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Mundhygiene: Gesund beginnt im Mund

Gesund im Mund Mundhygiene ist mehr als nur Zähneputzen! Mit Zahnseide, medizinischen Zahnstochern und ähnlichem lässt sich der Angriff der Bakterien in den Zahnzwischenräumen wirkungsvoll bekämpfen. Zucker und Stärke hingegen ernähren die kariesbildenden Bakterien.

Strahlend weiße und gesunde Zähne bis ins hohe Alter – dazu gehört mehr als bloß zwei Mal täglich die Zähne mit der richtigen Zahnbürste und -paste zu "schrubben". Mundhygiene beschränkt sich nicht nur aufs Zähneputzen. Die Fachgeschäfte halten jede Menge Utensilien bereit, die wichtige Beiträge zur Pflege von Zahn und Zahnfleisch liefern. Die Verwendung von Zahnseide und medizinischen Zahnstochern sollte jedoch mit dem Zahnarzt oder der Mundhygienikerin besprochen werden.


"Die Bleichmittel, die im Supermarkt und den Drogeriemärkten angeboten werden, gehören leider nicht dazu", weiß Brigitta Hartl, Prophylaxeassistentin am Zahnambulatorium der OÖGKK in Linz. "Sie machen den Zahnschmelz porös. Verfärbungen – z.B. durch Nikotin, Kaffe und Tee – können sich daher wieder leichter anlegen." Man gerät also in einen Teufelskreis von Verfärbung und Bleichen.

Natürlich ist Zahnpflege mehr als nur die Zähne weiß zu erhalten. Was wenig bekannt ist, ist dass die Farbe der Zähne in manchen Fällen nicht durchs Putzen aufgehellt werden kann. Der Zahnschmelz ist nämlich durchscheinend. Das darunter liegende Zahnbein gibt dem Zahn seine Farbe. Und die Farbe des Zahnbeins ist genetisch vorbestimmt – dagegen hilft kein Putzen. Die Farbe der Zähne ist also so verschieden wie die Natur selbst.


Aber saubere Zähne sind ein Garant dafür, dass die Zähne lange gesund im Mund ihren "Dienst" versehen können. Die Zähne sind nicht ganz fest mit dem Kieferknochen verbunden, sondern über Bindegewebe federnd im Kiefer aufgehängt. Das schützt vor Verletzungen sowohl des Zahns als auch des Kieferknochens. Das darüber liegende Zahnfleisch fixiert den Zahn zusätzlich in der Zahnhöhle des Knochens und dichtet die Zahnhöhle ab. Gemeinsam mit den Knochenhäuten von Zahn und Kiefer bilden sie den "Zahnhalteapparat". Und der muss gepflegt werden, will man nicht frühzeitig mit der Prothese beißen müssen.

Die unangenehmsten Gäste im Mund sind Zahnbeläge, die Karies verursachen und zu Entzündungen des Zahnfleisches führen können. Die können aber durch konsequente Mundhygiene mit alle ihren Möglichkeiten wirksam bekämpft werden.

Dazu gehört natürlich das Wissen um die Abläufe im eigenen Mund:

Bakterien gehören in unserem gesamten Körper zu den Untermietern — so auch in der Mundhöhle. Wichtig ist aber, dass die krankmachenden Keime und Bakterien nicht das Übergewicht bekommen. Eine ausgewogene Ernährung und gezielte Mundhygiene lässt die "gesunden" Keime wachsen und sorgt dafür, dass die krankmachenden Zahnbeläge so gering wie möglich gehalten werden.


Zucker und Stärke sind die Hauptnahrungsmittel der Keime in unserem Mund. Innerhalb von fünf Minuten werden sie von den Bakterien zu Milch-, Essig- und Ameisensäure verdaut. Die Säuren greifen den Zahnschmelz — immerhin eine der härtesten Substanzen im menschlichen Körper — erfolgreich an und machen ihn porös. Dabei ist es auch egal, welchen Zucker wir essen — Milchzucker, Fruchtzucker oder Rohzucker — alle diese Zucker schmecken den Bakterien gleich gut.


Pommes frites mit Ketchup sind daher das ideale Mahl dieser Bakterien — die Kartoffeln enthalten Stärke und der Ketchup den dazugehörigen Zucker.

Ein große Hilfe gegen die Mundkeime ist unser Speichel. Er kann innerhalb von 45 Minuten wieder ein neutrales Klima in der Mundhöhle herstellen. Allerdings ist es dann egal wie viel Zucker oder Stärke wir zu uns nehmen. Daher ist es für die Zähne besser die "nötige" Menge Zucker oder Schokolade auf einmal zu essen, als über den ganzen Tag verteilt immer wieder nur kleine Mengen. Dann kommt nämlich der Speichel mit seiner Arbeit nicht mehr "nach".


