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Antibiotika-Resistenzen nehmen zu

Antibiotika-Resistenzen nehmen zuAntibiotika gehören zu den wichtigsten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin. Doch die zunehmende Resistenzentwicklung beeinträchtigt die Therapiemöglichkeiten. Der aktuelle österreichische Resistenzbericht AURES liefert wichtig Daten dazu.

Ohne die 100 Billionen Bakterien, die den Menschen „besiedeln“, wäre er gar nicht lebensfähig. Sie sind überall zu finden: auf der Haut, im Mund aber auch im Darm, wo eine gigantische Zahl der winzig kleinen Lebewesen florierende Mini-Ökosysteme bildet. Sie ernähren sich von Abfallstoffen, bauen unverdauliche Abfallstoffe ab und produzieren teilweise wichtige Vitamine. Und sie unterstützen den Menschen bei der Abwehr von krankmachenden Bakterien.

Vom Guten zum Schlechten

Dazu zählt zum Bespiel das Bakterium Escherichia coli. Es leistet etwa im Darm wichtige „Arbeit“, wo es unter anderem das Vitamin K produziert. Doch außerhalb des Darms können E. coli schwere Infektionen hervorrufen, da sie sich sozusagen „am falschen Fleck“ befinden (fakultativ pathogen), etwa Harnwegsinfekte, eine Bauchfellentzündung oder Hirnhautentzündung bei Neugeborenen (Infektion während der Geburt). Besonders anfällig für diesen Erreger sind immungeschwächte Patientinnen um die 85 Jahre.

Gefährliche Entwicklung

Antibiotika sind ein wichtiger Faktor in der modernen Medizin und wesentliche Medikamente bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. „Die zunehmende Resistenzentwicklung – das heißt, die krankmachenden Bakterien reagieren nicht auf eine bestimmte Wirkstoffgruppe - schränkt aber die Behandlungsmöglichkeiten ein“, sagt OA Dr. Franz Lang, Internist bei den Barmherzigen Schwestern in Linz und Mitglied der krankenhausinternen Antibiotika-Arbeitsgruppe.

Im Spital und hier vor allem auf der Intensivstation stellen multiresistente Krankenhauskeime ein alltägliches Problem dar. Die Kombination von abwehrgeschwächten Patienten, intensivem und lang andauerndem Antibiotika-Einsatz sowie Keimübertragungen von Patient zu Patient im Krankenhaus erweitert das Problem dieser antimikrobiellen Resistenzentwicklung.

Behandlung schwieriger

Dr. Lang: „Das erhöht die Morbidität und Mortalität, macht letztendlich die Behandlung schwieriger, sie dauert länger, neue teure Medikamente haben auch höhere Kosten im Gesundheitswesen zu Folge.“ Hinzu kommt, dass nur wenige neue Antibiotika in Aussicht sind.

Viele Ursachen

Die Resistenzzunahmen haben mehrere Gründe. Zum einen liegt es an der überflüssigen Verschreibung von Antibiotika bei viralen Infekten. Auch die Compliance (Nicht-Befolgung der Ärzteangaben) mancher Patienten zählt dazu. Die vorgegebene Dosierung und Behandlungsdauer wird nicht eingehalten, Reste von Antibiotika-Medikamenten nimmt der Patient nach eigenem Gutdünken wieder ein, nach dem Motto: Hilft’s nicht, schadet’s nicht! Das kann nicht nur die Resistenzentwicklung verstärken, sondern für den Patienten lebensbedrohlich sein, weil er zum Beispiel eine Medikamentenallergie auf Antibiotika entwickelt.

Weltweites Problem

Die Resistenzentwicklung ist ein weltweites Problem, Krankheitserreger halten sich nicht an Einreiseverbote. „Bestrebungen, die Resistenzentwicklung durch vernünftigen Antibiotika-Einsatz im niedergelassenen Bereich zu reduzieren, finden sich europaweit“, sagt Prim. Univ.-Doz. Dr. Petra Apfalter, Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Krankenhaus der Elisabethinen Linz. „Die Bemühungen richten sich hierbei vor allem auf den Verzicht von Antibiotika-Einsatz bei viralen Infekten. Lösungsansätze zur Verminderung der Problematik müssen Maßnahmen im niedergelassenen Bereich, im Spital aber auch im Veterinärbereich beinhalten.“

Für die Entwicklung von effizienten Maßnahmen ist die umfassende Kenntnis der Resistenzsituation erforderlich. Daher gibt das Gesundheitsministerium jährlich den Österreichischen Resistenzbericht AURES heraus. „Die Datenbasis umfasst mittlerweile über 41.000 Resistenzdaten von Bakterienstämmen“, so Dozentin Apfalter, die auch Leiterin des nationalen Referenzzentrums für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz am Krankenhaus der Elisabethinen (www.referenzzentrum.at ) ist.

Staphylococcus aureus

Staphylococcus aureus ist eine Bakterienart, die bei Menschen und Tieren in geringer Menge als natürlicher Bestandteil der Haut vorkommt, aber auch der wichtigste Eitererreger überhaupt ist. Bei Menschen sind meist die vordere Nase und die Leistengegend besiedelt. Wenn Staphylococcus aureus jedoch in normalerweise keimfreie Teile des Körpers eindringt, kann es schwere Infektionen verursachen. Der Erreger ist deshalb eine häufige Ursache von Hautinfektionen wie Furunkeln sowie Wundinfektionen.

MRSA – Killerbakterium

In den Medien mitunter als „Killerbakterium“ genannt, der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). In den Vereinigten Staaten sorgt MRSA für rund 125.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr. Gelangt nun MRSA in eine Wunde (zum Beispiel nach einer OP im Spital) ist die Behandlung des Patienten sehr schwierig und mit vielen Komplikationen, manchmal auch mit dem Tod verbunden.

MRSA in Österreich rückläufig

Etwa ein Prozent aller gesunden Menschen und zwei Prozent der über 65-Jährigen tragen MRSA in der Nase. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Häufigkeit der Besiedelung mit MRSA bei Österreichern relativ gering. Bei uns trägt nur jeder sechste S. aureus-Träger eine solche Resistenz in sich, in Malta aber jeder zweite Träger. Apfalter: Die MRSA-Daten sind seit 2003 in Österreich rückläufig. Grundsätzlich ein erfreulicher Trend, der mit hoher Wahrscheinlichkeit einer hohen und gut funktionierenden Krankenhaushygiene und erfolgreich umgesetzten strukturellen Reformen im Spital zugrunde liegt. Im nationalen Vergleich schneidet Österreich deshalb gut ab.

Zwei „Böse“ verbünden sich

Multiresistenzen treten auch bei anderen Bakterien auf. Zum Beispiel können Enterococcus faecealis und Enterococcus faecium (immun geschwächte Patienten im Spital sind dafür besonders anfällig) resistent gegen das Antibiotikum Vancomycin sein. Eine Übertragung der Resistenz der VRE (Vancomycin resistente Enterkokken) auf Staphylokokken ist eine befürchtete Entwicklung, die im Gesundheitsbereich mit größter Sorge beobachtet wird. „In Österreich ist aber noch kein einziger Fall vorgekommen“, beruhigt Dozentin Apfalter.

Elisabeth Dietz-Buchner
Jänner 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020