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Leberzirrhose und Hepatitis C

leberzirrhose_reagenzglasNicht immer merkt der Mensch sofort, wenn ihm was über die Leber gelaufen ist. Besonders bei einer Erkrankung der Leber durch das Hepatitis C Virus sind die Symptome "typisch uncharakteristisch".

Eine Leberentzündung ist eine schleichende Erkrankung, deren Symptome nicht besonders spektakulär sind. Bleibt die Infektion unentdeckt – und somit unbehandelt – sind die Folgen allerdings gravierend.

"Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit oder Appetitlosigkeit sind oftmalig die einzigen Anzeichen, dass eine Viruserkrankung der Leber vorliegen könnte. Und die schreibt der behandelnde Arzt zunächst oft anderen Krankheiten zu. Ein einfacher Bluttest würde die Infektion durch das Hepatitis C Virus nachweisen", so Dr. Rainer Hubmann, Oberarzt an der 2. Medizinischen Abteilung des AKh Linz. Nur die rechtzeitige Diagnose und eine möglichst frühzeitige Therapie kann die Patienten vor einer chronischen Leberentzündung bewahren. Unbehandelt kann sie zur Leberzirrhose führen.

Hepatitis C oft heilbar

Hepatitis C ist mittlerweile bei vielen Betroffenen heilbar. Das Hepatitis C Virus existiert in unterschiedlichen Formen. Sie sind mit unterschiedlichem genetischen Material ausgestattet – der Mediziner spricht dann von den Genotypen 1 – 4.

Je nach Virustyp bestehen schon Aussichten auf dauerhaft Heilung von 45 bis 85 Prozent. Ende April wurden nun Zwischenergebnisse einer neuen österreichweiten Studie bei der 41. Jahrestagung der European Association for the Study of Liver Disease (EASL) vorgestellt.

Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci von der Klinik für Innere Medizin IV, Abt. Gastroenterologie UND Hepatologie am AKH Wien, wurde untersucht, ob die Therapiedauer individuell angepasst werden könnte.

"Vorangegangene Studien ergaben eine Heilungsrate nach 6-monatiger Therapie von 35 Prozent der Patienten. 10 Prozent höher, also bei 45 Prozent, lag die Rate nach 12-monatiger Therapie. Wurde die Therapie noch um ein halbes Jahr verlängert – also auf 18 Monate erhöht – stieg die Heilungsrate allerdings nur mehr um 2 Prozent auf 47 Prozent", stellt Studienteilnehmer Hubmann fest.

Kann die Therapie individuell angepasst werden?

Es stellte sich die Frage, wie lange die medikamentöse Behandlung notwendig ist, wenn sich ein Erfolg der Therapie bereits nach kurzer Therapie einstellt. Die Zwischenergebnisse lassen aufhorchen.

Konnte das Hepatitis C Virus nach nur vier Wochen Kombinationstherapie eliminiert werden, so zeigte sich, dass die Therapiedauer auf die Hälfte verkürzt werden konnte, ohne die Heilungschancen zu beeinträchtigen. Die Therapiedauer liegt demnach bei sechs anstatt wie bisher bei zwölf Monate.

"Hatte sich der Erfolg aber nach drei Monaten noch nicht eingestellt, so ist davon auszugehen, dass der Patient die volle Therapiedauer von 18 Monaten benötigen wird", so Hubmann.

Die Frage bei welchen Patienten eine kürzere Behandlung genauso erfolgreich ist wie die bisherige längere Standardbehandlung, zeigt erst der Erfolg der ersten vier Wochen und hängt von der Empfindlichkeit des Virus ab.

Viren und Medikamente

In der Therapie kommt unter anderem Interferon zur Anwendung, ein spezifisches Protein, das der Körper in der Regel als Immunantwort auf virale Infektionen bildet und auch in der Krebstherapie verwendet wird. Weitere Medikamente sind Virostatika (z.B. Ribavirin). Sie hemmen in Kombination mit Interferon den Vermehrungszyklus der Viren. Diese Medikamente sind für den Organismus der Patienten zusätzlich belastend.

Die Therapie der Infektion mit Viren vom Genotyp 1 und 4 ist langwieriger als die der Genotypen 2 und 3. Im ersten Fall ist es Standard, die Patienten einer mindestens zwölfmonatigen Kombinationstherapie mit den erwähnten Medikamenten zu unterziehen. Dabei betragen die Heilungschancen 45 Prozent.

Genotyp 2 und 3 werden "nur" sechs Monate behandelt, mit jedoch ca. 80 Prozent Heilungschance.

'Optimierte' Therapie

Die vielversprechenden Zwischenergebnisse der Studie gelten allerdings für alle Genotypen der Hepatitis C Viren.

"Es zeigte sich, dass — wenn das Virus Genotyp 1 oder 4 nach nur vier Wochen Kombinationstherapie eliminiert werden konnte — 24 anstatt wie bisher 48 Wochen Therapiedauer für eine dauerhafte Heilung ausreichend sind", so der Studienleiter. Eine Dauerheilung unter diesen Bedingungen wurde bei zwei Drittel der Patienten festgestellt.

Die Behandlung der Genotypen 2 und 3 konnte ähnlich optimiert werden. Diese Typen sind zwar besser zu behandeln — die Therapiedauer beträgt in der Regel "nur" sechs Monate. Für diese Patienten konnte zwar die Dauer der Medikation nicht gesenkt werden. Eine körperliche Entlastung konnte aber durch die Halbierung der Dosis an Virostatika erreicht werden. Auch hier betrug die Heilungsrate rund zwei Drittel der Patienten.

Allgemeine Fakten

Laut WHO sind weltweit rund 200 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus infiziert. Für Österreich nehmen Experten eine Zahl von 90.000 Infektionen an. Nach wie vor dürfte aber nur rund ein Drittel der Infizierten über ihre Infektion Bescheid wissen.

Oft wird eine Hepatitis C nur zufällig diagnostiziert – zum Beispiel im Rahmen einer Gesundenuntersuchung. Dann ist aber die Erkrankung oft schon so weit fortgeschritten, dass bereits irreparable Schäden aufgetreten sein können.

Die Therapie ist langwierig und die Lebensqualität der Erkrankten dadurch stark beeinträchtigt. Durch eine optimierte Therapie erwarten sich die Studienautoren sowohl eine verbesserte Lebensqualität als auch eine höhere Heilungsrate.


Mag. Christian Boukal

Juni 2006


Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020