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Psoriasis: Neue Hoffnung

Neue Hoffnung - Psoriasis„Biologischer“ Psoriasis-Wirkstoff wartet auf seine EU-Zulassung. Die Hautzellen reagieren, als hätte eine schwere Verletzung der Haut stattgefunden. Sie erneuern sich rasend schnell und schuppen an der Oberfläche. Diagnose: Psoriasis. Die genaue Ursache ist weitgehend unbekannt. Alle Therapien können bestenfalls Linderung, nie Heilung bewirken. Eine neue Therapie setzt erstmals in einer frühen Phase der Psoriasis-Entstehung ein. Das Zulassungsverfahren in der EU läuft.

Lange Hose und Rollkragenpullover sind für viele von der Schuppenflechte Betroffene Standardkleidung – selbst dann, wenn die Temperaturen im Sommer auf über 30 Grad klettern. Psoriatiker verstecken ihre Haut, um von ihrer Umwelt nicht wie Aussätzige behandelt zu werden. Ihr Körper ist mit hellroten, entzündeten Flecken übersät – manche von ihnen sind überzogen mit einem silbrig glänzenden Panzer aus Hautschuppen. Schuppenflechte ist nicht ansteckend, die soziale Isolation der Erkrankten aber dennoch Tatsache.

Ursache unbekannt

Eindeutige Erkenntnisse über die Ursache der Psoriasis gibt es noch nicht. Man geht aber davon aus, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Psoriasis führt dazu, dass sich das Immunsystem der Betroffenen gegen körpereigene Substanzen richtet. Diese Entgleisung kann man noch nicht heilen. Mit wechselndem Erfolg werden die verschiedensten Mittel eingesetzt, um die überbordende Hautreaktion einzudämmen oder wenigstens die Beschwerden zu lindern. Die häufigsten verwendeten Substanzen sind Steinkohleteer, Dithranol, Kortison und Vitamin-AAbkömmlinge. Nun macht ein neuer Wirkstoff von sich reden: Alefacept greift in einem sehr frühen Stadium der Krankheitsentwicklung ein.

Die neue Hoffnung der Psoriatiker kommt aus den USA und zählt zu den sogenannten biologischen Therapieformen. Herzstück des neuen Medikaments ist ein biotechnisch hergestellter Eiweiß-Wirkstoff, der auf natürlichem Wege in die Kommunikation der Zellen des Immunsystems eingreift. Er reguliert das bei Psoriasis gestörte Gleichgewicht der Körperzellen, die das Immunsystem des Menschen ausmachen. Bei Schuppenflechte arbeiten die Blutzellen und Botenstoffe des Immunsystems nicht korrekt.

Die körpereigenen T-Abwehrzellen, die eine wichtige Rolle bei der Krankheitsabwehr spielen, tun des Guten zu viel. Ihre überschießenden Aktivitäten führen zu einer vermehrten Wucherung von Gewebe: Konkret heißt das, dass sich die Hautzellen der Betroffenen viel schneller teilen als üblich. Normalerweise dauert es rund vier Wochen, bis neue Hautzellen die Oberhaut erreichen. Bei Psoriatikern geschieht das innerhalb weniger Tage. Durch diese „Entgleisung“ wird die Oberhaut bis zu 16 mal dicker als normal.

Wird diese Überaktivität nicht gestoppt, kommt es schließlich zu den gefürchteten Hautrötungen und Schuppungen. Und genau hier greift Alefacept ein: Das Medikament hemmt die körpereigenen T-Abwehrzellen und stellt so das gesunde Gleichgewicht im Immunsystem wieder her.

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Beachtliche Erfolge

Die Erfolge der biologischen Therapie können sich sehen lassen – besonders bei Patienten mit schwerer chronischer Psoriasis: In großangelegten Studien zeigten sich deutliche Verbesserungen. Bei manchen Patienten kam es sogar zu einer völligen Abheilung der erkrankten Hautstellen. Nach dem ersten Behandlungszyklus blieben viele Patienten bis zu acht Monate gänzlich ohne Beschwerden.

Univ.-Doz. Dr. Friedrich Breier, Oberarzt der dermatologischen Abteilung des Krankenhauses Lainz, bestätigt die guten Erfahrungen: „Der neue Therapieansatz mit den biologische Therapieformen ist eine wirklich positive Entwicklung, wie auch eine Studie an unserer Klinik gezeigt hat.“ Der neue Wirkstoff sei zwar im vergangenen Jahr erst in den USA zugelassen worden und durchlaufe jetzt das Zulassungsverfahren bei der EU. Wann das extrem teure Präparat auch bei uns zugelassen werden wird, lässt sich derzeit nicht abschätzen.

Der Dermatologe warnt aber vor allzu großer Euphorie. Man müsse schon sehen, dass eine Heilung im eigentlichen Sinne damit nicht möglich sei. Denn sobald das Medikament abgesetzt werde, könne es zum Rückfall kommen. Dozent Breier: „Auch die biologischen Therapieformen setzen ja nicht die eigentliche Ursache der Erkrankung außer Kraft – da müsste man schon in das Erbgut eingreifen, was ja bei allen Fortschritten noch Zukunftsmusik ist.“ Neben den neuen biologischen Therapieformen erwartet sich die Wissenschaft auch von neuen Antidiabetika Erleichterungen für Psoriatiker. Denn die neuen Antidiabetika-Varianten greifen wie Alefacept positiv in den Stoffwechsel des Immunsystems ein und bekämpfen damit auch die Schuppenflechte, wie erste Studien gezeigt haben. Wann diese neue Medikamentengruppe zugelassen werden kann, ist ebenfalls noch nicht abschätzbar.

Neben den vieldiskutierten neuen Möglichkeiten sollten aber auch die klassischen Behandlungsmöglichkeiten nicht außer Acht gelassen werden. Die Psoriasis-Patienten im Krankenhaus Lainz sprechen zum Beispiel sehr gut auf Bestrahlungen mit UV-Licht an. Viele sind dadurch über Wochen, ja bis zu einem Jahr beschwerdefrei. Wem gar nichts hilft, der sollte die Diagnose „Psoriasis“ einmal gründlich unter die Lupe nehmen lassen. Fehldiagnosen kommen gerade bei der Schuppenflechte aufgrund der vielen möglichen Symptome immer wieder vor.

Dr. Regina Sailer

Februar 2009


Foto: Bilderbox, deSign of life, privat


 Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Doz. Dr. Friedrich Breier zum Printartikel „Der neue Therapieansatz mit den biologischen Therapieformen ist bei Psoriasis sehr vielversprechend. Wem bisher gar keine Therapie geholfen hat, der sollte aber auch daran denken, die Diagnose Psoriasis gründlich überprüfen zu lassen. Hinter einer vermeintlichen Schuppenflechte steckt nicht selten ein Ekzem oder eine Mykose, die eine ganz andere Behandlung brauchen.“
Univ.-Doz. Dr. Friedrich Breier
Oberarzt der dermatologischen Abteilung des Krankenhauses Lainz der Stadt Wien 



Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020