DRUCKEN

Verhornung der Haut: Aktinische Keratose

Aktinische KeratoseUnter der aktinischen Keratose versteht man eine Verhornungsstörung der Haut. Diese auch als „Sonnenschwielen“ bezeichneten Hautveränderungen treten aufgrund von zu intensiver Sonnenbestrahlung auf. Auch wenn über 90 Prozent der aktinischen Keratosen nicht in einen gefährlichen Hautkrebs übergehen, ist bei verdächtigen Symptomen eine frühe Abklärung durch den Arzt wichtig, erklärt der Dermatologe Dr. Klemens Rappersberger.

Der wohl bekannteste Hautkrebs ist das Melanom, der „schwarze Hautkrebs“ – ein besonders bösartiger Tumor der Pigmentzellen der Haut. Viel häufiger sind aber jene Hauttumoren, die von den eigentlichen Hautzellen, den Keratinozyten, ausgehen und umgangssprachlich als „weißer Hautkrebs“ bezeichnet werden. Manche dieser Karzinome haben Vorläufer-Läsionen, die sogenannten aktinischen Keratosen (aktinisch: durch Strahlung hervorgerufen, Keratose: Verhornung). Prim. Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Leiter der dermatologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien erklärt, was hinter der Bezeichnung steckt: „Aktinische Keratosen entstehen aufgrund chronischer UV-Exposition. Sie sind als Folge einer kumulativen, also sich anhäufenden, chronischen UV-A und UV-B Bestrahlung und der damit verbundenen aktinischen Karzinogenese zu betrachten. Wir sprechen von einer ‚field cancerization‘ (Feldkanzerisierung, Anm. d. Red.), weil keine punktuelle, sondern eine flächige Schädigung der Haut vorliegt.“

up

Ursache: Intensive Sonnenbestrahlung

Wie oft fälschlicherweise angenommen, hat nicht nur ein Sonnenbrand gefährliche Auswirkungen. Auch eine dauerhafte Sonnenexposition kann zu Langzeitschäden wie Hautalterung oder – im schlimmsten Fall – der Bildung von Hautkrebs, also bösartigen Tumoren, führen. Aktinische Keratosen treten häufig in höherem Lebensalter auf. Besonders gefährdet sind Personen mit hellem Teint, rotblondem oder blonden Haaren und Sommersprossen. Rappersberger: „Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Karzinomen haben zudem Menschen mit iatrogener (ärztlich verursachter, Anm.) Immunsuppression, zum Beispiel nach Organtransplantationen, oder viraler Unterdrückung des Immunsystems, beispielsweise HIV-Erkrankte“, erklärt der Mediziner.

up

Nur selten entwickelt sich ein Hautkrebs

Aktinische Keratosen lassen sich in folgende Stadien einteilen:

  • Stadium I: „Die histopathologisch fassbaren, also krankhaften, Veränderungen sind dabei auf die unterste Zellschicht der Epidermis, das Stratum basale, beschränkt“, erklärt Rappersberger. Das Epithel der oberen epidermalen Zellschichten der Haut, der sogenannten Epidermis, weist keine krankhaften Veränderungen auf. Der Grad I wird neuerdings auch als „frühes Plattenepithel Karzinom in situ Grad I-mild“ (lat. in situ: am Ursprungsort) bezeichnet.
  • Stadium II: In diesem Stadium sind bereits krankhafte Veränderungen in den unteren Zelllagen der Haut nachweisbar. Man spricht auch von einem frühen Plattenepithel-Karzinom in situ, Grad II-moderate. „Ob man bei aktinischen Keratosen vom Grad I bis II wirklich von einem Plattenepithelkarzinom in situ sprechen soll, wird derzeit sehr widersprüchlich diskutiert. Ich bin ganz strikt dagegen, weil ein Großteil aller aktinischen Keratosen, sicher über 90 Prozent, niemals zu einem Karzinom werden“, erklärt Rappersberger.
  • Stadium III: Die krankhaften Veränderungen sind in allen Zellschichten der Epidermis nachweisbar. Der Grad III trägt auch die Bezeichnung „Plattenepithel-Karzinom in situ, Grad III-severe“.

