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Zecken im Vormarsch: Risikoland Oberösterreich

zeckeÄrzte schlagen Alarm: 88 Prozent der Österreicher sind zwar geimpft, aber nur 66 Prozent gehen in der Folge auch zum Auffrischen. 

Vor allem ältere Personen vernachlässigen die notwenige Auffrischimpfung. Das führte 2005 zu einer drastischen Zunahme der FSME-Erkrankungen in Österreich: Nach nur 41 FSME-Fällen 1999 waren im Vorjahr 100 FSME-Fälle klinisch zu behandeln, drei Patienten starben sogar, einer davon in Oberösterreich. Und in der Statistik liegt unser Bundesland ganz vorne: Platz zwei in der Österreich-Statistik mit 22 FSME-Erkrankungen.


Zecken sind weltweit Überträger wichtiger Infektionskrankheiten. Die Liste der Infektionen ist lang, die wichtigsten Infektionen sind die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die bakterielle Borreliose. Borreliose lässt sich durch Antibiotika gut behandeln, gegen die FSME hilft hingegen nur die vorbeugende Schutzimpfung. "Für Impfverweigerer haben wir kein Verständnis, die FSME kann nur durch die entsprechende Impfung verhindert werden," so Univ. Prof. Dr. Helmuth Mittermayr, Mikrobiologe und Tropenmediziner am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.


Dass die FSME-Impfung sehr effektiv ist, zeigt der Vergleich zwischen Österreich und der Tschechischen Republik, wo bei deutlich geringerer Durchimpfungsrate im Schnitt der letzte zehn Jahre die Zahl der FSME-Fälle zehn mal höher ist als in Österreich. Trotz guter Durchimpfungsrate in Österreich muss für die Impfung weiter geworben werden: Die Zahl der FSME-Fälle stieg 2005 erstmals wieder auf 100 Fälle an, 1999 waren es lediglich 41 Fälle. Oberösterreich steht in der Bundesländerstatistik mit 22 Fällen hinter der Steiermark (25 Fälle) an zweiter Stelle.

Zecken auch im Herbst gefährlich

Obwohl die Krankheit "Frühsommer-Meningoenzephalitis" heißt, kommen Zeckenbisse bis weit in den Herbst hinein vor: Waren im August 2005 noch 29 Fälle, so waren im September elf, im Oktober acht und im November drei Fälle zu verzeichnen.

Die Verteilung der FSME in den Altergruppen zeigt deutlich, dass das Problem FSME hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Dass das Problem hauptsächlich ältere Menschen betrifft, zeigen die Sterbefälle aus dem Jahr 2005: Die zu beklagenden Todesopfer waren:

  • Steiermark: 60 Jahre, ungeimpft,
  • Oberösterreich: 82 Jahre, ungeimpft,
  • Tirol: 79 Jahre, ungeimpft. 

Die (Haupt-)Krankheit selbst, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, ist eine Arbovirose (eine von Gliederfüßlern übertragene Viruserkrankung), welche in Mittel- und Osteuropa vor allem im Frühsommer bis Herbst verbreitet ist. Nach einem Stich einer virustragenden Zecke kommt es in einer Inkubationszeit von durchschnittlich fünf bis zwölf Tagen zu einer Virusvermehrung im Blut und zu einer grippeähnlichen Erkrankung. Univ. Prov. Prim. Dr. Gerhard Ransmayr, Vorstand der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie am Linzer AKH, zur FSME: "Bei vielen Patienten verläuft die Erkrankung sogar asymptotisch, das heisst ohne dass Symptome auftreten. Seltener kommt es zu einem zweiten Erkrankungsgipfel mit Zeichen einer heftigen Hirnhautentzündung, die sich in Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit äußert, und einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die vor allem tiefe Hirnregionen aber auch das Rückenmark und Nervenwurzeln betrifft. Oft leiden Patienten unter Krampfanfällen, Bewusstseinstrübungen, Muskelsteife, Bewegungsverminderung und Tremor (Muskelzittern). Bei besonders schweren Verläufen ist eine Betreuung auf einer Intensivstation erforderlich." Ein bis zwei Prozent der an Enzephalitis erkrankten Patienten sterben und in einem wechselnden Prozentsatz kommt es zu Defektheilungen mit zum Teil erheblichen motorischen und psychischen Behinderungen.

Interessant auch die gesammelten Patienten-Aussagen von Christine Freund, Geschäftsführerin der Selbsthilfegruppe Zeckenopfer: "Die Gründe, warum sich Menschen nicht impfen lassen, sind vielfältig. Um sich von der "Nadelangst" zu drücken, gibt es Ausreden wie "auf mich gehen die Zecken nicht", "ich habe schon so viele Zeckenbisse gehabt, ich bin immun", "ich ernähre mich gesund und habe eine positive Einstellung", "die Impfung ist gefährlicher", "bei uns in der Gegend gibt es keine Zecken", "in meinem Alter muss man sich nicht impfen lassen". Das ist alles absurd! Wenn es einen dann trifft, so finden wir komplett andere Aussagen wie "habe nicht geglaubt, dass es so schlimm sein kann", "war der Meinung dass medizinisch mehr machbar wäre", die Reha geht so langsam voran" und schließlich "das hätte ich mir ersparen können".

Sichere FSME-Impfung

Tatsache ist dass die FSME-Impfung sehr sicher ist: der Impfschutz nach der Grundimmunisierung beträgt ca. 98 Prozent, bei der Grippeimpfung liegt der entsprechende Vergleichswert bei lediglich 80 Prozent. Weiters sind keine Impfkomplikationen bekannt, in geringem Ausmaß kann es jedoch zu Impfreaktionen wie Rötungen oder Fieber - insbesonders bei Kindern - kommen.


Impfschema der FSME-Impfung: Grundimmunisierung (drei Teilimpfungen) und Auffrischungsimpfungen (die erste nach drei Jahren) die weiteren alle fünf Jahre. Für Personen über 60 Jahre wird ein Dreijahresintervall empfohlen.


Kinder: Geimpft werden kann ab dem ersten Lebensjahr, in Einzelfällen ab dem sechsten Lebensmonat.


Wer nur die leichteste Form der FSME, die Meningitis (Hirnhautentzündung) durchmacht, wird verwundert sein, wie lange es dauert, bis man sich wieder so halbwegs wieder im Alltagsleben einfindet. Konzentrationsstörungen, verminderte Merkfähigkeit, Vermeidung von Lärm und Stress - dieser Zustand kann bis zu einem Jahr dauern!

Schwere Fälle wie diese zeigen die Grenzen der Medizin auf, auch heute noch: Lähmungen, langjährige Spitalsaufenthalte, Intensivbetreuung zuhause, Betreuung rund um die Uhr....das Pflegegeld reicht in den meisten Fällen nicht aus.

Infokasten: Verteilung der FSME-Fälle Österreich 2005 nach Altersklassen:

0-6 Jahre: 4 Fälle
7-14 Jahre: 3 Fälle
15-20 Jahre: 1 Fall
21-30 Jahre: 8 Fälle
31-40 Jahre: 10 Fälle
41-50 Jahre: 13 Fälle
51-60 Jahre: 15 Fälle
61-70 Jahre: 27 Fälle
71-80 Jahre: 17 Fälle
über 80 Jahre: 2 Fälle



Mag. Michael Schumm

April 2006


Foto: TBE

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020