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Laktose-Unverträglichkeit bei Erwachsenen

Laktose-Unverträglichkeit bei ErwachsenenRund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden an Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Bei dieser Funktionsstörung ist der Darm nicht in der Lage, Milchzucker aus der Nahrung zu spalten. Milchzucker ist vor allem in Kuhmilch und Milchprodukten enthalten.

Bei der primären Laktoseintoleranz handelt es sich um keine Krankheit, sondern um einen natürlichen Zustand. „Denn für Erwachsene ist es genetisch nicht vorgesehen, Milch zu trinken. Erst eine Mutation jenes Gens, welches das Laktase-Enzym herunterfährt, ermöglicht es, ein Leben lang Milch zu trinken“, sagt OA Dr. Gerd Bodlaj, Abteilung für Innere Medizin 2 am Allgemeinen Krankenhaus Linz. So sei es auch nicht verwunderlich, dass rund 80 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung (in Asien bis zu 100 Prozent) Laktose nicht vertragen.

Intoleranz ist keine Krankheit

Jene 20 Prozent der Österreicher mit Laktoseintoleranz sind also keineswegs krank, ihr Körper befindet sich lediglich im natürlichen genetischen Zustand. Krank machend sind allerdings die Folgen, wenn man sich trotz der Intoleranz nicht an die Diätvorschriften hält und zuviel Milchzucker zu sich nimmt.

Kinder und Jugendliche leiden an dieser Form der Unverträglichkeit nicht. Der genetische Plan sieht vor, dass Kinder mittels Milchkonsum das für das Knochenwachstum benötigte Kalzium aufnehmen. „Erst als junger Erwachsener geht bei den Betroffenen das Laktase-Enzym verloren“, sagt Bodlaj.

Symptome

Viele Menschen leiden an dieser Art von Nahrungsmittelunverträglichkeit und wissen es gar nicht, da sie die Symptome nicht zuordnen können. Manche Betroffene bekommen schon nach der Aufnahme von wenigen Gramm Laktose Beschwerden. Diese setzen in der Regel wenige Minuten nach Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel ein.

Die Symptome einer Laktoseintoleranz sind vielfältig. Ihre Ausprägung hängt von der Stärke der Unverträglichkeit und der Menge der zugeführten Laktose ab.

Mögliche Symptome: Durchfall, Völlegefühl, Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Blähungen, ein durch Gase vorgewölbter Bauch, Übelkeit. Möglich sind auch: Infektanfälligkeit, Pilzbefall, Trockenheit von Haut, Haaren, Augen oder Mund, Mundgeruch, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, chronischer Müdigkeit.

Ob man eine Laktose-Unverträglichkeit entwickelt hat, lässt sich durch einen Atemtest beim internistischen Magen-Darm-Spezialisten (Gastroenterologen) oder in Spitalsambulanzen bestimmen.

Enzymmangel als Ursache

Milchzucker (Laktose) ist ein Zucker, der aus zwei Einfachzuckern zusammengesetzt ist. Er muss aufgespalten werden, damit ihn die Dünndarmschleimhaut aufnehmen kann. Eine Störung der Aufnahme des Milchzuckers liegt immer dann vor, wenn das Enzym Laktase, das den Zucker im Darm spaltet, zur Gänze fehlt oder zuwenig vorhanden ist.

Ernährung bei Milchzuckerunverträglichkeit

Wichtigster Schritt für Betroffene ist die Umstellung der Ernährung. Die Milchzuckermenge muss auf das individuell verträgliche Maß reduziert werden. Zu Beginn der Ernährungsumstellung sollte man konsequent alle laktosehältigen Nahrungsmittel vermeiden. Verschwinden die Beschwerden zur Gänze, kann man vorsichtig die Verträglichkeit einzelner Milchprodukte austesten.

