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Computerarbeit: Belastung für die Augen

Mann vor PCBildschirmarbeit kann zu Beschwerden an den Augen führen. Daher ist es wichtig, das Umfeld am Computerarbeitsplatz zu optimieren. "Ganztägige Bildschirmarbeit belastet die Augen", erklärt Wiener Augenarzt, Universitätsprofessor Dr. Wolfgang Radner. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es jedoch keine Hinweise, dass der Computer bleibende Schäden der Augen verursacht oder dass sich eine Fehlsichtigkeit verstärkt. "Dennoch können hohe Belastungen zu Augenbeschwerden führen. Beispielsweise zu einer vorübergehenden Verminderung der Sehleistung am Abend, Augenflimmern, Lidzucken oder Augenbrennen", so Radner.


Das alles sind Zeichen für einen Erholungsbedarf der Augen, die ernst genommen werden sollten. Genauso wie häufige Kopfschmerzen. Dahinter kann manchmal auch eine bisher unerkannt gebliebene Fehlsichtigkeit stecken - etwa eine Weitsichtigkeit oder eine Hornhautverkrümmung. "Gerade eine Weitsichtigkeit bleibt oft unerkannt, da vielfach nur selten Probleme beim Sehen in die Ferne auftreten. Bei Arbeiten im Nahbereich hingegen kann Weitsichtigkeit Beschwerden wie Kopfweh verursachen", betont Radner. Diese Sehfehler können nur von einem Augenarzt aufgedeckt werden. "Und zwar mit einer Skiaskopie - einer objektiven Sehstärkenbestimmung, bei der die Augen eingetropft werden." Eine spezielle Bildschirmbrille ist mit dem Auftreten der so genannten "Altersweitsichtigkeit" - meistens erst nach dem 40. Lebensjahr - notwendig. Zu Beschwerden am Bewegungsapparat können Körperfehlhaltungen, die zur unbewussten Abwehr von Blendungen und Spiegelungen am Bildschirm eingenommen werden, führen. "Es ist daher wichtig, die Sehbedingungen am Computerarbeitsplatz zu optimieren", unterstreicht Radner. "Deshalb definieren Empfehlungen und gesetzliche Vorgaben das Umfeld eines Bildschirmarbeitsplatzes und eventuell notwendiger spezieller Sehhilfen." - Bildschirmarbeitsplätze sind mit ausreichend Platz für wechselnde Arbeitshaltung und –bewegungen einzurichten. - Es ist eine geeignete Beleuchtung vorzusehen. Reflexionen und Blendungen sind zu vermeiden (Monitoraufstellung). - Sind Arbeitnehmer durchschnittlich mehr als zwei Stunden ununterbrochen oder mehr als drei Stunden insgesamt (pro Arbeitstag) mit Bildschirmarbeit beschäftigt, muss nach jeweils 50 Minuten eine Pause oder ein Tätigkeitswechsel von mindestens zehn Minuten erfolgen. Der Arbeitnehmer hat das Recht auf eine augenärztliche Untersuchung und gegebenenfalls auf eine Sehhilfe auf Kosten des Arbeitgebers.

Die Bildschirmbrille

BGBl II – 1998 Nr. 124; § 12 Sehhilfen (1): Arbeitnehmern/Arbeitnehmerinnen sind spezielle Sehhilfen zur Verfügung zu stellen, wenn die Ergebnisse der Untersuchungen nach §i11 Abs. 1 und 4 ergeben, dass diese notwendig sind, weil normale Sehhilfen nicht verwendet werden können. Unter "normale Sehhilfen" sind in diesem Fall Brillen zu verstehen, die im normalen Alltag notwendige die Fern- bzw. die Nahsicht (30-40cm) ermöglichen. Können solche "normalen Sehhilfen" wegen eines größeren Arbeitsabstandes zum Computer (z.B. >50cm) nicht mehr verwendet werden, da der Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage ist auf diese Distanz scharf zu stellen, besteht ein Anspruch auf eine Bildschirmbrille (dies ist allerdings äußerst selten vor dem 40 Lebensjahr der Fall). "Eine Augenuntersuchung sollte schon vor der Aufnahme der Bildschirmtätigkeit erfolgen", so Radner. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind anzuraten, mindestens alle drei Jahre. Bei Auftreten von Sehbeschwerden wäre eine augenärztliche Untersuchung zu empfehlen, da der Augenfacharzt beurteilen muss, ob eine spezielle Bildschirmarbeitsbrille erforderlich ist. Zur Bestimmung der Sehschärfe können auch Arbeits- und Betriebsmediziner aufgesucht werden. Beschränkt sich die Untersuchung ausschließlich auf die Messung der Sehschärfe, darf diese auch von einem Optikermeister durchgeführt werden. "Besteht der Verdacht auf eine Anomalie, einer Augenerkrankung oder Notwendigkeit einer Bildschirmbrille, muss der Optiker seinen Kunden an einen Augenarzt verweisen. Dasselbe gilt für Arbeits- und Betriebsmediziner", erklärt Radner.

