DRUCKEN

Unfallträchtige Hausarbeit

Unfallträchtige Hausarbeit - ZwiebelbrettJährlich verletzen sich rund 52.900 Menschen bei der Hausarbeit, zwei Drittel davon sind Frauen. Männer tragen aber das höhere Verletzungsrisiko, vor allem beim Kochen.

Der Bereich „Heim, Freizeit & Sport“ im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) untersuchte, welchen Unfallgefahren Männer und Frauen bei der Hausarbeit ausgesetzt sind. Das Ergebnis: Rund 52.900 Menschen verletzen sich jährlich bei Tätigkeiten wie Kochen, Putzen und Kinderbetreuung so schwer, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Knapp zwei Drittel dieser Unfälle entfallen auf Frauen. „Jede dritte verletzte Frau ist über 60 Jahre alt. Bezogen auf die Dauer der Tätigkeit im Haushalt haben aber Männer ein höheres Verletzungsrisiko“, berichtet Bereichsleiter Dr. Rupert Kisser.

Gefährliches Kochen und Putzen

Allein etwa 79 Prozent der Unfälle passieren beim Kochen und Putzen. „Damit ereignen sich jedes Jahr auf diese Art rund gleich viele Unfälle wie etwa in der Metallverarbeitungsindustrie und in Bauberufen zusammen, obwohl hier natürlich die Anzahl der Unfälle mit tragischem Ausgang höher ist“, so Kisser.

Männer haben ein höheres Risiko

Frauen verbringen mit durchschnittlich rund 2.300 Stunden pro Jahr (entspricht 26 Prozent aller Stunden) mehr als doppelt so viel Zeit mit Tätigkeiten der Haushaltsführung als Männer (ca. 1.000 Stunden pro Jahr). Der Großteil dieser Hausarbeit verteilt sich auf das Kochen und das Betreuen von Kindern, mit durchschnittlich mehr als 1.000 Stunden pro Jahr.

„Männer betätigen sich unterdurchschnittlich aktiv im Haushalt und mit zunehmendem Alter nehmen diese Tätigkeiten noch weiter ab“, erläutert der Experte. „Allerdings scheinen sich Männer bei der Hausarbeit um einiges ungeschickter anzustellen. Denn bezogen auf die geringe Zeit, die sie für Haushaltsarbeiten aufwenden, haben Männer ein um 20 Prozent höheres Verletzungsrisiko, vor allem beim Kochen.“

Schnittwunden durch Küchenmesser

Vier von fünf Verletzungen entstehen laut Kisser durch Schnitte, Quetschungen und Stiche beim Kochen und Abwaschen oder aber durch Stürze, typischerweise beim Putzen. Dabei wird in knapp zwei Drittel aller Fälle ein Teil der oberen Extremitäten verletzt - weit voran Verletzungen an den Fingern mit 31 Prozent. Beine und Füße erleiden bei jedem fünften Unfall Schaden. Die häufigste Verletzungsart sind offene Wunden, die wiederum zum Großteil durch Unfälle beim Kochen entstehen, gefolgt von Knochenbrüchen und Prellungen, die sich die Personen beim Putzen oder anderen Hausarbeiten zuziehen. Verbrennungen und Verbrühungen erleidet man am ehesten beim Kochen.

Scharfes Messer sicherer als stumpfes

Unter den Utensilien, die im Haushalt gefährlich werden können, ist das Küchenmesser das tückischste. Mit 9.300 Verletzungen pro Jahr liegt es weit vor anderen Gefahrenquellen wie Brotschneidemaschine, Glasscherben und Herd. „Es klingt vielleicht paradox, aber ein scharfes Messer ist weit sicherer als ein stumpfes“, sagt Kisser. „Mit einem gut geschärften Messer wird weniger Druck ausgeübt und es besteht eine geringere Abrutschgefahr.“ Ebenfalls eine wirkungsvolle Präventivmaßnahme gegen den Schnitt in den Daumen: Der Krallengriff. Dabei wird das Schneidegut von oben erfasst und das Messer an den Fingern vorbei geführt – und der Daumen bleibt heil.


Cornelia Schobesberger

Oktober 2006

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 28. September 2020