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig, um den Körper mit genügend Nährstoffen zu versorgen. Laktosefreie Radikaldiäten können zu Nährstoffmangel führen. Ein kompletter Verzicht auf Laktose ist in der Regel nicht nötig, da die meisten Menschen eine bestimmte Restmenge an Milchzucker vertragen. „Betroffene wissen aufgrund der Beschwerden in der Regel selbst am besten, wie viel sie vertragen“, sagt der Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie.

Laktosefreie Milch statt Kuhmilch

Primär ist Laktose in Kuhmilch enthalten. Das bedeutet nicht, dass man völlig auf den Konsum von Milchprodukten verzichten muss. Das Angebot an laktosefreier Milch ist mittlerweile groß. Auch Sojamilch ist unbedenklich. Auch laktosefreie Sahne, Joghurt, Schokomilch etc. sind erhältlich. Bodlaj rät, auf unbedenkliche Milchprodukte auszuweichen und nicht gänzlich auf diese zu verzichten. Ansonsten drohe Kalziummangel mitsamt der möglichen Folgen (zum Beispiel erhöhtes Osteoporoserisiko).

Der Fettgehalt der Milch spielt keine Rolle. Fettarme Milchprodukte sind nicht leichter verdaulich als fettreiche.

Einkaufstipps

Beim Einkauf im Supermarkt sollte man bedenken, dass Laktose in vielen Produkten versteckt enthalten ist. „In vielen Fertigprodukten ist etwa Milch enthalten und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass dies in der Produktbezeichnung auch immer angeführt ist“, warnt Bodlaj. Wer sicher gehen will, sollte gezielt nach Produkten mit der ausdrücklichen Bezeichnung „laktosefrei“ suchen.

Ein Auszug an Lebensmitteln, die Milchzucker enthalten: Kuhmilch, Sauermilchprodukte, Sahne, Trockenmilch, Kaffeeweißer, Topfen, Schokolade, Eiscreme, Käse. „Hartkäse vertragen Betroffene aber meist sehr gut“, sagt der Gastroenterologe. Lebensmittel, die Milchzucker enthalten können sind zum Beispiel Fertigprodukte aller Art, Wurstwaren, Brot- und Backwaren, Kuchen.

Diät statt Medikamente

Eine Therapie in Form von Medikamenten gibt es hierzulande nicht. Primär gilt es, Milchzucker zu vermeiden. Zudem gibt es die Möglichkeit, das fehlende Enzym Laktase in Form von Präparaten zuzuführen. „Solche Kapseln kann man direkt bei den Mahlzeiten einnehmen“, sagt Bodlaj. Nur wenige Betroffene nehmen diese Möglichkeit in Anspruch. Zum einen, weil diese Präparate selbst finanziert werden müssen, zum anderen weil der Aufwand verhältnismäßig groß ist: Das Präparat muss zu jeder milchzuckerhaltigen Mahlzeit eingenommen werden und die Dosis sollte zudem über das Essen verteilt werden.

Weitere Formen der Unverträglichkeit

Neben der hier beschriebenen Form der genetischen Unverträglichkeit (primäre Laktoseintoleranz genannt) gibt es zwei weitere Formen:

  • Die kongenitale Form der Laktose-Intoleranz. Sie ist eine seltene Krankheit, die von Geburt an besteht. Hier fehlt den Säuglingen das Laktase-Enzym vollständig.
  • Die sekundäre Laktose-Intoleranz wird durch andere (primäre) Erkrankungen hervorgerufen, welche die Darmschleimhaut schädigen. Solche Krankheiten sind etwa Darminfektionen, Durchfall oder Parasitenbefall.

Laktoseintoleranz ist nicht Milchallergie

Die Laktoseintoleranz darf nicht mit der Milchallergie verwechselt werden. Hier reagiert das Immunsystem auf Kuhmilcheiweiß. In diesem Fall muss auf sämtliche Milchprodukte komplett verzichtet werden.

Dr. Thomas Hartl
Mai 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020