DRUCKEN

Schleimbeutelentzündung: Schmerzhafte Gelenke

Schleimbeutelentzündung: Schmerzhafte GelenkeHeftige, stechende Schmerzen kennzeichnen typischerweise eine Schleimbeutelentzündung. Betroffen sind zumeist Schulter, Ellbogen oder Knie. Verschwindet die Entzündung nicht wieder, kann der Beutel operativ entfernt werden.

An manchen Stellen des Körpers – etwa Ellbogen oder Knie – liegen Haut und Sehnen direkt auf dem Knochen auf. An diesen Stellen dienen Schleimbeutel als Puffer und Stoßdämpfer zwischen Knochen und weichen Strukturen (Sehnen, Haut). Sie bilden eine Art Gleitschicht und dämpfen die Reibung.
Die kleinen Säckchen sind wenige Zentimeter lang und breit und mit Gewebsflüssigkeit gefüllt. Es gibt etwa 150 Schleimbeutel im Körper, sie liegen vor allem an den stark beanspruchten Körperstellen. Der medizinische Ausdruck für einen Schleimbeutel ist Bursa, ihre Entzündung heißt Bursitis.

Schmerzhafte Entzündung: Symptome

Starke Beanspruchung, eine Infektion oder Verletzung eines Schleimbeutels kann zu einer Entzündung dieses Gewebes führen. Der Schleimbeutel ist mit sensiblen Nervenfasern bestückt, die auf Entzündungen sehr empfindlich reagieren und stechende Schmerzen verursachen. Zu Beginn der Entzündung bestehen leichte bis mittelstarke Schmerzen. Sie treten in dieser Phase nur bei Berührung auf. Wird die Entzündung nicht rechtzeitig behandelt, werden die Schmerzen in der Regel heftig und unabhängig von Berührung. Um Berührungen und damit dem stechenden Schmerz zu vermeiden, nimmt der Patient in der Regel eine Schon- und Vermeidungshaltung ein.
„Es gibt aber auch Schleimbeutelentzündungen, die nicht schmerzen. Bei Flieslegern kommt es etwa vor, dass sie zwar eine Schwellung an den Knien bemerken, diese aber nicht schmerzt“, sagt Prim. Dr. Reinhold Dallinger, Leiter der Orthopädie am Landeskrankenhaus Gmunden.
Im Laufe der Entzündung nimmt die Gewebsflüssigkeit zu. Die betroffene Region reagiert empfindlich auf Druck oder Bewegung, ist erwärmt und manchmal gerötet. Sichtbares Zeichen einer Schleimbeutelentzündung ist eine Schwellung. Da sie meist in der Nähe von Gelenken entsteht, können Betroffene ihre Gelenke nicht mehr in vollem Umfang bewegen. Liegt ein Schleimbeutel tiefer im Gewebe, sind keine Symptome sichtbar, es sind „lediglich“ Schmerzen zu spüren.
Die Schleimbeutel von Schulter, Ellbogen, Hüfte und Knie sind häufig hohen Belastungen ausgesetzt. Prinzipiell können sich aber auch jene Schleimbeutel entzünden, die nicht in der Nähe von Gelenken liegen.
Eher selten breitet sich Bursitis über den Schleimbeutel hinaus aus. Geschieht dies, kann dies zu einer Rötung der Extremitäten (z.B. Oberschenkel oder Unterarm) und zur Schwellung der Lymphknoten samt Fieber und Abgeschlagenheit führen.

Ursachen

Eine Schleimbeutelentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben. Meist liegen den Beschwerden häufige und länger anhaltende körperliche Tätigkeiten zugrunde. Betroffen sind etwa Fliesen/Bodenleger (Knie), Tennisspieler (Schulter), Läufer (Achillessehne, Knie). „Häufig betroffen sind Sportler. Oft zwingt so ein Knie zum Belastungsabbruch. Die Ursache der Probleme liegt meist in der Bewegungskette, sie bewegen sich also nicht optimal“, so der Orthopäde.
Das Arbeiten am Schreibtisch (stundenlanges Sitzen) ist häufig Ursache für entzündete Bursen am Ellbogen, wenn diese auf einer harten Unterlage aufliegen und dadurch ein dauernder Druckreiz auf die empfindlichen Stellen ausgeübt wird. Dadurch entstehen Kleinstverletzungen, die in einer Entzündung münden können.


