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Lungengesundheit: Langzeitstudie in Wien

Lungengesundheit: Langzeitstudie in WienErstmals soll eine Langzeit-Beobachtungsstudie Auskunft darüber geben, wie sich der Gesundheitszustand der Österreicher ab dem Alter von sechs Jahren im Laufe der Zeit verändert, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

Spezialisten am Ludwig Boltzmann Institut für chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Pneumologische Epidemiologie am Otto Wagner Spital in Wien starten im Herbst 2011 eine Studie, bei der mehr als 10.000 Menschen regelmäßig untersucht werden sollen. Damit sollen Wissenschaft und Gesundheitspolitik abgesicherte und repräsentative Daten über den Gesundheitsstatus der Menschen erhalten. Dies kündigte am Dienstag die Vizepräsidentin der Österreichischen Pneumologischen (ÖPG) Gesellschaft, OA Dr. Sylvia Hartl, bei einer Pressekonferenz in Wien an.

Studiendauer zwölf Jahre

Der Hintergrund: In den vergangenen Jahren hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass die Gesundheit der Lunge den gesamten Organismus beeinflusst. Umgekehrt haben aber auch alle Schädigungen, die den Körper treffen, ihren Einfluss auf die Lungenfunktion. Hier fehlen umfassende Daten. Die Expertin: „Die Lungengesundheitsstudie startet wahrscheinlich im Herbst in Wien. Mehr als 10.000 Menschen ab sechs Jahren werden aufgenommen und sollen zwölf Jahre – zum Beispiel vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter begleitet werden.“
Erhoben werden alle wichtigen Gesundheitsdaten (insgesamt 170 Fragen), bei weitem nicht nur Informationen zur Lungenfunktion, sondern auch zu Gewicht, Muskel, Fettverteilung, Ernährung, Herz und Kreislauf etc. Die Freiwilligen werden dann alle vier Jahre wieder untersucht, berichtet die APA. Sylvia Hartl: „Das ist etwas, das in Österreich bisher fehlte.“ Die Stadt Wien (KAV) und das Gesundheitsministerium unterstützen das Projekt.

Früherkennung

Beim Jahreskongress der Österreichischen Pneumologischen Gesellschaft (ÖPG) Anfang September 2011 ging es aber auch um Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation bei Erkrankungen der unteren Atemwege. Hier gibt es wesentlich neue Erkenntnisse bei der Frühdiagnose des Lungenkarzinoms. Kongresspräsident Prim. Univ. Prof. Dr. Otto Burghuber Vorstand der I. Internen Lungenabteilung des SMZ Baumgartner Höhe, Otto Wagner Spital: „Mehr als 90 Prozent der Patienten mit einem Bronchuskarzinom sterben daran, vor allem, weil wir zu spät draufkommen. Im Frühstadium hingegen beträgt die Fünf-Jahres-Über- lebensrate noch 70 Prozent.“
Eine riesige US-Screening-Studie (53.000 Probanden), die erst vor kurzem im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, zeigte: Untersucht man Hochrisiko-Personen (älter als 55, mehr als 1,5 Packungen Zigaretten am Tag; 30 Jahre mit einer Packung Zigaretten pro Tag), lässt sich bei dreimal im Abstand von einem Jahr durchgeführten Computertomografie-Untersuchungen mit einer niedrigen Dosis von Röntgenstrahlen die Sterblichkeit wegen der früheren Entdeckung von Lungenkarzinomen um 20 Prozent senken.
Burghuber: „Das ist ein ‚Hammer’.“ Allerdings, vor allem wegen einer hohen Rate von falsch positiven Befunden (Verdacht, der sich nicht erhärtet bei 96 Prozent der verdächtigen Fälle) mit höchster Verunsicherung der Menschen und einer Unmenge an nachfolgenden invasiven Untersuchungen sei die Strategie derzeit nur mit größter Vorsicht zu betrachten.

Problem COPD

Ein Riesenproblem ist auch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) als neben dem Lungenkarzinom klassische Rauchererkrankung. Hier gibt es eine neue Erhebung in den österreichischen Spitälern, die offenbar sehr diskutable Ergebnisse erbrachte. So werden Personen mit akuter Verschlechterung bei weitem nicht immer gemäß den Leitlinien und zum Teil recht unterschiedlich behandelt. Tagungspräsident Burghuber: „50 Prozent der versorgenden Spitäler haben keine Möglichkeit zur Lungenfunktions-prüfung.“ Das aber ist das wichtigste und laut Fachleuten unabdingbare Verfahren für Diagnose, Statusermittlung und wohl auch zur Überprüfung des Behandlungserfolges.

Mängel gibt es auch in der Rehabilitation. Burghuber: „Wir fordern eine ambulante, wohnortnahe Rehabilitation. Drei Wochen stationäre Rehabilitation bringen nichts.“ Der Effekt verpuffe binnen kurzer Zeit. Dabei wäre gerade für COPD-Patienten mit ihrer lebenslangen Erkrankung eine beständige Betreuung inklusive körperliches Training wichtig. Die Vizepräsidentin der Pneumologengesellschaft, Sylvia Hartl: „Wir haben in einer Studie gezeigt, dass einfaches Nordic Walking einen guten Effekt hat. Der hält auch nach neun Monaten noch an, weil die Menschen weiter gehen und sich wieder auf die Straße trauen.“ Man sollte hier von „Lungensport“ sprechen und diesen breit propagieren.

Mag. Christian Boukal

September 2011

Foto: APA


Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020