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Telefonieren und Autofahren vertragen sich nicht

Telefonieren und Autofahren vertragen sich nichtVerboten oder nicht: Fast die Hälfte aller Autolenker (67 Prozent) benützen ihr Handy auch während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung. Das ist schon seit 1. Juli 1999 unter Strafe gestellt.

Neue Untersuchungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) haben ergeben, dass Telefonieren mit dem Handy am Ohr während der Fahrt von den Lenkern selbst als gefährlich eingestuft wird. Nämlich ungefähr gleich gefährlich wie der Umgang mit Navigationssystemen, das Lesen einer Straßenkarte, Zeitungslesen oder das Bedienen von Diktiergeräten.

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Essen und Trinken als weniger gefährlich eingeschätzt

Verhaltensweisen wie Essen, Trinken, Rauchen, Gespräch mit Beifahrern, Singen oder Radio hören werden als deutlich weniger gefährlich eingeschätzt, so das Ergebnis der KfV-Befragung. Trotzdem ist das Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung noch immer Praxis auf Österreichs Straßen. Dabei ist diese Verhaltensweise seit 1. Juli 1999 sogar unter Strafe gestellt.

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KfV-Erhebungen zum Telefonieren am Steuer

  • 94 Prozent aller Kfz-Lenker besitzen ein Handy, zwei Drittel der Lenker (67 Prozent) benützen es nach eigenen Angaben während der Fahrt. 20 Prozent der Lenker telefonieren nach Eigenaussage viel am Steuer, 47 Prozent fallweise, 27 Prozent nie.
  • Beinahe die Hälfte der telefonierenden Lenker — also insgesamt jeder dritte Lenker — spricht während der Fahrt mit Handy am Ohr. Ein Drittel der telefonierenden Lenker benützt immer eine Freisprecheinrichtung, 18 Prozent verwenden diese fallweise.
  • 60 Prozent der Gespräche sind privater Natur, 40 Prozent behandeln Berufliches.
  • Zwölf Prozent der befragten Lenker gaben an, während der Fahrt SMS zu lesen. Fünf Prozent schreiben und senden SMS am Steuer.
  • 53 Prozent der telefonierenden Lenker und gar 70 Prozent der Vieltelefonierer am Steuer sind Männer.
  • In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen findet sich mit 84 Prozent der höchste Anteil an telefonierenden Fahrern.
  • Das Unfallrisiko telefonierender Lenker ist fünf Mal höher als jenes der Nicht-Telefonierer am Steuer.

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Kognitiver Zwiespalt

Der Mensch ist prinzipiell schlecht dafür geeignet, zwei vollkommen unterschiedliche Tätigkeiten gleichzeitig auszuführen, stellt das KfV fest. Abhängig von der Attraktivität oder der Dringlichkeit des Telefonats wird die Beobachtung anderer Umgebungsreize vernachlässigt. In kritischen Fahrsituationen muss daher die Aufmerksamkeit erst wieder „umgelenkt“ werden, so das Kuratorium.

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Unaufmerksam auch nach Ende des Telefonats

Die Folgen der Ablenkung sind gefährlich: Verzögerungen bei der Wahrnehmung von Gefahren und der lebensnotwendigen Reaktionsfähigkeit. Selbst nach dem Ende eines Telefonats sind Autofahrer noch abgelenkt: In den ersten 15 Minuten nach dem Auflegen ist das Unfallrisiko noch immer vier Mal höher.

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Motorische Behinderung durch 'Handyfonieren'

Die Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit durch das Hantieren mit dem Handy schlägt sich auch im Fahrverhalten deutlich nieder. Auch wenn die Geschwindigkeit verringert wird, verbessert sich dadurch die Fahrleistung nicht: Gaspedal und Lenkrad werden abrupter und hastiger betätigt, so das KfV.

Dadurch können nachfolgende Fahrer das Verhalten des Vordermanns schwer einschätzen. Außerdem konnte beobachtet werden, dass Fahrer mit Handy am Ohr bei Abbiegemanövern häufiger auf die Gegenfahrbahn oder über die Randlinie kommen.

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Riskante Fahr-Manöver

Vermehrtes Kurvenschneiden ist ein weiterer negativer Nebeneffekt, beim Blinken verhalten sich gar nur 25 Prozent der Telefon-Fahrer richtig. Telefonierende Lenker erkennen außerdem wesentlich später das Verlangsamen eines vorausfahrenden Fahrzeugs. Die Reaktionszeit beim Aufleuchten der Bremslichter ist ebenfalls deutlich erhöht. Auffahrunfälle liegen bei telefonierenden Lenkern deswegen auch extrem über dem Durchschnitt.

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Es trifft die Schwächsten

Dramatisch wird die Situation für die schwachen Verkehrsteilnehmer: Bei Beobachtungen des KfV drosselten über 70 Prozent der Handy-Fahrer weder das Tempo, noch hielten sie an, wenn ein Fußgänger die Straße queren wollte.

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Geringe Strafen und schwierige Strafverfolgung

Wer hinter dem Steuer mit einem Handy am Ohr erwischt wird, kommt angesichts der Auswirkungen mit einer vergleichsweise geringen Strafe davon. Die Strafe von 50 Euro darf momentan aber nur verhängt werden, wenn der Fahrer angehalten wird. Fahrende Handy-Lenker können nicht angezeigt werden. Diese Gesetzeslage wird vom KfV kritisiert. Das Kuratorium plädiert für eine einfachere Strafverfolgung und wirksame Kontrollen in Form von Schwerpunktaktionen oder (Doppel-)Auswertung von Radarfotos.


Mag. Christian Boukal

Jänner 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 22. September 2020