Aber die Bakterien zeichnen auch für Entzündungen des Zahnfleisches verantwortlich. Durch die Entzündung lockert sich das Zahnfleisch über den Zähnen und die lästigen Zahnfleischtaschen bilden sich. Und in diese Taschen wandern dann Zahnbeläge samt Bakterien ein, die im Extremfall sogar den Kieferknochen angreifen.

Zum lästigen Zahnstein führen die Kalksalze des Speichels in Verbindung mit Zahnbelag. Vor allem bildet er sich an der Innenseite der unteren Schneidezähne.


Wie sieht nun die richtige Zahnpflege und Mundhygiene aus?

Grundsätzlich sollte nach allen süßen und klebrigen Speisen geputzt werden.

Nach dem Essen zu putzen ist allerdings nicht immer zielführend, weil der Zahnschmelz durch Säuren im Essen empfindlicher ist und durch die Borsten beschädigt werden könnte. Bei sauren Speisen daher lieber vor dem Essen putzen und nach dem Essen den Mund nur ausspülen. Das gilt besonders für Salate. Denn der Essig in der Marinade greift den Schmelz ebenfalls an. Auch vor Bananen zum Frühstuck wird gewarnt. "Bananen haften besonders gut an den Zähnen und ihr Zucker ernährt die Bakterien gut", so Prophylaxeassistentin Hartl.

Auch die richtige Bürste sollte gewählt werden. "Mir sind am liebsten die Kinderzahnbürsten. Weil da geben sich die Produzenten keine Blöße, da wird nicht billig produziert. Die Borsten sind weich und vor allen Dingen an den Enden abgerundet." ist sich Hartl sicher. Günstig ist auch ein kleiner Kopf, so dass nur ein bis zwei Zähne auf ein mal geputzt werden können. Die richtige Zahnbürste ist nicht älter als sechs bis acht Wochen.


Zähneputzen sollte nicht eine Angelegenheit von wenigen Sekunden sein. Deshalb ist auch ein guter Griff wichtig. Von Vorteil ist auch, sich zwei Bürsten zuzulegen: Während die eine trocknet, wird die andere verwendet. Feuchtes, warmes Milieu unterstützt die Bildung der Keime, weshalb die Bürste gut trocknen soll. Beim Reinigen der Bürste sollte darauf geachtet werden, dass keine Rückstände zwischen den Borsten bleiben. Denn da können wie an den Zähnen die Bakterien wachsen. Ganz sicher geht man, wenn man die Bürste einmal pro Woche in heißes Essigwasser stellt oder in den Geschirrspüler gibt.


Von den elektrischen Bürsten haben sich die Ultraschallbürsten bewährt. Sie "beuteln" quasi durch Schall den Belag von den Zähnen und aus den Zahnfleischtaschen.

Von Mundduschen hält Hartl wenig: "Die spülen die abgeriebenen Zahnbeläge oft nur weiter in die Zahntaschen hinein", und setzen dort ihr zerstörerisches Werk fort.

Auf jeden Fall ist es wichtig, fluoridierte Zahnpasten zu verwenden. Fluoride härten den Zahnschmelz. Hartl empfiehlt unbedingt auch fluoridiertes Kochsalz zum Würzen in der Küche zu verwenden. Ebenso können Fluoridkaugummis gekaut werden — das allerdings nur kurz, weil das Fluorid in ihnen hochdosiert ist. Das Zähneputzen ersetzt die Kaugummis jedoch nicht.


Zahnpasten enthalten auch Körner, die den Zahnschmelz abscheuern. Einige Produzenten geben auf den Tuben den RDA-Wert ihrer Pasten an. Dieser Wert gibt Auskunft über die Größe der "Scheuerkörner". Ein Wert um die 27 ist niedrig genug, dass der Zahnschmelz nicht zu sehr abgescheuert wird. Zu viel Druck beim Zähneputzen sollte ebenfalls vermieden werden.


Unser Essen sollte überwiegend aus Vollwertnahrung bestehen.

Und: Die Franzosen haben doch recht. Käse schließt nicht nur den Magen, er ist auch basisch. Dadurch neutralisiert er den Säurehaushalt im Mund. Zusätzlich wird Kalzium aus der Milch in die Zähne eingeschleust und die Zähne werden widerstandsfähiger.

Zahnfleischentzündung — Parodontitis — führt nicht nur zu Zahnfleischbluten und Zahnverlust. Die Entzündungskeime können auch Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Verschlechterung der Zuckerwerte, Gelenksbeschwerden, Rheumaschübe oder Magen-Darm Probleme nach sich ziehen. Frühgeburten oder verringertes Geburtsgewicht können ebenfalls die Folge sein. Zahnfleischentzündung beginnt mit leichtem Zahnfleischbluten bis hin zum Abbau des Kieferknochens und letztendlich zum Zahnverlust.

Aber um eines kommt man nicht herum: Zwei Mal jährlich zum Zahnarzt und je nach Bedarf zur Mundhygiene. Denn jeder Mund soll individuell gepflegt werden.


Mag. Christian Boukal

Juni 2006


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020