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Wundermittel aus der Apotheke?

Keine Wundermittel - Teetasse mit TeeeiOb zum Lutschen, Sprayen oder Gurgeln – die Apotheken halten ein reiches Sortiment an Mitteln gegen Halsweh bereit. Ein Studie zweifelt allerdings an deren Wirksamkeit. Hausmittel seien genauso gut.

Wenn draußen der Schneeregen in Schneeschauer übergeht oder umgekehrt, vermehren sich Viren und Bakterien und wittern ihre Chance, weil in der kühlen Jahreszeit bei vielen Menschen die Abwehrkräfte geschwächt sind. Vor den Attacken in der Schule, am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es kaum ein Entrinnen. Beim Niesen und Husten werden die Keime in Tröpfchenform verschleudert und finden schnell neue Opfer. Die Folge sind Husten, Schnupfen, Heiserkeit und meist auch Halsschmerzen. Gegen das unangenehme Kratzen und Brennen im Hals gibt es in der Apotheke eine Vielzahl von Mitteln zum Lutschen, Gurgeln und Sprayen. Sie sollen die Entzündung besiegen und im Hals wieder zu ungetrübten Verhältnissen führen – so jedenfalls versprechen es Werbebotschaften und erwarten sich das die geplagten Patienten. Geht es nach einer im deutschen Verbraucher-Magazin „Öko-Test” veröffentlichten Studie, kann man sich den Gang in die Apotheke sparen. "Es gibt keine einzige Studie, die die therapeutische Wirksamkeit der Mittel überzeugend belegen könnte", resümiert Arzneimittelexperte Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen.

Gurgellösungen, Sprays und Lutschtabletten werden kritisch betrachtet

Keines der 17 getesteten gängigen Halsschmerz- Mittel könne daher empfohlen werden. Die Gurgellösungen, Sprays und Lutschtabletten gelangen nur an die Oberfläche der Hals-Schleimhaut, während sich die Entzündungen in tieferen Schichten abspielen. Zudem werden rund 90 Prozent der Halsentzündungen von Viren verursacht, gegen die es ohnehin kein Mittel gibt. Primarius Dr. Floris Heger, der Leiter der HNO-Abteilung am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, sieht die Sache ein wenig differenzierter: „Natürlich darf man sich von diesen Mitteln keine Wunderdinge erwarten. Die Infektion verhindern oder sie schneller wieder beseitigen können alle diese Mittel wahrscheinlich nicht, zu einer gewissen Linderung der Beschwerden können sie schon führen. Der Großteil der Gurgelmitteln und Lutschtabletten beinhalten aromatische Stoffe, wie Menthol, Anis- oder Eukalyptusöl. Sie regen den Speichelfluß an und lindern die Symptome von Hals und Schluckbeschwerden bei Erkältungen. Andererseits wirken Kräuterbonbons, mit Salbei, oder Fruchtbonbons von schwarzen Johannisbeeren ebenso. Ob Lutschtabletten und Gurgelmittel eine relevante antiseptische Wirkung haben, ob sie gegen Viren wirken, ist tatsächlich fraglich. Lutschtabletten, die Antibiotika beinhalten sind keinen berechtigten Mittel bei Erkältungskrankheiten.” Der Mediziner wappnet sich selbst mit einer Vitamin C- Kur vor dem alljährlichen Angriff der Krankheitskeime. Primarius Heger: „Wenn die Witterung für Erkältungskrankheiten besonders günstig ist, nehme ich täglich eine Brausetablette Vitamin C, um die körpereigene Abwehr zu unterstützen.” Gerade gegen Erkältungen und damit auch gegen Halsweh gibt es einige bewährte Hausmittel. Bei Zeichen einer beginnenden Erkältung, wenn man ein Kratzen und Trockenheit im Hals spürt und jedes Schlucken fällt schwer, ist es wichtig, die Schleimhäute feucht zu halten. Deshalb sollte viel getrunken werden. Besonders gut eignen sich Holunderblüten oder andere Kräutertees. Salbei- und Kamillentee wirken nebenbei leicht entzündungshemmend. Mit den Tees kann auch gegurgelt werden. Hilfreich kann es auch sein, die Speichelproduktion anzuregen. Denn auch im Speichel sind Abwehrstoffe enthalten. Die Produktion von Speichel kann etwa mit zuckerfreien Salbei- oder Kräuter-Bonbons oder auch mit sauren Drops beschleunigt werden. Ein probates Mittel zur Schmerzlinderung können auch Halswickel darstellen. Warme, feuchte Wickel werden bei Erkältung angenehmer als kalte empfunden werden, wirken auch besser.

Wundermittel aus der Apotheke - Frau trinkt Tee (mit Erklärung)

Nach drei Tagen zum Arzt

Wichtig ist jedoch, dass auch die besten Hausmittel ihre Grenzen haben. Wenn sich Halsschmerzen nicht innerhalb von drei Tagen bessern, wenn Fieber, ein Engegefühl und massive Schluckbeschwerden dazukommen und die Lymphknoten am Hals geschwollen sind, besteht der dringende Verdacht auf eine durch Bakterien ausgelöste Entzündung, etwa eine Angina. Primarius Dr. Floris Heger: „Dann sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, der dann eine Behandlung mit Antibiotika einleitet.” Wer solch eine Entzündung nicht ernst nimmt und verschleppt, muss mit ernsthaften Komplikationen oder sogar Folgeerkrankungen wie Gelenk-, Herzund Nierenerkrankungen rechnen. Einen Tipp hat Primarius Heger noch parat, der vor Halsentzündungen und generell vor Erkältungskrankheiten schützen kann: „Da sich die Krankheitskeime zumindest eine Zeit lang an der Oberfläche der Schleimhäute aufhalten, kann man mit Mundhygiene einiges erreichen. Ich putze mir nach einem Arbeitstag, an dem ich mit vielen Menschen zusammen gekommen bin, gleich einmal gründlich die Zähne."

Wenn es im Hals kratzt...

Halsschmerzen können sowohl zu Beginn einer Erkältung wie auch in deren Verlauf auftreten, wenn sich eine Virusinfektion der Nase - ein Schnupfen - zum Hals hin ausbreitet und zu einer Rachenschleimhautentzündung führt. Die Schleimhäute sind gerötet, verdickt, schmerzen und bilden reichlich schleimiges Sekret. Manchmal reagieren auch die Ohren mit und sind „verschlagen”, da eine Verbindung zum Rachen besteht. Wenn es, wie dargestellt, zu keiner eitrigen Mandel- oder Seitenstrangentzündung kommt, sind Tees zusammen mit Ruhe und Wärme die besten Helfer.  



Heinz Macher

November 2006


Fotos: Bilderbox, deSign of Life, privat


Kommentar

Kommentarbild von Primarius Dr. Floris Heger zum Printartikel „Man darf sich von den Mitteln gegen Halsweh keine Wunderdinge erwarten. Aber die meisten können doch in gewissem Maß zur Linderung der Schmerzen beitragen. Das können aber auch bewährte Hausmittel.” 
Primarius Dr. Floris Heger
Leiter der HNO-Abteilung am Kh der Elisabethinen, Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020