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Autofahren bis ins hohe Alter

Autofahren bis ins hohe AlterJeder fünfte Verkehrstote in Österreich ist älter als 65 Jahre. Verkehrsteilnehmer ab diesem Alter tragen ein erhöhtes Unfallrisiko. Aufgrund des demographischen Wandels werden künftig immer mehr betagte Menschen bis ins hohe Alter hinter dem Lenkrad sitzen.

Mobilität in Form des Führens eines Fahrzeuges ist auch für ältere Menschen wichtig. Vor allem in ländlichen Gebieten bedeutet ein eigenes Auto Unabhängigkeit. Fahrten zum Arzt, zu Behörden, zu Freunden und Familie sind Wegstrecken, die in wenig aufgeschlossenen Regionen häufig nur mit dem Auto zu bewältigen sind.
 

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Immer mehr betagte Autolenker

Der Trend zum betagten Autolenker wird sich noch verstärken, da künftige Pensionisten fast durchwegs einen Führerschein besitzen werden. Zahlen verdeutlichen das: Heute besitzen laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) bloß 49 Prozent der über 60-jährigen Frauen einen Führerschein. In der Altersgruppe der 41 bis 50-jährigen Frauen dagegen sind es bereits 91 Prozent. Bei den Männern dieser Alterskategorie sind es bereits 97 Prozent. 

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Pro und Contra

Im Allgemeinen kann jeder Mensch bis ins hohe Alter in der Lage sein, ein Fahrzeug sicher zu führen. Freilich verändert sich das Fahrverhalten mit dem Alter. Betagte Menschen fahren langsamer als jüngere Autofahrer. Sie halten sich in der Regel an vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeiten und beachten Verkehrsvorschriften meistens sehr genau.

Diesen positiven Aspekten stehen negative gegenüber: Mit dem Alter nimmt die Reaktionsgeschwindigkeit ab, schnell fühlt man sich im Straßenverkehr überfordert. „Viele haben Probleme beim Fahren in der Dämmerung, bei Dunkelheit und bei schlechtem Wetter“, sagt Mag. Eva Neumeier vom VCÖ. „Auch große Kreuzungen sind oft ein Problem, das häufig mit einem Unfall endet“, erklärt Dr. Dieter Krainz vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). 

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Wenn die Ohren schlapp machen

„Wer altersbedingte Veränderungen des Fahrverhaltens an sich bemerkt, sollte seine Fahrtüchtigkeit kritisch hinterfragen und sich bei Bedenken ärztlich untersuchen lassen“, sagt Krainz.

Neben einer eingeschränkten Sehkraft, einer verlängerten Reaktionszeit und einer verminderten Konzentrationsfähigkeit kann alten Menschen auch ein vermindertes Hörvermögen gefährlich werden. „Zum sicheren Führen eines Fahrzeugs gehört auch die Fähigkeit, seine Umgebung ausreichend zu hören“, sagt Krainz.

Viele Menschen schätzen ihr Hörvermögen aber falsch ein. Eine Untersuchung des ADAC zeigte nun, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer, die sich selbst als „normal hörend" bezeichneten, eine messbare Hörschwäche aufwies. „Wenn das Sehvermögen nachlässt, sind die Menschen deutlich sensibler als bei einem beginnenden Hörverlust", sagt Dr. Peter Meintz, Pressesprecher des ADAC Westfalen. Die Untersuchung zeigte auch, dass rund 30 Prozent der Teilnehmer mit einer Hörschwäche häufig Probleme mit dem Richtungshören hatten. Sie konnten also nicht exakt einschätzen, aus welcher Richtung ein Geräusch kam.  

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Führerschein unbefristet

Eine gesetzlich zwingend vorgeschriebene Überprüfung der Fahrtauglichkeit für betagte Menschen gibt es in Österreich nicht. Wer einmal einen Führerschein erworben hat, ist berechtigt, bis an sein Lebensende ein Fahrzeug zu lenken, ohne seine Fahrtauglichkeit auch nur ein einziges Mal überprüfen lassen zu müssen (sofern er sich keine groben Regelwidrigkeiten zu Schulden kommen hat lassen).

Der VCÖ möchte diese Regelung geändert wissen und schlägt die Einführung eines befristeten Führerscheins vor. „So wie das in vielen EU-Staaten üblich ist. In vielen Ländern wird die Fahrtauglichkeit auch ab einem bestimmten Alter untersucht. Es braucht auch in Österreich Anreize, damit ältere Menschen ihre Lenktauglichkeit freiwillig ärztlich überprüfen lassen“, fordert Neumeier.  

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Alter an sich bedeutet keine Einschränkung

Betagte Menschen sind keineswegs automatisch eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Im hohen Alter Auto zu fahren, bedeutet in der Regel weder für sich noch für andere eine Gefährdung. Hört und sieht man noch gut oder hat man zumindest geeignete Seh- und Hörbehelfe, dann steht dem Führen eines Fahrzeuges nichts entgegen.
Nötig ist auch, dass man sich dem Verkehrsgeschehen gewachsen fühlt. „Wenn ausreichende kraftfahrspezifische Leistungsfähigkeit sowie ausreichende Bereitschaft zur Verkehrsanpassung gegeben sind, ist das Alter egal“, sagt Krainz. 

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Risikoquelle Erkrankungen

Anderes gilt, wenn man nicht „fit“ ist, also an Erkrankungen leidet. Die Fahrtüchtigkeit ist dann herabgesetzt oder ganz ausgeschlossen. Wer an einer Krankheit leidet, sollte seine Fahrtauglichkeit ärztlich untersuchen lassen. Auch über die Auswirkungen von Medikamenten sollte man mit einem Arzt sprechen.

Dr. Thomas Hartl

Oktober 2009

Foto: Bilderbox
 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020