Weitere Ursachen sind:

  • Eine Bursitis kann auch als Folge von Gicht oder einer rheumatischen Erkrankung entstehen. Auch bei krankhaften Veränderungen der Gelenke (Arthritis) können die Schleimbeutel vermehrt belastet und damit anfälliger für Beschwerden werden.
  • „Für Probleme an Schulter und Knie ist oft auch ein Zuviel an Harnsäure ursächlich verantwortlich“, so Dallinger.
  • Auch Verletzungen und Unfälle können Schleimbeutelentzündungen verursachen. Durch einen heftigen Schlag etwa kann sich der Schleimbeutel mit Blut füllen und sich danach entzünden. Im Fall einer offenen Verletzung in Nähe eines Schleimbeutels können Bakterien in die Wunde gelangen und auf diesem Weg eine bakterielle Bursitis verursachen.
  • Auch Infektionen sind mögliche Ursachen. Eine Infektion kann durch Kontakt mit einem Erreger entstehen (der Erreger tritt durch eine Verletzung ein) oder (eher selten) über den Blutweg zum Schleimbeutel gelangen (z.B. bei Tuberkulose oder Tripper).
  • Schleimbeutelentzündungen treten vor allem in mittlerem und höherem Alter auf. „Bei jungen Menschen unter 25 Jahren praktisch nie“, so Dallinger.

Schulter

Ebenso schmerzhaft wie häufig sind Schleimbeutelentzündungen an den Schultern. Sie sind auch deshalb so unangenehm, weil die Nachtruhe gestört ist und Schlaf manchmal unmöglich wird. Dallinger zu den Ursachen: „Der Oberarmkopf steht zu hoch, das Schulterblatt steht falsch. Es entsteht eine falsche Bewegungskette, wobei der Schleimbeutel eingezwickt wird. Für rasche Hilfe sorgt meist eine Kortison-Infiltration, das ermöglicht es einem wieder, durchzuschlafen. Wichtig ist auch, die Ursache zu behandeln. Die Bewegungsstörung muss erkannt und behoben werden. Praktisch heißt das, dass man seine Muskeln kräftigen und lernen muss, sich richtig zu bewegen.“

Diagnose

Um eine Schleimbeutelentzündung festzustellen, genügt dem Arzt meist die körperliche Untersuchung der betroffenen Stelle und eine Befragung des Patienten zu den Beschwerden und den Entstehungsmöglichkeiten (Anamnese).

  • Bestehen Zweifel, kann eine Ultraschall-Untersuchung Klarheit bringen – vor allem wenn die Schleimbeutel nicht an der Oberfläche liegen.
  • Bei Bedarf kann eine Röntgen-Untersuchung verletzte Knochenstrukturen oder krankhafte Gelenksveränderungen sichtbar machen.
  • Eine Blut-Untersuchung kann helfen, Gicht als Auslöser zu erkennen.

Therapie

Die Behandlung ist abhängig von Art und Ausdehnung der Entzündung:
Schleimbeutelentzündungen an Ellbogen und Knie klingen bei Ruhigstellung in der Regel innerhalb einiger Tage wieder ab. Heftige Beschwerden, die nicht verschwinden, sollten von einem Arzt begutachtet werden. Dieser verordnet Ruhigstellung, Kühlung (Salben, Gele, Kältepackungen) und eventuell entzündungshemmende Medikamente. Auch ein Verband oder eine Schiene ist mitunter angezeigt.
Es kann auch nötig sein, die Flüssigkeit (z.B. am Ellbogen) mit einer Spritze abzusaugen (Punktion). „Wenn die Entzündung nicht vergeht, also chronisch verläuft, dann wird infiltriert. Hilft auch das nichts, wird der Schleimbeutel chirurgisch entfernt. Das ist kein Problem, denn das entfernte Gewebe bildet sich wieder nach“ so Dallinger. Sind Fremdkörper ins Gewebe gedrungen, werden sie endoskopisch entfernt.
Eine bakterielle Schleimbeutelentzündung behandelt der Arzt durch eine Ausleitung der Flüssigkeit (Drainage) oder mittels operativer Entfernung. Zudem werden Antibiotika verabreicht.

Vorbeugung

Als Vorbeugung dienen einfache Maßnahmen: Bei stundenlangem Knien sowie Aufstützen oder Sitzen sollten die betroffenen Gelenke gepolstert werden, z.B. sollte sich ein Bodenleger auf eine weiche Polsterung knien oder Knieschützer verwenden. Bei PC-Arbeiten schützen entsprechende Polsterunterlagen den Unterarm. Für Sportler: Schuhe sollten über gut gepolsterte Einlagen verfügen, das verhindert die Ausbildung von Entzündungen an den Zehen.
Dehn- und Kräftigungsübungen stärken zudem die Muskulatur und tragen dazu bei, die Gelenke zu schützen und zu stabilisieren. Generell gilt es Überbelastungen zu vermeiden, also öfter Pausen zu machen und die empfindlichen Körperstellen weniger zu beanspruchen.

Dr. Thomas Hartl
Mai 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020