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Darmkrebsrisiko bei Rauchern erhöht

Darmkrebsrisiko bei Rauchern erhöhtRund 5.000 Österreicher erhalten jedes Jahr die Diagnose Darmkrebs. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Die Ursachen sind vielfältig. Dass auch langjähriger Tabakkonsum zu diesen Ursachen zählt, wurde schon seit Jahren vermutet, nun bestätigen neue Studien diese Annahme.

Rauchen erhöht in erster Linie das Risiko für Lungenkrebs. Die vielen Schadstoffe können aber auch in anderen Organen (wie im Darm) wirksam werden und das Krebsrisiko erhöhen. „Dass ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Darmkrebs besteht, ist mittlerweile ausreichend belegt“, bestätigt Primar Dr. Christoph Kopf, Leiter der Chirurgie am Landes-Krankenhaus Schärding. Kopfs Spezialgebiet ist unter anderem die Koloproktologie (Dick- und Mastdarmerkrankungen).

Kopf bezieht sich auf Studien, die besagen, dass Rauchen über einen längeren Zeitraum das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, deutlich erhöht. So ergab eine langjährige Studie aus den USA mit beinahe 185.000 Teilnehmern im Alter zwischen 50 und 74 Jahren, dass Studienteilnehmer, die mindestens 40 Jahre geraucht hatten, ein 30 bis 50 Prozent höheres Darmkrebsrisiko besitzen. (Siehe auch: Hannan L., Jacobs E. & Thun M. The Association between Cigarette Smoking and Risk of Colorectal Cancer in a Large Prospective Cohort from the United States in Cancer Epidemiol Biomarkers Prev December 2009 18:3362-3367; doi:10.1158/1055-9965.EPI-09-0661. Nachzulesen unter http://cebp.aacrjournals.org/content/18/12.toc.)

Häufiger und aggressiver

Bei Rauchern bilden sich nicht nur häufiger Polypen im Darm (Vorstufen, aus denen sich Karzinome entwickeln können). Diese Polypen zeigen auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich in einen Darmkrebs umzuwandeln. Dies ist das Ergebnis einer Übersichtsstudie, in der Forscher des Europäischen Instituts für Onkologie in Mailand dutzende Untersuchungen auswerteten. Die Forscher prüften das Risiko für die Entstehung der Erkrankung anhand von 106 Studien, in deren Verlauf fast 40.000 Darmtumoren festgestellt wurden. Erkenntnis: Die Gefährdung steigt mit der Menge der Zigaretten und Dauer des Konsums (Quelle: Journal of the American Medical Association, Vol. 300, S. 2765-2778).

„Die europäische Metaanlyse zeigt, dass die Häufigkeit von Hochrisiko-Adenomen bei Rauchern stark erhöht ist. Das heißt, bei Rauchern entwickeln sich diese Krebsvorstufen eher zu echten Krebszellen als bei Nicht-Rauchern und können auch rascher zu einem Krebsgeschwür heranwachsen“, sagt Kopf.

Alterskrankheit

Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter. „Gefährdet sind vor allem Personen ab 50 Jahren. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 60 und 70 Jahren“, sagt Kopf.

„Der wichtigste Rat, damit man auch im Alter gesund bleibt: Hören Sie mit dem Rauchen auf oder noch viel besser: Fangen sie erst gar nicht damit an. Essen sie ausgewogen und gehen sie zu den angebotenen Vorsorgeuntersuchungen“, so der Chirurg. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen retten Leben. Folgende Untersuchungen sollten in Anspruch genommen werden.

Test auf verborgenes Blut im Stuhl

Ab dem 40. Lebensjahr sollte man jährlich im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung den Stuhl auf verborgenes Blut untersuchen lassen. „Das ist entscheidend für die Früherkennung. Wird der Test regelmäßig durchgeführt, kann das die Sterblichkeit durch Darmkrebs erheblich senken. Wird verstecktes Blut im Stuhl nachgewiesen, wird Ihr Hausarzt Sie einer weiteren Darmabklärung zuführen“, sagt Kopf.

Darmspiegelung ab 50

Die Erkrankung entsteht durch entartete gutartige Polypen und gutartige Schleimhautgeschwüre. „Je früher man diese erkennt und entfernt, desto besser sind die Heilungschancen. Denn 90 bis 95 Prozent der Tumore entwickeln sich aus gutartigen Vorstufen, die zum Teil schon im Rahmen einer Darmspiegelung entfernt werden können“, betont Kopf.

Um Polypen aufzuspüren, sollte man im 50. Lebensjahr eine Basis-Darmspiegelung (Koloskopie) durchführen lassen. Ist diese unauffällig, braucht sie erst nach 7 bis 10 Jahren wiederholt werden. Der Experte warnt davor, aus falscher Scham oder aus Angst diese Untersuchungen zu meiden. „Gerade bei bösartigen Darmerkrankungen ist ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung entscheidend für die Prognose“, so Kopf. Er kritisiert, dass weniger als zehn Prozent der Bevölkerung Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen. „Würden sich alle untersuchen lassen, könnten 90 bis 95 Prozent der Karzinome verhindert werden. Jeder abgetragene Polyp ist ein potentiell verhindertes Karzinom. Was bedeutet schon die minimale Unannehmlichkeit einer Darmspiegelung im Gegensatz zu einem verhinderten Krebs?“, gibt Kopf zu bedenken. Zudem brauche niemand Angst haben – eine Schlafspritze würde die Unannehmlichkeiten minimieren.

Vorsorge für Risikopatienten

Ist bereits ein Familienmitglied an Darmkrebs erkrankt, so sollte schon zehn Jahre früher mit Vorsorgeuntersuchungen begonnen werden. „Leidet ein Elternteil an Darmkrebs, so ist das Risiko für die Kinder erheblich erhöht. Ist ein Elternteil frühzeitig verstorben, sollten die Untersuchungen noch früher starten“, sagt der Mediziner.

Auch chronisch entzündliche Darmkrankheiten können erhöhtes Risiko anzeigen. Dieses besteht bei entzündlichen Erkrankungen der Darmschleimhaut wie etwa Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Dagegen besteht für Menschen mit Zöliakie (Unverträglichkeit von Gluten) kein erwiesenes erhöhtes Risiko.

Patienten von Risikogruppen erkranken natürlich nicht zwangsläufig an Dickdarmkrebs. Panikmache ist fehl am Platz, Vorsorge dagegen nicht. „Diese Patienten sollten sich unbedingt rechtzeitig und regelmäßig einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung unterziehen“, sagt Kopf.

Symptome

Veränderte Stuhlgewohnheiten, anhaltender Durchfall, ein Wechsel zwischen Verstopfung oder Durchfällen, Bauchschmerzen, Spuren von Blut im Stuhl, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, eine bisher nicht bestehende Blässe – das alles kann auf Darmkrebs hinweisen. „Darmkrebs entwickelt sich oft über Jahre hinweg. Treten solche Symptome auf, kann es schon fünf vor zwölf sein“, sagt Kopf. Die Erkrankung kann sich jedoch auch ohne Symptome entwickeln. „Darmkrebs ist tückisch, da er in den meisten Fällen lange keine Symptome macht.“ Daher sei es so wichtig, die Polypen im Frühstadium zu erkennen.

Vorbeugung

Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht und zu viel Alkohol. „Vor allem sehr fleisch- und fettreiche Kost begünstigt die Entstehung eines Darmkrebses“, sagt Kopf. Die Umstellung des Lebensstils steht deshalb an erster Stelle bei der Darmkrebsvorbeugung. Anzustreben ist eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichend Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

Dr. Thomas Hartl
Februar 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020