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Patientenverfügung: Letzter Wille

PatientenverfügungWenn es ums Sterben geht, dann gibt es ein Idealbild: zu Hause, ohne Schmerzen, im Kreis der Lieben. Das Kontrastbild lässt einen wehrlos an Schläuchen hängen, im Schmerz alleingelassen in einem kalten Spitalzimmer. Die Patientenverfügung eröffnet eine Chance auf Selbstbe-stimmung auch in der letzten Lebensphase.

Die Möglichkeit einer Patientenverfügung gibt es seit 2006, als ein entsprechendes Gesetz in Kraft trat. Mehrere tausend Personen haben seither festgelegt, wie sie in ihrer letzten Lebensphase behandelt werden möchten – oder besser, welche Behandlungen sie im Fall der Fälle ablehnen. Die Patientenverfügung sorgt dafür, dass der Wille des Patienten auch dann erfüllt wird, wenn er selbst ihn nicht mehr artikulieren kann. Ein großer Teil davon entfällt auf Zeugen Jehovas, die aus religiösen Gründen manche Behandlungen, wie etwa Bluttransfusionen, ablehnen. Beim Rest sind die Motive unterschiedlich. Dr. Gerald Bachinger, der NÖ Patienten- und Pflegeanwalt: „Einerseits sind es Menschen, die selbst oder bei Verwandten oder Freunden schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen gemacht haben. Eine weitere Gruppe sind chronisch Kranke, bei denen man den Verlauf der Krankheit gut vorhersagen kann. Dazu kommen alleinstehende Personen, die keine Vertrauens-personen mehr haben.“

Auf Nummer sicher

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine so genannte verbindliche Patientenverfügung ausstellen. Diese lässt den Medizinern praktisch kaum Spielraum. Sehr konkret müssen daher in einer Art Vertrag alle medizinischen Eingriffe aufgelistet werden, die unter den angegebenen Bedingungen nicht mehr durchgeführt werden sollen. Dieses Kranken-testament kann etwa festlegen, dass bei aussichtsloser Diagnose hinsichtlich der Erkrankung oder wahrscheinlicher Dauerschädigung des Gehirns eine Intensivtherapie oder Wiederbelebung unterbleiben soll. Häufig werden auch Szenarien definiert, bei denen eine künstliche Beatmung oder eine Ernährung über Magensonden abgelehnt wird.

In einem Muster von Hospiz Österreich findet sich etwa auch der als Wunsch formulierte letzte Wille: „Ich möchte nicht, dass mein Leben um jeden Preis verlängert wird. Deshalb möchte ich insbesondere, dass mein unmittelbarer Sterbeprozess akzeptiert und höher gewertet wird als die medizinischen und technischen Möglichkeiten einer zeitlichen Verlängerung meines Lebens.“ Ziel ist immer ein würdiges und möglichst selbstbestimmtes Lebensende.

Verbindliche Leitlinie

Wer seinen Ärzten verbindliche Leitlinien vorgibt, muss allerdings auch selbst einige Formalismen akzeptieren. So muss schriftlich nachgewiesen werden, dass ein Arzt den Patienten in einem ausführlichen Gespräch über alle Folgen seiner Wünsche aufgeklärt hat. Außerdem muss die schriftliche Ausfertigung von einem rechtskundigen Mitarbeiter der Patientenanwaltschaft beziehungsweise einem Anwalt oder Notar bestätigt werden. Dabei können natürlich erhebliche Kosten anfallen. Dazu kommt, dass die verbindliche Patientenverfügung laut Gesetz nach fünf Jahren ihre Gültigkeit verliert und erneuert werden muss.

Einfacher funktioniert die so genannte beachtliche Patientenverfügung. Sie verzichtet auf all die Auflagen und kann notfalls auch mündlich ausgesprochen werden. Patientenanwalt Bachinger: „Dafür ist der Arzt rechtlich nicht so stark gebunden und hat mehr Interpretationsspielraum.“ Doch auch bei der beachtlichen Verfügung gilt: Je genauer der Patientenwille beschrieben wird, desto stärker sehen sich die behandelnden Ärzte daran gebunden. Informationsmaterial und Muster zur Patientenverfügung gibt es bei den Patientenanwaltschaften (im Internet unter www.patientenanwalt.com) und bei Hospiz Österreich (www.hospiz.at), dem Dachverband der Palliativ- und Hospizeinrichtungen.

Heinz Macher
Oktober 2011


Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Kommentarbild Dr. Bachinger, Patientenverfügung„Eine Patientenverfügung ist für alle ratsam, die die letzte Phase ihres Lebens auch medizinisch bewusst gestalten wollen und denen es wichtig ist, dass ihr Wille auch dann befolgt wird, wenn sie sich nicht mehr artikulieren können.“
Dr. Gerald Bachinger
NÖ Patienten- und Pflegeanwalt, St. Pölten

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020