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Genussmittel Kaffee

Kaffeetasse unter einer KaffeemaschineManche von uns kommen morgens ohne die erste Tasse nicht in Gang, andere wiederum verschmähen es, auch nur einen einzigen Schluck des dunklen Getränkes zu probieren. Die Rede ist natürlich vom Kaffee und dessen gesundheitlicher Wirkung.

Kaffee-Trinken hat eine lange Tradition. Bereits im 9. Jahrhundert gewann man aus den Früchten des Kaffeebaums, den Kaffeekirschen, ein Getränk. Einige Zeit später entdeckte man das unvergleichliche Aroma, das beim Zerstoßen der Bohnen entsteht. Dass das schwarze Gold eine stimulierende Wirkung besitzt, war schon damals bekannt und beliebt. Auch in Kunst und Kultur war und ist Kaffee aufgrund seiner Leistungssteigerung ein angesehenes Getränk. Heute zählt Rohkaffee zu einem der wichtigsten Handelsgüter der Welt.

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Kaffee und Wasser

Über die entwässernde Wirkung des Kaffee gehen seit jeher die Meinungen auseinander. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass Kaffee dem Körper nicht mehr Wasser entzieht als andere Getränke. Wer regelmäßig Kaffee trinkt, gewöhnt sich außerdem an die Wirkung. „Das mit dem Flüssigkeitsverlust stimmt so nicht. Richtig ist, dass das Koffein die Nierentätigkeit anregt und man so einen schnelleren Harndrang verspürt. Das Glas Wasser hilft allerdings, den Geschmack des Kaffees besser zu erkennen“, erklärt Eduard Mayr, Kurator vom österreichischen Kaffee Kompetenz Zentrum in Wien. Auch das österreichische Testmagazin „Konsument“ hält fest, dass nur sehr hohe Koffeinmengen von mehr als 250 Milligramm eine akute Flüssigkeitsausscheidung bewirken.

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Koffein ist gefäßerweiternd

Die Gesundheitsmythen über das schwarze Gold könnten unterschiedlicher nicht sein. Mal wird er wegen seiner vermeintlichen Schädlichkeit verdammt, dann wegen der gesundheitlichen Effekte gelobt. Aktuelle Studien beweisen, dass Kaffee eine positive Wirkung auf das Kreislaufsystem und den Stoffwechsel hat. Er fördert nicht nur die Verdauung, sondern vergrößert durch die erhöhte Sauerstoffzufuhr die Gedächtnis- und Muskelleistung. „Kaffee wirkt aber auch gegen unterschiedliche Krebsarten und gegen die Bildung von Karies. Weil Koffein die Gefäße erweitert, hilft es auch bei Schlaganfall und Asthma. Wissenschaftlich erwiesen ist aber auch, dass Kaffee konsumierende Pärchen mehr von der Liebe und Erotik haben als Pärchen, die keinen Kaffee trinken“, weiß Mayr.

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Höchstmenge 300 Milligramm Koffein pro Tag

Auch der österreichische Kaffeeverband weist auf die antioxidative Wirkung von Kaffee hin. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass zwei bis fünf Tassen pro Tag den körpereigenen Zellschutz erhöhen. Dennoch sollte die Höchstmenge von 300 Milligramm Koffein pro Tag nicht überschritten werden. In einer durchschnittlichen Tasse Kaffee sind 60 bis 100 Milligramm Koffein enthalten, ein Espresso bringt es auf 50 bis 60 Milligramm. Ein übermäßiger Genuss von Koffein kann zu Herzrhythmusstörungen führen und die Fruchtbarkeit einschränken, aber auch Nervosität und innere Unruhe hervorrufen. Patienten mit Kopfschmerzen und Schwangere sowie stillende Mütter sollten den täglichen Kaffeekonsum ebenfalls einschränken. Das Gleiche gilt für Menschen, die zu Magenübersäuerung neigen, da Koffein die Säurebildung im Magen stimuliert. Gibt man allerdings bei der Zubereitung Malzkaffee bei, so wird der Kaffee magen- und nervenverträglicher.

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Am Anfang steht die Kaffeekirsche

Wie wird eigentlich Kaffee gemacht? Zuerst werden die Kaffeekirschen gewaschen und die Bohnen vom Fruchtfleisch entfernt. Nach ein bis zwei Wochen sind die Bohnen getrocknet und der Rohkaffee kann in Säcke zum Transport abgefüllt werden. Die Röstung erfolgt meistens erst im Importland, da gerösteter Kaffee nur begrenzt lagerfähig ist. Während des Röstens verwandelt sich auch die Farbe der ursprünglich grünen Bohne ins Dunkelbraune. „Man unterscheidet 500 verschiedene Sorten und 70 verschiedene Arten, die zwei wichtigsten sind jedoch der im Hochland wachsende Arabica und der Robusta. Diese Sorte enthält mit vier Prozent das Doppelte an Koffein als die Bohnen der Sorte Arabica“, so Mayr.

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Jährlicher Konsum: acht Kilogramm

Die größten Kaffeetrinker sind übrigens die Finnen. Dort liegt der jährliche Kaffeekonsum bei 11,3 Kilogramm pro Einwohner, was einer Menge von 1.737 Tassen pro Jahr entspricht. Doch auch wir Österreicher sind wahre Kaffee-Liebhaber. Immerhin bringen wir es auf acht Kilogramm pro Jahr, das sind 2,6 Tassen pro Tag. Im Vergleich dazu lag der Pro-Kopf-Konsum im Jahr 1952 bei lediglich 650 Gramm jährlich. Mit über zwei Millionen Tonnen Kaffeebohnen pro Jahr führt Brasilien die Liste der größten Kaffeeproduzenten an, gefolgt von Vietnam und Kolumbien.

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Koffein und Adenosin

Bleibt noch die Frage zu klären, warum wir vom Kaffeetrinken munter werden. Koffein regt das zentrale Nervensystem an und beschleunigt unseren Stoffwechsel. Dadurch hemmt es die Wirksamkeit von Adenosin, der Substanz, die für die Entspannung der Zelle verantwortlich ist. Die anregende Wirkung entfaltet sich 30 bis 45 Minuten nach dem Trinken und hält bis zu acht Stunden an. Mayr: „Espresso ist übrigens die gesündere Wahl, weil der Kaffee nur durchschnittlich 25 Sekunden Kontaktzeit hat. Filterkaffee hat hingegen eine längere Durchlaufzeit.“ Er enthält dadurch mehr Bitter- und Gerbstoffe, weshalb er weniger bekömmlich ist als ein Espresso.

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Kaffee ABC

Mokka: Schwarzer Kaffee
Brauner: Mokka mit Kaffeeobers serviert
Einspänner: Schwarzer Kaffee im Glas mit Schlagobershaube
Fiaker: Espresso mit Rum oder Cognac im Glas mit Schlagobershaube
Franziskaner: Melange mit Schlagobers
Kapuziner: großer Mocca mit einem Schuss Milch oder Schlagobers
Melange: Espresso und Milch zu gleichen Teilen mit viel Milchschaum serviert
Verlängerter: mit heißem Wasser verlängerter kleiner Schwarzer oder Brauner
Kaffee verkehrt: enthält mehr Milch als Kaffee und heißt deswegen „verkehrt“


Nähere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.kaffeeverband.at. Über Workshops und Ausbildungen informiert das Kaffee Kompetenz Zentrum unter www.kaffeekompetenzzentrum.at. Englischsprachige Literatur über Kaffee und wissenschaftliche Ergebnisse über dessen Wirkung findet man unter www.cosic.org.


Mag. Birgit Koxeder

Oktober 2007


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020