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Kopfläuse: Lausige Zeiten

Kopfläuse: Lausige ZeitenFalsche Scham trägt Mitschuld an der Verbreitung von Kopfläusen. Schon die alten Ägypter hatten unter den Parasiten zu leiden, wie man an Mumien nachweisen konnte. Schlechte hygienische Bedingungen fördern die Verbreitung der Kopfläuse. Aber auch in Ländern mit hohem hygienischen Standard kommt es immer wieder zu kleinen Epidemien in Schulen und Kindergärten. Die Kopflaus macht dabei keine sozialen Unterschiede, auf wessen Kopfhaut sie Blut saugt und an wessen Haare sie ihre Eier klebt. Dank hochwirksamer und sicherer Präparate kann man die kleinen Quälgeister jedoch rasch in den Griff bekommen.

Eine englische Studie zeigte, dass im städtischen Bereich mehr als 40 Prozent der Kinder im Vorschul- und Schulalter mit Kopfläusen in Berührung kommen. Bei einem Dermatologen-Kongress wurde berichtet, dass manche deutsche Kindergärten im Durchschnitt zwei bis drei Kopflaus-Epidemien pro Jahr erleben.

Univ. Prof. OA Dr. Harald Maier von der Abteilung für Spezielle Dermatologie an der Wiener Uni-Klinik: „Der Befall mit Kopfläusen ist eher lästig als gefährlich. Bleibt die Krankheit jedoch unerkannt und unbehandelt, kommt es zur Übertragung auf andere Personen einer eng zusammenlebenden Gruppe – etwa in Kindergarten, Schule oder Familie. Natürlich kann es durch den Juckreiz und das unvermeidliche Kratzen zu Entzündungen der Kopfhaut und Ekzemreaktionen kommen. Schwere, eitrige Infektionen, wie sie während Notzeiten bei starkem Lausbefall auftraten, findet man derzeit in Österreich praktisch nicht mehr.“ Wenn auch nur der geringste Verdacht auf einen „Besuch“ der kleinen Krabbeltiere besteht, sollte rasch gehandelt werden. Viele Eltern scheuen den Gang zum Arzt genauso wie die Verständigung des Kindergartens oder der Schule. Diese falsche Scham trägt nicht unerheblich zur Verbreitung der Tierchen bei.

Die rund drei Millimeter große Kopflaus – lateinisch Pediculus humanus capitis – kann weder fliegen noch springen, dafür aber sehr flink laufen. Sie ernährt sich ausschließlich von menschlichem Blut. Zwei- bis dreimal täglich „zapft“ sie sich mit ihren drei Stechrüssel kleinste Mengen Blut und hinterlässt dabei in der mikroskopisch kleinen Wunde Speichel, der zu Juckreiz und Entzündungen führt. Meist leben nicht mehr als 20 Tierchen im Haar, wenn die kleinen Patienten zum Arzt kommen. Die Kopfläuse bevorzugen die Regionen an den Schläfen, hinter den Ohren und im Nackenbereich. Die erwachsenen Läuse haben eine hellgraue, wenn sie mit Blut vollgesogen sind, eher braune Farbe.

Das Weibchen legt pro Tag vier bis fünf Eier, die unmittelbar über der Kopfhaut an die Haarschäfte geklebt werden und mit ihnen auswachsen. Maier: „Am Abstand der Nissen von der Kopfhaut Kopfhaut lässt sich feststellen, wie lange der Befall zurückliegt.“ Nach acht bis zehn Tagen schlüpft aus der Eikapsel eine Larve, die nach weiteren zehn Tagen und drei Häutungen geschlechtsreif wird. So entsteht rund drei Wochen nach der Ei-Ablage eine neue Generation von Läusen. Nach dem Schneeball-Prinzip wäre schon nach wenigen Wochen eine unüberschaubare Menge Läuse im Haar. Eine Reihe von chemischen Präparaten sorgt dafür, dass es nicht so weit kommt. Die Gifte, die sowohl den Läusen als auch den Larven und Eiern den Garaus machen, heißen Hexachlorcyclohexan, Malathion, Permethrin oder Carbaryl und werden unter verschiedenen Markennamen als Shampoo, Gel und Spray angeboten. Nach der erfolgreichen Behandlung enthalten die sichtbaren Nissen nur noch leere Eier. Mit Essigwasser kann man den Nissenklebstoff auflösen und die letzten Reste der Plage mit einem Nissenkamm auskämmen.

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Warnung vor Alternativ-Therapien

Haarbürsten, Kämme und Haarschmuck sollten zur Sicherheit ausgekocht oder gleich weggeworfen werden. Bei anderen Gegenständen (Schmusetiere, Kopfkissen, Kopfbedeckungen) kann man sich eine „Schwäche“ der Läuse zunutze machen: Die Tiere überleben bei Zimmertemperatur nur zwei Tage ohne Blut, bei kühleren Temperaturen verhungern sie ohne ihren Wirt nach spätestens einer Woche. Für weniger empfehlenswert hält Maier manche „alternative“ Therapievorschläge. So wird in einer Internet-Quelle empfohlen, „Kopfläuse statt mit Chemie eine halbe Stunde lang bei 60 Grad unter der Trockenhaube zu behandeln.“ Der Dermatologe: „Es ist anzunehmen, dass die Läuse das nicht überleben. Aber auch der Mensch kann sich dabei Schäden zuziehen.“

Die Nissen genannten Eier, die rund einen Millimeter groß sind, werden von der Kopflaus an die Haare zementiert. Sie kleben so fest, dass sie sich nur mit Mühe, einem Nissenkamm und nach Spülungen mit Essigwasser entfernen lassen. Abgetötet werden die Nissen von allen gängigen Laus-Mitteln.

Heinz Macher

November 2012


Foto: © s. Hofschlaeger / pixelio.de, privat

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Kommentar

Kommentarbild: Kopfläse„Läuse werden meist durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Die Behandlung des Kopflaus-Befalls erfolgt mit medizinischen Shampoos und Sprays, die Läuse und Nissen abtöten. Wichtig ist eine gleichzeitige Behandlung aller Personen, die mit dem Betroffenen in nahem körperlichen Kontakt stehen. Solange eine Laus-Epidemie nicht vollkommen zum Erlöschen gebracht wurde, ist eine neuerliche Infektion möglich. Daher ist es ratsam auch nach erfolgreicher Behandlung eine Kontrolle vorzunehmen.“
Univ. Prof. OA Dr. Harald Maier
Abteilung für Spezielle Dermatologie der Uniklinik für Dermatologie, Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020