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Wildtiere auf den Straßen

Wildtiere auf den Straßen2009 kam es zu 114 fatalen Begegnungen zwischen Mensch und Tier, berichtet das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Vorausschauende Fahrweise hilft, schwere Unfälle zu verhindern.

Menschen sind Gewohnheitstiere – Rehe, Hirsche, Füchse, Hasen allerdings auch. Sie benutzen bevorzugte Routen, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Und ziemlich oft kreuzen sich ihre Wege – manchmal mit schwerwiegenden Folgen. 2009 wurden 114 – polizeilich registrierte – Wildunfälle gezählt, ein leichter Rückgang gegenüber 2008 (148 Unfälle).

Herbst bis Frühjahr

Besonders von Oktober bis April ist für Fahrzeuglenker besondere Aufmerksam gefordert, weil in dieser Zeit mehrere Faktoren zusammenspielen: Es wird früher dunkel und die Sichtweiten sind entsprechend eingeschränkt. Daneben sind winterliche Straßenbedingungen schwieriger zu beherrschen. Reh, Hirsch oder anderes Wild prescht ohne Vorwarnung aus Wald oder Feld und oft lässt sich eine Kollision dann nicht vermeiden. Alleine im Oktober geschehen rund 15 Prozent der Wildunfälle, gut die Hälfte dieser Unfälle passiert bei Dunkelheit. Vorsicht ist also vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung wichtig, wenn das Wild zwischen Futterplätzen und Unterständen wechselt.

Gefahr von beiden Seiten

„Fahrzeuglenker sind sich der Gefahr prinzipiell bewusst, wenn sie am Straßenrand das Gefahrenzeichen ‚Achtung Wildwechsel’ sehen“, sagt Klaus Robatsch, Leiter Prävention im KfV. „Wie Studien gezeigt haben, erwarten 80 Prozent der Autofahrer aber ganz unbewusst, dass das Tier von rechts kommt.“ Die Realität sieht freilich anders aus, weil das Wild quert wie es will oder muss.

Nach einem Wildunfall

Tatsache ist auch, dass viele Lenker nicht wissen, wie sie sich nach einem Wildunfall verhalten müssen: Anhalten und die Unfallstelle absichern ist der erste und wichtigste Schritt. Totes Wild darf nicht einfach in den Kofferraum geladen werden, sondern muss an den Straßenrand gezogen werden. Danach ist die Polizei zu verständigen, Unfallspuren am Fahrzeug dürfen nicht beseitigt werden. Das ist später auch für die Versicherung relevant: Ersatz gibt es nämlich nur, wenn eine behördliche Schadensaufnahme erfolgt ist und der Unfall ohne unnötigen Aufschub der Versicherung gemeldet wurde.

Vorbeugung statt wilder Manöver

Mit einer bewussten Fahrweise und etwas Beobachtung des Straßenraums lassen sich jedoch Wildunfälle vermeiden oder zumindest deren Heftigkeit reduzieren. Wenn eine Straße durch bewaldete oder von Gebüsch bewachsene Landschaften führt, ist erhöhte Konzentration geboten. Auch wenn sich auf einer Straßenseite ein Wald und auf der anderen Seite ein Feld befindet, ist Wildwechsel wahrscheinlich. An solchen Stellen und natürlich dort, wo Wildwechsel-Warnschilder auf die Gefahr hinweisen, sollten Fahrzeuglenker vor allem in den gefährlichen Morgen- und Abendstunden die Geschwindigkeit verringern und bremsbereit fahren. Sobald sich Wild in Fahrbahnnähe zeigt, hilft nur: Weg vom Gas, abblenden und abgesetzt hupen – Rudeltiere haben meistens Artgenossen im Schlepptau. Auf keinen Fall sollte man es auf riskante Ausweichmanöver ankommen lassen, da sonst auch noch entgegenkommende Verkehrsteilnehmer gefährdet werden oder die Fahrt womöglich tödlich an einem Baum endet.

Mag. Christian Boukal
Oktober 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020