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Zecken: Irrtümer und Wissenslücken

Zecken1Zum Thema Zecken bestehen zahlreiche Irrtümer und Wissenslücken. Das hat das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) gemeinsam mit einer Schweizer Versicherung in einer Erhebung herausgefunden.

Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werden sich die Österreicher der Zeckengefahr bewusst. Allerdings ist die kleine Milbenart nicht nur in der sonnigen Jahreszeit aktiv, sondern das ganze Jahr über.

Hochsaison

Von März bis November haben die Insekten wegen der Witterung Hochsaison. Dessen sind sich allerdings nur zwei Prozent der 1.002 Befragten bewusst – ein Großteil vermutet die Gefahr nur zwischen Frühling und Herbst.

 

Wenig Kenntnis besteht auch über die Verbreitung der Tiere. 80 Prozent der Befragten wussten zwar, dass sie in Gräsern, Sträuchern und Wäldern leben, dass sie aber überall im Freien – auch in Städten – vorkommen, war nur fünf Prozent der Befragten bewusst. Fast ein Drittel glaubt, dass Zecken von den Bäumen fallen, und zehn Prozent, dass sie sowohl von oben als auch von unten auf ihre Opfer losgehen. „Dabei halten sich Zecken vor allem in Gräsern und Sträuchern bis maximal 1,5 Metern Höhe auf. Beim Joggen, Spazierengehen oder Radfahren sind sie so auf der richtigen Höhe, um von Menschen abgestreift zu werden“, erklärt Dr. Rupert Kisser, Bereichsleiter Heim, Freizeit & Sport im KfV.

Schnell und richtig entfernen

Bei einem Zeckenstich – fälschlich „Zeckenbiss“ genannt – ist es wichtig, das Tier möglichst rasch zu entfernen, um das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten. Ein Drittel der Befragten verwendet dazu eine Pinzette, ein knappes Drittel eine Zeckenzange. Dabei sollte mit den Instrumenten Kopf und Körper des Tieres umfasst und die Zecke gerade aus der Haut gezogen werden.

Nicht drehen

„Die weit verbreitete Annahme, dass Zecken herausgedreht werden müssen, ist ein Irrglaube und eher kontraproduktiv, denn Zähnchen auf den Widerhaken der Zecke können sich dabei ins Gewebe graben, was zu Hautentzündungen beziehungsweise zur Entleerung von infektiösem Material in die Wunde führen kann“, erklärt Dr. Martin Millauer, Facharzt für Innere Medizin und Vorsorgereferent der Ärztekammer Steiermark.

Kein Öl

Beinahe jeder siebte Befragte versucht die Blutsauger mithilfe von Öl zu entfernen. Das sollte man besser lassen, denn durch Öle, Alkohol, Nagellackentferner oder ähnliche Substanzen wird die Zecke gereizt. Sie gibt dadurch schneller Erreger in die Wunde ab, wodurch die Übertragungsgefahr erhöht wird. 14 Prozent der Befragten wenden sich gleich an den Arzt, ein Zehntel nennt andere Hilfsmittel wie Kleber oder das Herausdrehen mit Fingern oder Nägeln.

Zeckenkarte

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Das wirksamste und effektivste Instrument zur Entfernung von Zecken sind Zeckenkarten, mit denen alle Zeckengrößen sehr einfach und hautschonend entfernt werden können, so das Kuratorium. Wegen ihrer geringen Größe ist die Karte leicht in der Brief- oder Hosentasche unterzubringen und im Fall des Falles stets griffbereit.

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FSME und Borreliose

Neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), kennt nur ein Drittel der Befragten eine weitere durch Zecken hervorgerufene Krankheit: die Borreliose. 69 Prozent kennen die Krankheit nicht oder konnten sie nicht näher beschreiben. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die leicht an der sogenannten „Wanderröte“ erkennbar ist, einem Hautausschlag in Form von rötlichen Kreisen. „Bei einer Infektion kann es zu einer Entzündung der lokalen Lymphknoten, sowie zu Muskel‐und Gelenksentzündungen kommen. Wird die Borreliose nicht erkannt und behandelt, können sich chronische Erkrankungen der Haut, Gelenke und des Nervensystems entwickeln“, so Millauer. Gegen Borreliose gibt es im Gegensatz zu FSME keinen Impfschutz, aber eine Behandlung mit Antibiotika ist möglich. Je früher sie eingeleitet wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Schützende Tipps

Weil der Zeckenstich selbst nicht schmerzhaft ist, wird der Blutsauger nicht gleich bemerkt. Es ist daher sinnvoll, nach Aufenthalten im Freien, den Körper nach Zecken abzusuchen. Eine genaue Untersuchung kann nicht schaden, weil die Tiere, bevor sie vollgesaugt sind, sehr klein sind.

 

Zecken bevorzugen Körperstellen an denen es warm und die Haut dünn ist. Beim Menschen sind das speziell die Kniekehlen, die Achseln und die Leistengegend sowie der Haaransatz im Nacken, so das KfV. Auch hinter den Ohren können sich Zecken festsetzen.

Schützende Kleidung

Hält man sich länger in einer belasteten Umgebung wie im hohen Gras oder Unterholz auf, ist es ratsam anliegende Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen zu tragen. Das KfV empfiehlt für diesen Fall auch; die Hosenbeine in die Socken zu stecken. „Mit heller Kleidung, an der Zecken noch vor dem Stich leichter entdeckt werden, dem Absuchen des Körpers und im Fall eines Stichs raschen und richtigen Entfernen wird die Zeckengefahr deutlich reduziert.“, so Kisser.

 

Mag. Christian Boukal

April 2009


Foto:University of California Davis, Bodega Marine Laboratory, www.wuff.at, Medizinisches Labor Bremen

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020