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„Health Apps“: Nützlich für wen?

„Health Apps“: Nützlich für wen?Die Zahl der sogenannten „Health Apps“ boomt. Sie versprechen den Nutzern Selbstmanagement bei chronischen Erkrankungen. So werden etwa Blutzucker-Werte an die „Cloud“ geschickt und der Benutzer über die nötigen Maßnahmen informiert. Eine Rückmeldung des Systems soll dann zur Änderung des Gesundheitsverhaltens führen.

Als Leitfaden durch den immer dichteren Dschungel an neu veröffentlichten Applikationen hat die Generaldirektion für Kommunikationsnetzwerke, Inhalte und Technologie der Europäischen Gemeinschaft (DG Connect) den Führer „European Directory of Health Apps 2012-2013“ herausgegeben. „Aus der Perspektive von DG Connect benötigen Konsumenten und Patienten Beratung und Unterstützung, um nützliche und verlässliche Apps zu finden“, hält Robert Madelin, Direktor von DG Connect anlässlich der Veröffentlichung des Leitfadens fest. „Genaue Prüfung dieser Apps durch informierte Benützer – wie zum Beispiel mündige Bürger und Patientengruppen – stellen einen Schritt vorwärts dar.“

Eine Seite pro App

Jede geleistete App wird auf einer einzelnen Seite beschrieben, deren Kosten und Entwickler genannt, wo sie erhältlich ist und ob sie von Patientengruppen empfohlen wird.
Das Buch behandelt 200 Apps für 62 Krankheitsgruppen in 32 verschiedenen europäischen Sprachen. Die meisten Apps unterstützen Kommunikationsprobleme und Ernährungsratschläge. Aber auch bei Diabetes, Krebserkrankungen, Medikamenten-Erinnerungen, Asthma und Allergien bieten Apps Hilfe an.

Pharma Apps

Robert Madelin weist auf die Abwesenheit vieler Apps hin, die in den letzten drei Jahren von Pharmafirmen veröffentlicht wurden. Unter den wenigen Gelisteten waren der „iBGStar Diabetes Manager“ und die „MyAsthma“-App sowie eine Psoriasis-App.

Interessenskonflikt

Prof. Dr. Viviane Scherenberg, Dekanin für den Fachbereich Prävention und Gesundheitsförderung an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen, hält in dem Artikel „Schöne neue Welt: Gesünder mit Health-Apps? – Hintergründe, Handlungsbedarf und schlummernde Potenziale“ des „ Jahrbuch Healthcare Marketing 2013“ fest, dass für den Nutzer eindeutig erkennbar sein muss, „wann es sich um Gesundheitsinformation oder werbliche Inhalte handelt. Die Seriosität von Gesundheits-Apps wird zudem nicht nur durch die Offenlegung der Werbe- und Finanzpolitik, sondern durch das Vorhandensein eines Impressums, von Kontaktdaten sowie der Einhaltung von Datenschutzrichtlinien (analog zu Gesundheitshomepages) untermauert“. Weiters stellt sie fest, dass Apps bei ihrer Veröffentlichung derzeit nur auf ihre technischen Eigenschaften geprüft werden, um Schaden durch Viren oder ähnliches abzuwenden. „Ob gesundheitsbezogene Inhalte fachlich korrekt, aktuell und vertrauenswürdig sind, unterliegt derzeit keiner Kontrolle. In den USA sind erste Fälle bekannt, bei denen App-Anbieter aufgrund falscher Gesundheitsversprechen verurteilt wurden“, so Scherenberg.

Nachlese

Einen sehr nützlichen Hinweis, den wir ihnen nicht vorenthalten wollen, lieferte eine Leserin dieses Beitrags:
„Wer sich über deutschsprachige Gesundheits-Apps informieren will, dem sei die Datenbank von Healthon empfohlen, die mobil über app.healthon.de oder über den Blog www.healthon.de erreichbar ist. Die Initiative Präventionspartner hat in Zusammenarbeit mit der APOLLON Hochschule für Gesundheitswirtschaft mittlerweile insgesamt 91 kostenlose Verbraucher- und Patienten-Apps getestet. Sie wurden nach den Kriterien des HealthonApp-Ehrenkodex für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen in Apps strukturiert überprüft. Im September wurden die Angebote von zwei großen Anbietergruppen, Krankenkassen und Pharmaunternehmen, analysiert. Die Anzahl der Apps hat sich in einem Jahr verdoppelt - Qualität und Transparenz der gesundheitsbezogenen Informationen stagnieren jedoch auf Vorjahresniveau."

Leider nur in Englisch

„Health Apps“: Nützlich für wen?Die Apps im „European Directory of Health Apps 2012-2013“ werden nur beschrieben, nicht nach dem Schulnotensystem bewertet. Ein Urteil muss sich der Leser anhand der Beschreibung und Bewertung von z. B. Selbsthilfegruppen selbst bilden. Das Directory
kann unter http://www.patient-view.com/-bull-directories.html geladen werden.
Derzeit steht leider nur eine englische Version zur Verfügung.







Mag. Christian Boukal
September 2013


Foto: © Kigoo Images / pixelio.de, patient-view.com

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020