„In all diesen Stadien bleiben die Veränderungen auf das Epithel beschränkt, es gibt kein Vorwachsen in gefäßführendes Gewebe“, so der Mediziner. Aus etwa zehn Prozent der aktinischen Keratosen entwickelt sich jedoch ein invasives Plattenepithelkarzinom – es wächst in gefäßführende Schichten, also ins Bindegewebe vor. Dann erst spricht man von einem bösartigen Hauttumor.

up

Symptome: Rötliche-braune Hautveränderungen

Eine aktinische Keratose macht sich durch Symptome wie rötlich-braune Erhebungen bemerkbar. Diese können zu Krusten neigen. Grund dafür ist, dass sich die Zellen verändern oder vermehren und die Hornschicht verdickt. Am häufigsten treten die Hautveränderungen an sonnenexponierten Körperregionen wie überall im Gesicht, aber auch an den Lippen, insbesondere der Unterlippe, an den Ohrmuscheln und Handrücken sowie an unbehaarter Kopfhaut, also einer Glatze, oder am Dekolleté auf. Die Hautveränderungen können wenige Millimeter bis einige Zentimeter groß werden und fühlen sich in frühen Stadien so rau wie Schmirgelpapier an. „Anfänglich spürt man die Keratose viel besser als man sie sieht. Erst mit der Zeit entwickeln sich raue, warzige Knötchen. Schließlich beginnen diese zu bluten und es kommt zu Krustenauflagerungen“, bestätigt der Universitätsprofessor.

up

Bei ersten Symptomen Arzt aufsuchen

Die Therapieoptionen sind umfangreich und hängen vom Stadium und der Ausprägung sowie Lokalisation der aktinischen Keratose(n) ab. Dabei gilt: „Je früher die Diagnose, desto einfacher die Behandlung. Sobald man etwas spürt, spätestens aber, wenn man etwas sieht, sollte man einen Arzt aufsuchen“, rät der Facharzt. Behandelt werden alle Stadien der Erkrankung. Rappersberger: „Auch aktinische Keratosen vom Grad I bis II werden behandelt, weil man nicht weiß, ob sie sich zu einem Karzinom entwickeln. Die Behandlungsmethoden sind Routine für jeden erprobten Dermatologen und einfach in der Ordination durchzuführen.“

up

Von der Vereisung zum chemischen Peeling

Ein häufig angewendetes Verfahren bei einer aktinischen Keratose ist die Kryotherapie. Dabei wird mit flüssigem Stickstoff die veränderte Haut vereist. Die Läsionen müssen bei dieser Methode allerdings sehr dünn sein. Darüber hinaus ist eine Therapie mit Hitze in Form eines CO2-Lasers, aber auch mittels Elektrokaustik möglich. Dabei zerstören hochfrequentierte elektrische Ströme das veränderte Gewebe. Die betroffene Hautstelle kann auch durch Abkratzen mit einem scharfen Löffel (Kürettage) herausgeschabt oder chirurgisch mit einem Skalpell entfernt werden. „Eine lokale Chemotherapie mit dem Wirkstoff 5-Fluorouracil wird häufig bei mehreren aktinischen Keratosen angewendet. Das Gleiche gilt für die Behandlung mit lokal angewendeten Salben mit Diclofenac-Hyaluronsäure oder Imiquimod, die eine antitumorale Wirkung haben“, so der Mediziner.

up

Photodynamische Therapie: Reaktion aus Licht und Sauerstoff

Aber auch chemische Peelings können zur Behandlung eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen können dabei allerdings ein Brennen oder Stechen sowie Infektionen oder in seltenen Fällen auch Narben auftreten. Ein neueres Verfahren ist die photodynamische Therapie (PDT). Dabei wird ein systemischer Fotosensibilisator, dabei handelt es sich um einen lichtempfindlichen chemischen Stoff, auf die Haut aufgetragen, der sich im veränderten Gewebe anreichert. Es folgt eine gezielte Bestrahlung beispielsweise mit rotem Kalt-Licht, wodurch Licht und Sauerstoff miteinander reagieren (photodynamische Reaktion) – die veränderten Zellen werden zerstört.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich aktinische Keratosen nicht nur gut behandeln lassen, sondern auch einfach vorzubeugen sind: Mit entsprechender Kleidung und Sonnenschutzmitteln vor zu starker Sonnenexposition schützen!

MMag. Birgit. Koxeder

Jänner 2012

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020