DRUCKEN

Hautreizungen im Schritt : Der mit dem Wolf kämpft

Der mit dem Wolf kämpftSchmerzhafte Hautreizungen im Schritt können jedes Rad-Vergnügen trüben. Die Österreicher fahren immer mehr mit dem Rad. 2006 haben sie 1,42 Milliarden Kilometer mit dem Rad zurückgelegt, das ist 1850-mal zum Mond und wieder zurück. Oft endet eine Radtour mit heftigen Schmerzen im Schritt. Vor allem jene, die zu den Viel-Radlern zählen, kennen diese Hautreizungen, auch Wolf genannt.


Wolf“ ist eigentlich kein medizinischer Ausdruck. Den richtigen Namen wissen selbst Mediziner nicht. Aber beim Wort „Wolf“ denkt jeder sofort an schmerzhafte Hautreizungen im Sitzbereich. „Man muss sich das so vorstellen, dass in dem Bereich durch Reibung wie mit einem mittelgroben Schmirgel-Papier die oberste Hautschicht abgerieben wird. Diese Abschürfung nennt man auch Erosion. Es entsteht eine Rötung, es kann sogar bluten, schmerzt besonders in Verbindung mit Schweiß und kann sich natürlich infizieren. Ausschlaggebend ist oft auch die Behaarung im Schritt. Es kann auch zu einer Haarbalg-Entzündung kommen, den klassischen Eiter-Wimmerln“, beschreibt Dr. Reinhard Feßl vom Österreichischen Institut für Sportmedizin in Wien die typischen Symptome des Wolfes. Betroffen sind nicht nur Männer, auch Frauen können darunter leiden.

Der Wolf entsteht also durch Reibung, begünstigt durch Schweiß und Hitze. Denn beim Schwitzen weicht sich die Haut auf, vergleichbar mit aufgequollenen Fingern oder Fußsohlen nach einem zu langen Aufenthalt im Wasser. Feßl: „Die Haut im Sitzbereich ist eine andere als zum Beispiel an den Fußsohlen. Dort verhornt sie leichter. Im Schritt ist die Haut weicher und wird nicht so widerstandsfähig. Daher betrifft das Problem auch Spitzensportler, die Zigtausende Kilometer pro Jahr herunterradeln.“ Haben sich früher Radprofis Rindsschnitzel in die Hose gelegt, bevor sie auf den Sattel gestiegen sind, greifen heutzutage Radfahrer auf Radlerhosen zurück. „Das Rindsschnitzel ist reißfest und besteht quasi aus dem gleichen Material wie der Mensch. Es geht darum, die Reibung woanders hin zu verlagern. Genau wie bei der Radlerhose“, so Sportmediziner Feßl. Für ihn ist daher klar: kein Radfahren ohne richtige Hose. „Mit Unterhose und Jeans — das kann unangenehm werden.“ Radlerhosen — es gibt sie in allen möglichen Farben, Materialien und Preisklassen — haben im Sitzbereich eine sattelförmige Auspolsterung. Das Prinzip: Die Reibung soll zwischen Hose und Sattel und nicht zwischen Hose und Haut stattfinden. Radlerhosen werden also ohne Unterhose angezogen.Eincremen oder nicht — das ist vor Beginn der Fahrt dann noch die Frage. „Manche Radprofis schwören auf speziell gemixte Salben, andere verwenden normale Vaseline, wieder andere schmieren gar nichts. Hier müssen Sie ausprobieren“, so Feßl. Wer schmiert, sollte nicht sparen und die Salbe großzügig rund um Anus, Hodensack, Leistenbeugen und die Innenseiten der Oberschenkel auftragen. Dann direkt die Radlerhose drauf — kein Problem, die ist waschbar.

zum Seitenanfang springen

Wolf austrocknen

Eine wichtige Rolle spielt auch der Sattel beziehungsweise die Einstellung des Sattels. „Das Wichtigste beim Radfahren ist, dass man nicht am Sattel herumwetzt. Wer bei jedem Tritt mit dem Becken links und rechts hinunterkippt, der reizt natürlich permanent die Haut im Schritt. Richtige Radfahrer sitzen locker am Bike, Becken, Rumpf und Rücken bleiben ruhig“, so der Mediziner. Der Sattel muss also zum Körper passen wie ein Schuh zum Fuß. Radlerhose, richtiger Sattel und richtige Bewegung heißen noch nicht, dass das Problem Wolf nicht auftritt. Vorbeugen ist also nicht wirklich möglich. Heilung schon. Wer mit der schmerzhaften Hautreizung zu kämpfen hat, der sollte eigentlich möglichst wenig tun: mit reinem Wasser duschen und dann den Wolf austrocknen lassen, weite Hosen und möglichst keinen Slip tragen. Reinhard Feßl: „Frische Wunden — keine Salben! Auch ein Antibiotikum bringt nichts, weil es in die oberste Hautschicht nicht eindringt.“


Mag. Lisa Ahammer

September 2007


Foto: Bilderbox, privat

zum Seitenanfang springen

Kommentar

Kommentarbild von Dr. Reinhard Feßl zum Printartikel "Einen Wolf kann jeder bekommen, der viel mit dem Rad fährt. Wichtig zur Heilung ist, die Hautentzündung austrocknen zu lassen. Kaufen Sie sich eine Radlerhose, und achten Sie darauf, dass Sie beim Radfahren möglichst wenig am Sattel wetzen.“
Dr. Reinhard Feßl
Österreichisches Institut für Sportmedizin, Wien

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020