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Lidkorrektur: Ein kurzer Schnitt

Lidkorrektur: Ein kurzer SchnittLidkorrekturen beugen Augenschäden vor. Wenn das untere Augenlid schlaffer wird, ist das nicht nur ein kosmetisches Problem. Eine rasche Korrektur empfiehlt sich bei einem sogenannten Entropium aus medizinischen Gründen.

Es ist zwar nicht die häufigste Form einer Lidfehlstellung, aber eine äußerst unangenehme: das Entropium, das nach innen gerollte untere Lid. Die häufigste Ursache ist eine natürliche, nämlich das Alter. Im Laufe der Jahre kann es geschehen, dass der Halteapparat für das Lid mittig oder seitlich schlaff wird und nachlässt. Durch das Missverhältnis bei der Zugkraft der verschiedenen Augenlidmuskeln rollt sich das Lid dann nach innen.

Dabei hat man ständig das Gefühl eines Fremdkörpers im Auge. Denn beim Rolllid biegen sich auch die Wimpern nach innen und scheuern durch die stete Bewegung auf dem Auge. „Dadurch kann es zu dauerhaften Schäden an der Binde- und der Hornhaut kommen“, warnt Univ.-Prof. Dr. Yosuf El-Shabrawi, Leiter der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie im LKH Klagenfurt. Eine offene Hornhaut sei nicht nur schmerzhaft, sie ermögliche auch das Eindringen von Bakterien. Infektionen und Einschmelzungen der Hornhaut könnten die Folge sein.

Chirurgischer Eingriff

„Eine Therapie mit dauerhaftem Erfolg ist der chirurgische Eingriff“, sagt Professor El-Shabrawi. Bei der Operation, die bei 95 Prozent der Patienten unter Lokalanästhesie durchgeführt werden kann, werden Haut- und Muskelgewebe entfernt, um das Lid auf diese Weise wieder zu stabilisieren. Die Narben sind später kaum sichtbar. Ein Entropium kann aber auch nach einer Nervenverletzung, einem Unfall oder durch Narbenbildung nach Verletzungen auftreten. In seltenen Fällen kann ein Rolllid auch angeboren sein. Ein Lidkrampf kann ebenfalls ein Rolllid zur Folge haben. Dann spricht man von einem spastischen Entropium. Diese Form wird häufig mit Botox-Injektionen behandelt.

Bindehautentzündung

Ist das Unterlid nach außen gerollt beziehungsweise die Lidkante nach außen geklappt, hat man es mit einem Ektropium zu tun. Auslöser der Auswärtsdrehung können neben altersbedingter Muskelerschlaffung auch ein gelähmter Gesichtsnerv, Narben oder Tumore sein. Augen mit dieser Lidfehlstellung laufen Gefahr auszutrocknen. Durch den veränderten Lidmuskel können die Tränen nicht mehr über den Tränenkanal in den Tränensee fließen. Die Folge kann häufiges Tränen sein. Erschlafft der Muskel noch mehr, wird die Benetzung so arg gestört, dass die Augen austrocknen können. Patienten mit dieser Diagnose leiden häufig unter einer chronischen Bindehautentzündung. Schäden der Binde- und der Hornhaut sind die Folge. Auch in diesen Fällen wird der Arzt in einer Operation das Lid durch Schnitte kürzen, umstülpen und anlegen.

„Meist hat man ein bestimmtes Alter erreicht, wenn Lidmuskeln erschlaffen. Die meisten Patienten mit der Diagnose Entropium oder Ektropium sind über 70 Jahre alt“, sagt Oberärztin Dr. Sabine Stohl-Mayr, Klagenfurter Spezialistin für Lidoperationen. Häufiger als Probleme mit dem Unterlid sind jedoch Fehlstellungen des Oberlids, die unter dem Fachbegriff Ptosis bekannt sind. Sie sind zu Beginn oft nur ein kosmetisches Problem, werden in einem späteren Stadium aber häufig klinisch relevant. Etwa dann, wenn sie nicht nur das Gesichtsfeld des Patienten einschränken, sondern auch zu einer verminderten Sehschärfe führen.

Monika Unegg

November 2010

Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Prof. Dr. Yosuf El-Shabrawi zum Printartikel „Fast alle Eingriffe bei Lidfehlstellungen können unter Lokalanästhesie durchgeführt werden. Es sind Routineoperationen, die aber dauerhafte Abhilfe schaffen.“
Univ.-Prof. Dr. Yosuf El-Shabrawi
Leiter der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie, LKH Klagenfurt

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020