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Erste Hilfe bei Motorradunfällen

Motorradfahrer liegt am Boden und wird versorgtTraurig aber auch selbstverständlich: Wird das Wetter schöner, steigt auch die Zahl der Motorradunfälle. Gerade wenn an sonnigen Tagen die Zweiräder in Scharen unterwegs sind, wird dabei auch mal zu schnell gefahren. Bei zu hoher Geschwindigkeit oder wenn ein unachtsamer Autofahrer einen Fahrfehler macht, verunglücken Motorradfahrer gerade an den schönsten Tagen des Jahres, so die Austria Presse Agentur (APA).

Bei der relativ hohen Zahl solcher Unfälle kann jeder Verkehrsteilnehmer einmal in die Situation kommen, einem verunglückten Motorradfahrer Erste Hilfe leisten zu müssen.

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Wetterabhängig

Bei Motorradunfällen verhält es anders als bei Unfällen mit Autos. Denn ob die Unfallzahlen steigen oder sinken, hängt nicht alleine von der technischen Entwicklung oder von straßenbaulichen Gegebenheiten ab, sondern auch ganz deutlich vom Wetter. So hat das deutsche Statistische Bundesamt in Wiesbaden 2008 eine Zahl von 30.639 verunglückten Motorradfahrern verzeichnet – im Jahr zuvor waren es 34.803. Hingewiesen wurde dabei darauf, dass die Zweiradsaison 2007 wetterbedingt früher begann.

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Sicherung der Unfallstelle

Wer zu einem Unfall kommt, an dem ein Motorrad beteiligt ist, muss als erstes den Unfallort sichern. Erste Hilfe-Fachmann Stefan Osche vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Berlin weist dabei auf eine erste Besonderheit hin: „Motorradfahrer verunglücken häufig in Kurven.“ Beim Aufstellen eines Warndreiecks ist daher sicherzustellen, dass der nachfolgende Verkehr die Warnung schon weit vor der Kurve bemerkt.

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Bei Bewusstsein?

Der nächste Schritt ist die Überprüfung, ob die Verletzten bei Bewusstsein und ansprechbar oder aber bewusstlos sind. Das ist eine wichtige Information für den dritten Schritt, wenn der Notruf abgesetzt werden soll. Dann müssen sich die Ersthelfer bis zum Eintreffen der Rettung am Unfallort um die Verletzten kümmern.

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Vorsicht beim Helm

Hier kommen die nächsten Besonderheiten ins Spiel. Dazu gehört vor allem die Helmpflicht für Motorradfahrer. „Normalerweise nimmt ein Fahrer den Helm fast schon aus Reflex selbst ab“, erklärt Kersten Enke, Leiter des Bildungsinstitutes Hannover der Johanniter Akademie. Trägt ein Verunglückter den Helm aber noch, ist das meist ein Hinweis, dass es sich um schwere Verletzungen handelt oder dass die Person bewusstlos ist.

In einem solchen Fall gilt: „Der Helm muss bei einem bewusstlosen Menschen immer runter“, sagt Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen. Eine eventuell nötige Beatmung ist sonst unmöglich. Auch die Lagerung in einer stabilen Seitenlage klappt nicht mit dem Helm auf dem Kopf. „Wenn der Verunglückte noch ansprechbar ist, sollte das aber mit ihm geklärt werden.“ Der Verletzte weiß schließlich am besten, wo es ihm wehtut. Auch Klapphelme mit zu öffnender vorderer Hälfte müssen weg.

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Vorgehen bei der Helmabnahme

Zum Abnehmen des Helms wird zunächst das Visier geöffnet, bei Brillenträgern dann die Brille entfernt. Danach arbeiten am besten zwei Helfer zusammen: Einer fixiert mit den Händen den Kopf des Verletzen, um ein Drehen oder Kippen zu verhindern. Der andere Helfer öffnet dann den Kinnriemen. Danach fasst der erste Helfer mit der einen Hand unter den Hinterkopf des Fahrers, mit der anderen Hand ergreift er das Kinn, um den Kopf beim Entfernen des Helms zu fixieren. Der zweite Helfer zieht den Helm vorsichtig vom Kopf – dabei muss er auf die Nase achten. Der Erste kümmert sich weiter um die Fixierung des Kopfes und achtet darauf, dass der Schädel direkt nach dem Abnehmen des Helms nicht unsanft auf den Boden kracht, so die APA.

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Jede Hilfe besser als keine

Niemand sollte befürchten, Fehler zu begehen. Meist werden die Handgriffe laut den Experten mit gesundem Menschenverstand instinktiv richtig gemacht. „Generell sollte niemand Angst vor Erster Hilfe haben“, bekräftigt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Bonn. Jede Hilfe sei besser als keine.

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Schockiert?

Neben dem Helm sind weitere Besonderheiten zu beachten: So tragen die Beteiligten bei Motorradunfällen laut dem ifz häufig einen Schock davon. Was sich harmlos anhört, kann lebensbedrohend sein: Ein Schockpatient wird bewusstlos, weil das Blut in die unteren Körperregionen versackt und trägt nach einiger Zeit schwere Schäden davon, weil auch Organe „abschalten“. Es ist zunächst wichtig, Blutungen zu stillen, um Flüssigkeitsverlust zu verhindern. Auch sollten Betroffene zugedeckt und vor Auskühlen geschützt werden.

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Knochenbrüche

Typisch für Motorradunfälle sind auch Verletzung besonders der unteren Gliedmaßen. Für Knochenbrüche gilt, dass sie möglichst ruhig gestellt werden, damit sie sich die Bruchstellen nicht verschieben. Blutende Extremitäten ohne Knochenbrüche sollten möglichst hoch gelagert werden. All das verlangt – bei aller Unsicherheit der Ersthelfer – nach einem beherzten Vorgehen. Auch wenn es für Unbeteiligte vielleicht sehr unangenehm und schrecklich ist – es ist aber für einen verletzten Motorradfahrer deutlich unangenehmer, wenn ihm in seiner Notlage niemand helfen mag, so die APA.

Mag. Christian Boukal
August 2009


Foto: APA

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020