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Kochen Sie nicht den Kochlöffel

Kochen Sie nicht den KochlöffelDer Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in seinem Verbrauchermagazin „Konsument“ Kochlöffel aus Plastik unter die Lupe genommen. Mit dem ernüchternden Ergebnis, dass die Hälfte der Produkte nicht für Temperaturen über 100° Celsius geeignet ist. Konsument empfiehlt daher die Rückkehr zum „guten alten Holzkochlöffel“.

Lustige Formen und bunte Farben – ob Kochlöffel oder Pfannenwender, Küchenhilfen aus Plastik finden sich in vielen Haushalten. Für viele gelten sie als die hygienische Alternative zum Holzkochlöffel. Doch sind sie auch für die hohen Temperaturen geeignet für die sie gedacht sind? Diese Frage stellte sich auch „Konsument“ und untersuchte zehn Produkte aus Geschirrfachgeschäft, Supermarkt oder Möbelhaus. Der Verdacht bestand, dass die Küchengeräte bei hohen Temperaturen gesundheitlich bedenklich Stoffe wie Melamin oder Formaldehyd abgeben könnten. Die Preisunterschiede waren eklatant: Der billigste Kochlöffel kostete unter einem Euro, der teuerste gleich knapp 15 Euro. Allerdings fanden die Tester, dass hoher Preis nicht mit Qualität einhergehen muss: Auch das teuerste Produkt gab beim Kochen chemische Substanzen an die Speisen ab.

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Ungeeignet für hohe Temperaturen

Die Tester simulierten die Zubereitung von Speisen und haben die Plastiklöffel bei 100° Celsius „gekocht“. Dabei zeigte sich die Hälfte der Löffel als nicht kochfest. Einerseits gaben die Produkte während des Kochens die Schadstoffe Melamin und Formaldehyd ab, andererseits „verwirren die den Kochlöffeln beigefügten Herstellerbeschränkungen zu Temperaturhöhe und Kochdauer mehr, als sie helfen“, so Konsument.

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Melamin

Zwei getestete Löffel waren als Melamin-Produkte gekennzeichnet und gaben auch während des Tests hohe Mengen an Melamin ab – und noch dazu Formaldehyd. Wobei die Melaminabgabe gerade noch unter der derzeit höchstzulässigen Menge laut Kunststoffverordnung lag. Das ändert sich aber 2013, wenn dieser Wert auf EU-Ebene von 30 auf 2,5 Milligramm gesenkt wird.
Die Spitzenreiter würden dann die Höchstwerte 12-fach überschreiten.

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Formaldehyd

Bei diesem Stoff überschreiten die „gefährlichsten“ Löffel bereits jetzt das Limit der Kunststoffverordnung um das 8- beziehungsweise 13-fache, so Konsument.

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Reich bebilderte Gebrauchsanweisung

Bis auf zwei Hersteller waren den Produkten Anwendungsbeschränkungen beigelegt, bei welcher Temperatur wie lange umgerührt werden darf. Sie waren den Löffeln entweder aufgeklebt oder als Etikett beigefügt. Was helfen diese Hinweise in der Praxis? „Gar nicht! In Wirklichkeit muss ein Kochlöffel Anforderungen erfüllen, die sich weder durch Zeit- noch durch Temperaturvorgaben beschränken lassen. Schließlich stellt sich niemand mit Stoppuhr und Thermometer an den Herd“, so Konsument. Und das Etikett geht auch früher oder später verloren.

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Besser Holz statt Plastik

Die Tester von Konsument können wegen der Ergebnisse nur Kochlöffel aus Holz vorbehaltlos empfehlen. Denn wer glaubt, dass irgendwann einmal genug Chemikalien aus den Produkten entwichen sind irrt: Auch nach mehrmaligem Verwenden des Kochlöffels hört die Abgabe von Melamin und Formaldehyd nicht auf.
Keine Einwände haben die Tester nur beim Einsatz für kalte und mäßig warme Speisen.

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Tipps für den Holzkochlöffel

  • Holz ist besser als Plastik. Das gilt vor allem für Kochvorgänge mit langem Rühren bei hoher Hitze wie beispielsweise das Einkochen von Marmelade.
  • Holzkochlöffel vor dem ersten Verwenden aus hygienischen Gründen fünf Minuten in kochendes Wasser legen oder im Geschirrspüler waschen.
  • Holzkochlöffel nach dem Gebrauch gründlich trocknen lassen, so halten sie länger. Bei Rissen oder starken Verfärbungen das Produkt austauschen.

Mag. Christian Boukal
September 2012

Foto: WIKIPEDIA/PENG

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020