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Erste Hilfe als letzte Rettung: Defibrillatoren

Erste Hilfe als letzte Rettung - DefibrillatorenMehr als 15.000 Menschen erliegen jährlich dem plötzlichen Herztod, gibt das Österreichische Rote Kreuz bekannt. Dieser Todesursache gehen meist keinerlei Symptome voraus. Wäre aber Erste Hilfe zur Hand, könnten viele dieser Menschen gerettet werden.

Wer Menschen bei Notfällen nicht die erforderliche Erste Hilfe leistet, macht sich nach dem österreichischen Strafgesetzbuch strafbar. Ausgenommen sind nur Fälle, in denen die Hilfe nur unter Gefahr für Leib und Leben geleistet werden kann.

Angst vor Versagen

Rettungsmediziner vermuten, dass es mit der Hilfsbereitschaft der Österreicher leider nicht sehr gut bestellt ist. Über die Gründe dafür können sie nur spekulieren: Oft steht wohl die Angst, etwas falsch zu machen, im Vordergrund. Dem steht allerdings die Tatsache gegenüber, dass auf jeden Fall mit Schaden für das Opfer zu rechnen ist, wenn nichts gemacht wird. Die ersten fünf Minuten sind nämlich entscheidend über Leben und Tod im Falle eines Kreislaufstillstands.

Herzdruckmassage

Schon eine simple Herzdruckmassage überbrückt die kritische Zeit, bis professionelle Helfer eintreffen, und kann Leben retten. Wer sich nur auf die Herzdruckmassage beschränkt, weil er sich die dazu gehörige Mund-zu-Mund-Beatmung nicht zutraut, hilft jedenfalls mehr als jemand, der gar nichts tut.

Mund-zu-Mund-Beatmung

Im Jahr 1958 belegte der Exilösterreicher Dr. Peter Safar die Überlegenheit der Kombination aus Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Er formulierte die auch heute noch gültige ABC-Regel:

A:  Atemwege freimachen
B:  Beatmen
C:  Herzdruckmassage (C steht hier für Circulation, also Kreislauf).

Gemeinsam mit dem norwegischen Spielzeugfabrikanten Asmund Laerdal entwickelte Safar die erste Puppe, mit der auch heute noch Laien in der Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgebildet werden können.

Angst vor Fehlern und Ekel

Das Österreichische Rote Kreuz hat in einer Umfrage nachgefragt, was die Österreicher von Erster Hilfe abhält. Die Antworten sind durchaus interessant. So war häufig zu hören "Ich kann kein Blut sehen". Eine Aussage, die schon dadurch entkräftet werden kann, dass die allermeisten Notfälle Atem-Kreislaufstillstände sind, bei denen gar kein Blut fließt.

Die Angst vor dem Rippenbruch

Häufig angegeben wird auch "die Angst dem Patienten, die Rippen zu brechen". Das kann bei einer Herzdruckmassage tatsächlich passieren. Ein Rippenbruch ist aber nicht lebensbedrohlich, ein Herzstillstand dagegen schon.

Ekel vor der Beatmung

Eine weitere Angabe ist die eines "Ekels vor der Mund-zu-Mund-Beatmung".

Mag. Gerhard Lindner, Leiter der Bildungsakademie des Roten Kreuzes, Landesverband OÖ, empfiehlt daher bei der Beatmung ein sogenanntes "Beatmungstuch“ zu verwenden. „Beatmungstücher sind in Apotheken und bei Rettungsorganisationen erhältlich. In allen Fällen soll bei Atem- Kreislaufstillstand zumindest eine Herzdruckmassage durchgeführt werden.“

Keine Angst vor Defibrillatoren

Schon in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist damit begonnen worden, der Öffentlichkeit halbautomatische „Defibrillatoren“ zur Verfügung zu stellen. Meist sind sie in öffentlichen Gebäuden oder Betrieben angebracht. Kommt bei einem Herz-Kreislauf-Notfall innerhalb der ersten Minute ein „Defi“ zum Einsatz, könnten 70 Prozent aller plötzlichen Herztode vermieden werden.


Der Einsatz von Defibrillatoren, die immer häufiger in öffentlichen Gebäuden zu finden sind, hat sich, das geben Rettungsmediziner an, ebenfalls sehr bewährt: Aufgrund des intelligenten Designs der Apparate kann auch ein Laie beim Patienten keinen Schaden anrichten: Ist kein Elektroschock erforderlich, stellt das der "Defi" selbständig fest, und der Elektroschock unterbleibt.

Für Laien geeignet

Ein Defibrillator gibt Stromstöße ab, die Herzrhythmusstörungen beenden können. In Krankenhäusern, Arztpraxen und Rettungswägen gehören sie schon lange zur lebensrettenden Standardausstattung. Mit den halbautomatischen Laien-Defibrillatoren stehen der Bevölkerung seit einigen Jahren Geräte zur Verfügung, die den Benutzern selbständig Anweisungen geben, wie mit dem Gerät umzugehen ist.

Keine Fehler möglich

Der „Defi“ gibt nur dann einen Elektroschock ab, wenn das Gerät erkannt hat, dass der Patienten, einen Stromstoß braucht. Dazu klebt der Ersthelfer Elektroden am Brustkorb des Opfers an, deren Platzierung am Gerät genau beschrieben ist. Das Gerät analysiert mittels der internen Software den Herzrhythmus und entscheidet danach selbständig, ob eine Defibrillation sinnvoll ist. Dabei „spricht“ das Gerät mit dem Ersthelfer, der dann gemäß diesen Anweisungen einen Stromstoß auslöst.

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Kinderleichte Bedienung

Eine deutsche Untersuchung hat ergeben, dass bereits elfjährige Kinder nach einer kurzen Filmeinführung problemlos und sicher mit einem „Defi“ umgehen können. Das Österreichische Rote Kreuz setzt alles daran, bundesweit die Verfügbarkeit dieser lebensrettenden Halbautomaten zu erhöhen. Wie Feuerlöscher sollen sie in allen öffentlichen Gebäuden und auch Betrieben jederzeit verfügbar sein.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Sehr oft wird von Befragten auch angegeben "Ich weiß nicht, was zu tun ist". Diese Ausrede gilt jedenfalls nicht für österreichische Führerscheinbesitzer. Für sie istein Erste Hilfe-Kurs im Rahmen der Führerscheinprüfung verpflichtend. Das Rote Kreuz empfiehlt allen Menschen die regelmäßige Auffrischung dieses Kurses mindestens alle zwei Jahre, um im Notfall rasch und adäquat Hilfe leisten zu

können.


Mag. Christian Boukal

März 2007


Fotos: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020