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Ginko-Medikamente: Geringer Nutzen

Ginko-MedikamenteBisher publizierte Studien über die Effekte von Ginko-Präparaten auf Alzheimer-Erkrankungen lassen nur wenig aussagekräftige Schlüsse auf deren Wirksamkeit zu, berichtet das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Medikamente, die Extrakt aus dem Ginko-Baum enthalten, werden bei Patienten mit Alzheimer-Demenz eingesetzt. Sie sollen ihnen helfen, das tägliche Leben besser zu bewältigen und seltener an einer begleitenden Depression zu erkranken.

Studienlage unzureichend

Das IQWiG fand bei seiner Recherche nur sechs Studien, die die Wirkung des Medikaments belegen sollten. Mit insgesamt 1.384 untersuchten Alzheimer-Erkrankten, war die Teilnehmerzahl darüber hinaus sehr bescheiden.

Nicht hinreichend interpretierbar

Laut vorläufiger Schlussfolgerung des IQWiG liefern die verfügbaren Studien sehr unterschiedliche und teilweise sogar widersprüchliche Ergebnisse. Sie sind deshalb auch nicht hinreichend sicher interpretierbar und lassen keine generellen Aussagen zum Nutzen von Gingko biloba zu, so das Institut. Das betrifft insbesondere die möglichen Effekte des Wirkstoffs. Auch zu anderen, für Patienten oder Angehörige bedeutsamen Therapiezielen wie etwa Lebensqualität, unerwünschten Nebenwirkungen oder Betreuungsaufwand, liefern die Studien keine verlässlichen Angaben, so das Institut.

Studienpopulation sehr unterschiedlich

Die Wissenschaftler berichten, dass die Zusammensetzung der in die Studien einbezogenen Personen sehr verschieden waren. Sie schlossen nicht aus, dass das ein Grund für die sehr unterschiedlichen Studienergebnisse sein könnte. In jedem Fall hält der Bericht weitere Studien für notwendig.

Genauere Untersuchungen gefordert

Neue Studien solltenmöglichst auf einzelne „Subgruppen“ von Patienten ausgerichtet sein. Nur so ließe sich herausfinden, ob beispielsweise Patienten in einem bestimmten Alter oder mit einer bestimmten begleitenden Symptomatik von Gingko biloba profitieren könnten, so die Autoren.

Das Institut

Das IQWiG ist ein unabhängiges wissenschaftliches Institut in Deutschland, das den Nutzen medizinischer Leistungen für den Patienten untersucht. Das Institut erforscht, was therapeutisch und diagnostisch möglich und sinnvoll ist und informiert Ärzte und Patienten darüber. Finanziert wird das IQWiG durch Zuschläge für stationäre und ambulante medizinische Leistungen, die überwiegend von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet werden. Zu den Instituts-Aufgaben gehört unter anderem die Bewertung von Operations- und Diagnoseverfahren, Arzneimitteln sowie Behandlungsleitlinien.


Mag. Christian Boukal

März 2008


Foto: Archwizard- Wikipedia

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020