Der richtige Monitor

Bildschirmgröße und -format sollten auf die Arbeitsanforderungen abgestimmt und nicht zu gering dimensioniert werden. So empfiehlt sich für die Textverarbeitung eine Monitorgröße von mindestens 17 Zoll Diagonale (43 cm) während für höhere Ansprüche wie etwa CAD-Arbeiten mindestens 20 Zoll (51 cm) Diagonale zu empfehlen sind. "Positivdarstellungen wie zum Beispiel weißer Hintergrund mit schwarzen Schriftzeichen haben sich in der Praxis gut bewährt, da diese gut lesbar sind und weniger zu Spiegelungen neigen", erläutert der Mediziner.

Röhren- oder LCD-Bildschirm

Röhrenbildschirme sind bereits fast zur Gänze von den LCD-Bildschirmen aus den Verkaufsregalen verdrängt worden. LCD Bildschirme haben laut Radner zahlreiche Vorteile: Schon allein wegen ihrer geringen Tiefe sind sie platzsparend und erleichtern die richtige Aufstellung am Arbeitsplatz. Im Vergleich mit den Röhrenbildschirmen sind LCD Bildschirme technisch hochwertiger und haben eine bessere Punktauflösung. Während LCD Bildschirme flimmerfrei sind, kann es bei Röhrenbildschirmen durch den Zeilenaufbau bei höheren Bildschirmfrequenzen zu Überlagerung von Wellen mit der Umgebungsbeleuchtung kommen, die störend sein können. Bei Röhrenbildschirmen kommt es mit der Zeit zu Abbildungs-Ungenauigkeiten und Verzerrungen, die besonders bei Zeichenarbeiten (Architekten usw.) störend sind. Beim LCD Bildschirm treten hingegen keine Verzerrungsverluste an den Bildschirmkanten auf. Ein besonderer Nachteil der Röhrenbildschime ist auch, dass deren Glasoberfläche zu optischen Reflexen und Spiegelungen neigt. Die Oberfläche des LCD ist matt und daher deutlich weniger reflex- und spiegelungsanfällig. LCD Bildschirme sind zudem strahlungsfrei, auch wenn an dieser Stelle betont werden muss, dass die Strahlung der Röhrenbildschirme als völlig unbedenklich eingestuft werden kann. "Auch gibt es bis heute keinerlei wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen der Zunahme einer Sehschwäche und der Bildschirmarbeit gibt", betont der Mediziner. "Aus augenärztlicher Sicht können Flachbildschirme in Einzelfällen bei manchen Augenerkrankungen zu empfehlen sein - auch wenn es nicht immer Studien dazu gibt." Kann eine Fehlsichtigkeit mit einer Brille ausreichend korrigiert werden, besteht aus augenärztlicher Sicht allein deshalb (abgesehen von Hornhautverkrümmungen) kein Grund für eine Empfehlung zum Umstieg auf einen LCD Bildschirm. "Ein besonderer Vorteil der LCD-Bildschirme ist auch der merklich geringere Stromverbrauch, sodass sich eine Umstellung mittelfristig finanziell rentiert. Da sich wegen der besseren Technik und dem Preisverfall die LCD Bildschirme kurzfristig durchsetzen werden bzw. sich schon durchgesetzt haben, wäre im Zweifelsfall ein Vorgriff im Hinblick auf ein ohnehin stattfindende Umstellung und in Anbetracht der geringeren Kosten durch den geringeren Stromverbrauch überlegenswert, wenn nicht sogar sinnvoll", meint Radner.

Wo soll der Bildschirm stehen?

"Die richtige Aufstellung des Bildschirmes ist von besonderer Bedeutung", betont der Experte. Durch falsche Aufstellung können nämlich zusätzliche Augenbelastungen entstehen, wenn sich Fenster, Beleuchtungskörper oder auch Einrichtungsgegenstände darin spiegeln. "Außerdem versucht der Mensch unbewusst diesen Spiegelungen auszuweichen wodurch es unbemerkt zu ungünstigen Körperhaltungen kommt, die Beschwerden auslösen können", so Radner. Prinzipiell sollten Bildschirme nicht in unmittelbarer Nähe von Lichteintrittsflächen (zum Beispiel Fenster) aufgestellt werden, weil das helle Tageslicht die Anpassung der Augen an das dunklere Bildschirmgerät erschwert. Ein Bildschirm sollte so aufgestellt werden, dass die Blickrichtung parallel zur Fensterfront verläuft. Schlecht ist es auch ein Fenster im Rücken zu haben (auch schräg) oder aber auch direkt vor sich. Im ersten Fall treten Spiegelungen der hellen Fenster im Bildschirmgerät auf. Arbeitet man gegen das Fenster, führt der Kontrast zwischen dunklerem Bildschirmgerät und hellem Tageslicht zur Blendung der Augen und dadurch zu Beschwerden. Innenbeleuchtungen sollen parallel zur Blickrichtung montiert sein. Ist aus räumlichen Gegebenheiten die "ideale" Aufstellung des Bildschirmgerätes nicht möglich, müssen durch andere Maßnahmen Blendwirkungen und Spiegelungen wie beispielsweise durch Drehen, Absenken oder Neigen des Bildschirmgerätes vermieden werden. Wenn nicht anders möglich, müssen entsprechende Verbesserungen durch Jalousien an den Fenstern oder individuelle Änderungen der Beleuchtungseinrichtungen herbeigeführt werden, sagt Radner.

Cornelia Schobesberger

April 2006


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020