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Vorsicht beim Heimwerken

Mann mit Flex beim HeimwerkenAlle 24 Minuten verletzt sich in Österreich ein Heimwerker so schwer, dass er im Spital behandelt werden muss - das macht 21.100 pro Jahr, 88 Prozent sind Männer. "Und das sind nur die schweren Fälle. Dazu kommen noch jene Heimwerker, die ihre Wunden selbst versorgen oder nur den Hausarzt konsultieren", berichtet Dr. Rupert Kisser, Leiter des Bereichs Heim, Freizeit und Sport des Kuratoriums für Verkehrssicherheit.

Sägen aller Art am gefährlichsten

71 Prozent der Freizeithandwerker verletzen sich im Freien (Garten, Hof oder Garage), nur 29 Prozent verunglücken in den eigenen vier Wänden, so Kisser. Falsche Anwendung der Geräte ist die Unfallursache Nummer eins: 70 Prozent gaben an, Säge, Holzspaltmaschine, Handbohrer oder Schleifgerät nicht fachgerecht benutzt zu haben. Nur in sechs Prozent der Fälle war das Gerät defekt. Ein Viertel aller Verletzungen geht auf das Konto von Sägen aller Art, "damit ist es das gefährlichste Gerät in der Hobbywerkstatt", berichtet Kisser. "Besonders leichtsinnig ist der Verzicht auf die Schutzabdeckung, die leider immer noch von einigen Hobbyhandwerkern wegen der angeblichen Zeitersparnis abgeschraubt wird. Mit einem solchen Vorgehen kann man sich im wahrsten Sinn des Wortes schnell ins eigene Fleisch schneiden", warnt der Experte. Auch stumpfe Geräte können oft fatale Unfälle auslösen: Um gute Ergebnisse zu erzielen, muss man mit Druck arbeiten. Rutscht man aus, sind tiefe Schnittwunden oder in Extremfällen sogar Amputationen die Folgen.

Selbstüberschätzung beherrscht Männerdomäne

Stolze 70 Prozent der im Spital behandelten Heimwerker bezeichneten sich selbst als "Heimwerkerprofi", teilte Kisser mit. Nur 28 Prozent ließen Bescheidenheit (oder Realität) walten und charakterisierten sich als "Gelegenheitshandwerker". Dabei handelt es sich bei den Verunfallten fast ausschließlich um "Selfmade-Handwerker", so Kisser. Denn nur zwei Prozent haben jemals einen der zahlreichen Kurse besucht, die von Baumärkten oder Volkshochschulen angeboten werden.

Eigenverantwortung und Händlerservice für mehr Sicherheit

Die Sicherheitsbestimmungen der gewerblichen Handwerker sind auch auf den Privatbereich übertragbar. "Stabile Arbeitsplätze auf festem Untergrund, modernes Werkzeug mit Schutzvorrichtungen und regelmäßige Weiterbildungskurse gleichen Konzentrationsmangel und Überforderung - mit 55 bzw. 15 Prozent die häufigsten Unfallauslöser - wenigstens teilweise aus", betont Kisser. Ebenfalls eine große Lücke klafft im Bereich der Bedienungsanleitungen. "Gerade einmal vier Prozent der spitalsbehandelten Hobbyheimwerker haben die Gebrauchsanweisung der verwendeten Geräte vollständig gelesen", sagt Kisser. Der Löwenanteil hat die Gebrauchsanweisung überhaupt nicht studiert (22 Prozent) bzw. angegeben, dass keine Anleitung (mehr) vorhanden war (41 Prozent). "Die gängigen Gebrauchsanweisungen verzichten - teils auch aus rechtlichen Gründen - auf echte Anwendungsempfehlungen. Hier sind Hersteller und Händler gefragt: Bessere Informationen - z.B. im Internet - zum erfolgreichen und sicheren Arbeiten mit dem gekauften Gerät wären ein sinnvoller Zusatzservice für die Kunden", appelliert Kisser.

Cornelia Schobesberger
April 2006

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020