männern, die schon Vater geworden sind.“
Eberhard Schäfer
Leiter des Väterzentrums „Mannege“ in Berlin

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020