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Silberionen besser nicht in den Socken

Silberionen besser nicht in den SockenSilberionen besitzen antimikrobielle Eigenschaften. Die machen sich Hersteller von verbrauchernahen Produkten zunutze, weil sie das Wachstum von Keimen verhindern oder Geruchsbildung vermeiden sollen. Ob Silberionen ein gesundheitliches Risiko darstellen, kann derzeit noch nicht abschließen beurteil werden, berichtet das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.

Silberpartikel in Nanometergröße (ein Milliardstel Meter = ein Zehntausendstel Millimeter) werden zur Beschichtung in Kühlschränken oder im Gewebe von Sportsocken verwendet. Dort sollen sie das Wachstum von Keimen verhindern und hier die Geruchsbildung vermeiden. „Solange wir mögliche gesundheitliche Risiken nicht sicher ausschließen können, empfehlen wir Herstellern, auf Nanosilber in verbrauchernahen Produkten zu verzichten“, sagt BfR-Präsident Prof. DDr. Andreas Hensel.

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Werden Keime antibiotikaresistent?

Im Organismus können Nanopartikel zu unerwünschten Wirkungen führen. Das Institut vermisst jedoch Forschungsergebnisse wie sich die kleinen Teilchen im Menschen auswirken, wie groß die Gefahr einer Resistenzentwicklung und der Ausbreitung von Antibiotikaresistenz bei Krankheitskeimen ist. Bekannt ist, dass Silberionen lebende Zellen auf unterschiedliche Weise schädigen. Auf diesem Mechanismus beruht die antimikrobille Wirkung von Silber. Im menschlichen Körper kann sich Nanosilber außen an die Zellen anlagern, aber auch biologische Barrieren durchdringen und in Körperzellen ein Depot bilden, aus dem permantent Silberionen freigesetzt werden.
Weil deren Wirkung noch nicht abschließend geklärt ist, rät das BfR Herstellern derzeit, auf die Verwendung von nanoskaligen Silberverbindungen in Lebensmitteln und Produkten des täglichen Gebrauchs zu verzichten.

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Im Kühlschrank verzichtbar

Silber und Silberverbindungen werden zum Beispiel in kosmetischen Mitteln, Textilien und in Haushaltsgeräten verwendet. Außerdem ist Silber als Farbstoff für Lebensmittel (E174) zugelassen – allerdings wird in absehbarer Zeit eine Re-Evaluierung durchgeführt, so das BfR. In Lebensmitteln ist Nanosilber hingegen nicht zugelassen.
Aus Sicht des BfR ist der Einsatz von Silberpartikeln bei der Oberflächenbeschichtung in Kühlschränken verzichtbar, weil durch sie kein über die herkömmlichen Hygienemaßnahmen hinaus gehender Nutzen erreicht wird.
Für Silberverbindungen in kosmetischen Produkten (Wimpern- und Augenbrauen-Tusche) sieht das deutsche Institut aktuell keine wissenschaftlich begründeten Hinweise auf eine Gefährdung von Verbrauchern. Dennoch empfiehlt sie bis zur abschließenden Klärung, auf solche Mittel zu verzichten. Dasselbe gilt für die Verwendung von Silber in Bekleidung und Textilien.

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Datenlage noch ungenügend

Das BfR empfiehlt daher in verbrauchernahen Produkten generell auf den Einsatz von Silber oder Silberverbindungen im Nanometer-Bereich solange zu verzichten, bis die Datenlage eine abschließende Bewertung der gesundheitlichen Risiken erlaubt.

Mag. Christian Boukal

Juni 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020