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Urlaub am Meer: Gesund durch Wärme und Wasser

Urlaub am Meer: Gesund durch Wärme und WasserDie Luft und das Wasser am Meer bringen gesundheitliche Vorteile, die sich im Rahmen eines Urlaubs nutzen lassen. Um vom Aufenthalt am Meer profitieren zu können, sollte man diesen nicht zu kurz gestalten und einige Punkte beachten.

Das Meer wäscht alle Beschwerden hinweg. Diesen schönen Satz soll einst der griechische Denker Platon gesagt haben. Dass ein Verweilen am Meer gut für das mentale Empfinden sein kann, steht außer Zweifel. Abschalten und tun, wonach man Lust und Laune hat, und noch dazu in schöner, warmer Umgebung, hebt die Stimmung. Ob sich Urlaub am Meer aber auch positiv auf die Gesundheit auswirkt, diese Frage ist wissenschaftlich noch wenig erforscht.

Gesundheitliche Vorteile

Einer der wenigen Ärzte, die sich dieser Frage intensiv widmen, ist der Internist Univ. Prof. Dr. Egon Humpeler vom Institut für Urlaubs- und Freizeitmedizin in Bregenz. „Die mineralhaltige und feuchte Meeresluft regt wegen ihres hohen Salzgehalts und dem hohen Gehalt an Jod, Magnesium und Spurenelementen die Immunreaktionen der Atemwege und der Haut an. Darum kann ein Urlaub am Meer bei Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder chronische Bronchitis eine Linderung der Beschwerden bringen, ebenso bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte.“
Der Wind macht nämlich nicht nur die Hitze erträglich, er peitscht auch Wellen auf, wodurch Salzkristalle in die feuchte Luft wirbeln und diese Solecharakter erhält. Positiv für die Atemwege ist auch die am Meer weitgehend allergenfreie und schadstoffarme Luft, die so gut wie keine Auslöser von Allergien enthält. Auch Schmerzgeplagte können von Strandaufenthalten profitieren. Häufig verringern sich Muskelverspannungen und Gelenksbeschwerden. „Oft hilft das Liegen im heißen Sand außerordentlich gut. Wer das Meer und den Strand darüber hinaus zum Schwimmen, Tauchen, Spazieren oder Joggen nützt, tut noch dazu etwas für seinen Bewegungsapparat und seine Fitness.“
Nicht zu vergessen: Die Sonne verhilft uns zum lebenswichtigen Vitamin D. Nach Ansicht von Experten leiden bis zu 90 Prozent der Bevölkerung an einem Lichtmangel. Gebildet wird Vitamin D durch Sonnenlicht in der Haut. Aber Vorsicht: Man kann Vitamin D nicht auf Vorrat speichern. Stundenlanges Sonnenbaden ist zudem für die Haut schädlich. Besser ist es, regelmäßig, aber nur kurz in die Sonne zu gehen.

Thalasso – Therapie

Eine spezielle Therapieform, die sich die gesundheitlichen Effekte des Meeres zunutze macht, ist die Thalasso-Therapie. Thalasso bedeutet „Gesundheit aus dem Meer“. Die Meeres-Therapie wird vor allem für die Heilung von Haut- und Atemwegserkrankungen, sowie rheumatische Leiden eingesetzt. Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen gehören ebenfalls zu den zahlreichen Indikationen dieser Therapieform. Bausteine der Therapie sind Meerwasser und -luft, Sonne, Algen- und Schlickpackungen sowie Sand. Frankreich und Tunesien sind weltweit die größten Anbieter dieser Therapieform.

Bloß nicht!

Damit ein Urlaub am Meer positive Auswirkungen entfalten kann, ist es auch nötig, mögliche negative Auswirkungen zu minimieren. Damit man vom Urlaub nicht „urlaubsreif“ nachhause kommt, empfiehlt Urlaubsmediziner Humpeler folgende Punkte zu beachten:

  • Die hohen Temperaturen berücksichtigen. Wind lässt die Hitze geringer erscheinen als sie ist. Viel Wasser trinken, sonst droht hoher Flüssigkeitsverlust, besonders bei Kindern kann das gefährlich werden.
  • Sonnenbrand vermeiden! Die Sonne ist am Meer kräftiger als zuhause. Zwischen 11 und 15 Uhr besser im Schatten bleiben. Kein Einheimischer würde in dieser Zeit freiwillig in die Sonne gehen.
  • Sport in der Hitze nicht übertreiben.
  • Essen, Trinken, Vergnügungen aller Art mit Maß und Ziel angehen.
  • Keine übermäßigen und vor allem überflüssigen Risiken eingehen, wie z.B. Motorrad fahren ohne Helm, betrunken in der Sonne schlafen. Wer im Ausland einen Arzt braucht, muss mitunter tief in den Geldbeutel greifen – alles andere als entspannend!
  • Es langsam angehen. Den Urlaub nicht mit allzu vielen Aktivitäten voll packen.
  • Das tun, was einem selbst Spaß macht. Verreist man mit Familie, sollte man im Vorfeld planen, was man unternehmen will. Nicht darauf beharren, dass alles immer gemeinsam gemacht werden muss.
  • Die Arbeit zuhause lassen, auch im Gedanken.

Urlaubsdauer

Der Erholungseffekt stellt sich erst nach Tagen ein. Denn Urlaub im Ausland ist mit Anstrengungen verbunden. Besonders der Tag der Anreise ist beschwerlich, egal welches Verkehrsmittel man benützt. Wie schnell man sich auf die neuen Begebenheiten einstellt, ist sehr unterschiedlich. Während sich manche bereits am ersten Tag wohl fühlen, brauchen andere Menschen mehrere Tage, um sich auf die ungewohnten Temperaturen und die neue Umgebung einzustellen.
Die tatsächliche Dauer einer Urlaubsreise wird von Jahr zu Jahr kürzer. Waren vor 30 Jahren zwei Wochen am Meer noch durchaus üblich, so stellt diese Dauer heute die Ausnahme dar. Öfter und kürzer urlauben liegt im Trend. Damit entfernt sich der Durchschnittsurlauber von den Empfehlungen vieler Experten. „Wenn möglich sollte man zumindest eine ganze Woche verreisen und nicht drei bis fünf Tage. Noch besser wären aus gesundheitlicher Sicht zwei oder drei Wochen. Je weiter weg man fährt, desto mehr Zeit sollte man sich nehmen“, rät Humpeler. Auch aus psychologischer Sicht ist ein längerer Urlaub anzuraten. „Nach Urlaubsbeginn dauert es ein paar Tage, bis man sich gedanklich von der Arbeit gelöst hat und auch im Kopf auf Urlaub ist. Zudem stellt man sich zum Ende der Reise bereits wieder auf die Arbeit ein und beginnt über sie nachzudenken“, sagt der Urlaubs- und Freizeitmediziner.

Urlaub vom Ich

Erholung gelingt am Besten, wenn man sein Ego, seine Probleme und Ärgernisse des Alltags möglichst zuhause lässt. Das bedeutet, die Gedanken nicht – wie sonst üblich – um die immer wiederkehrenden Themen seines Lebens kreisen zu lassen. Dafür wichtig ist der Vorsatz, im Urlaub keine Probleme lösen wollen. Sich zugestehen, einmal nichts zu tun, so rein gar nichts erreichen und voranbringen zu wollen. Und das für eine oder zwei Wochen, oder wie lange der Urlaub eben dauert. Dann kann der Platons Satz wahr werden, dass das Meer alle Beschwerden hinweg wäscht.

Dr. Thomas Hartl
Juli 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020