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'Megatrend Wellness'

Megatrend Wellness_MassageNur wer Wellness lebt ist wirklich "well": Wellness ist vor allem eines: ein Megamarkt. Wellness ist aber auch mehr als ein Geschäft. Wellness ist eine allgemein verständliche Metapher für eine neue Lebensqualität — und erlernbar.

Einen deutschen Begriff für Wellness gibt es nicht. Ist auch nicht notwendig. Wellness ist ohnehin in aller Munde und so gut wie eingedeutscht. Und das nun schon seit Jahrzehnten. Die Wellness- Idee hatte der amerikanische Arzt H. L. Dunn bereits im Jahre 1959. Er beschreibt einen speziellen Zustand von Wohlbefinden und Zufriedenheit. "Wellbeing", also Wohlbefinden und "Fitness" — aus diesen Wörtern setzt sich der Begriff Wellness zusammen. Dunn begreift den Menschen als eine Einheit aus Körper, Seele und Geist in Abhängigkeit von seiner Umwelt. In den 70er Jahren — als die Kosten im amerikanischen Gesundheitswesen explodierten — entwickelten die Wellness-Pioniere Donald B. Ardell und John Travis im Auftrag der Regierung neue ganzheitliche Gesundheitsmodelle, die auf Prävention und Eigenverantwortung des Menschen für seine Gesundheit aufbauten. Wellness war geboren. Die "neue Gesundheit" — das war den Ärzten klar — konnte sich aber nur breitenwirksam entfalten, wenn eine entscheidende Voraussetzung gegeben war: Gesundheit muss Spaß machen, sie muß erlebt und gelebt werden können. Nach Donald B. Ardells Verständnis besteht Wellness aus Selbstverantwortung, Ernährungsbewusstsein, körperlicher Fitness, Stressmanagement und Umweltsensibilität. Doch anfangs konnte sich Wellness noch nicht in diesem globalen Ausmaß durchsetzen. Zuerst kam die Fitness-Welle. Erst in den 80er Jahren wurde diese abgelöst bzw. erweitert.

Wellness heißt Loslassen

"Sich rundum wohl fühlen, aus sich selbst mehr machen", so bringt der Sportwissenschafter Mag. Gerald Gollnhuber Wellness auf einen Nenner. Gollnhuber hat Ende der 80er Jahre "Magic Wellness" nach Österreich gebracht. Begonnen mit einem Projekt in Gastein hat er dort den Wellness- Gedanken gelebt und weitergegeben. Wellness bedeutet für ihn vor allem eins: Eine Optimierung des Lebensstils und Loslassen! "Wer 60 Stunden in der Woche arbeitet oder sich dem Freizeitstress ergibt und nicht lernt, loszulassen, der wird krank", ist Gollnhuber überzeugt. Wer Wellness ernst nimmt, der verabschiedet sich von einem Leben in Hektik und Bewegungsarmut, von einem Leben voller Stress und schlechten Ernährungsgewohnheiten. Entscheidend ist die innere Einstellung, das "aufsich- selbst und seine Bedürfnisse hören". Jeder Einzelne hat es in der Hand, sich "well" zu fühlen. "Wichtig ist das Polaritätsprinzip. Ein Ausgleich zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem, ein gesundes Spannungsfeld zwischen dem Sympathikus, der für die Aktivität zuständig ist, und dem Parasympathikus, der für Ruhe und Entspannung verantwortlich ist." Nahezu unzählige Methoden und Trends sollen dazu verhelfen, diesen "Wellness-Zustand" zu erreichen.

Tourismus boomt

Frau in der Therme unter einem Wasserfall Der Tourismus hat auf den Wellness-Boom reagiert und ein Ende ist noch nicht abzusehen. So hat erst im Jänner der Zukunftsforscher Matthias Horx den Wellness- und Gesundheitsbereich als Schlüssel- und Wachstumsmarkt der Zukunft bezeichnet und sieht besonders für Österreich große Potenziale. Wellness-Hotels schießen zwar aus dem Boden, aber für den Laien sind die verschiedensten Angebote kaum mehr zu unterscheiden: Ob Yoga, Massagen, Bäder, Aromatherapie, autogenes Training, Ayurveda, Holistic Pulsing oder die LaStone-Therapie — der Boom ist ungebrochen, die Angebote sind größer und der Einfluss aus dem fernen Osten deutlicher denn je. Doch genau hier hakt der Sportwissenschafter Mag. Gerald Gollnhuber ein. Er sieht zwar auch den Boom weiter steigen, aber: "Fernöstliche Methoden verlangen ein intensives Arbeiten an sich selbst. Da wir Europäer aber meist zuwenig Zeit haben, um an uns selbst zu arbeiten, ist es besser, sich mit westlichen Methoden Entspannung zu holen". Atemtechniken oder progressive Muskelrelaxation seien nur zwei Beispiele. Eine Abkehr von Ayurveda und Co? "Nein, diese Methoden haben durchaus ihre Berechtigung, aber es dauert, bis sie auch wirklich Wirkung zeigen." Der Sportwissenschafter und Psychologe hält daher wenig von einem einwöchigen Wellness-Urlaub und für den Rest des Jahres "Gas geben". Wer sich aber z. B. mit Ayurveda auseinandersetzt und seine Lebenseinstellung ändert, dem kann es auch eine Verbesserung der Lebensqualität bringen." Auch für Prof. Dr. Michael Quittan, dem stellvertretenden Vorstand der Universitäts- Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation in Wien, ist klar: "Wer nicht auf den Einklang zwischen Körper, Geist und Seele achtet, wird früher oder später zum Patient. Wellness ist also nur dann erfolgreich, wenn man umdenkt. Und zwar 365 Tage im Jahr".


Die häufigsten Methoden und neuesten Trends:


  • Ayurveda (Wissen vom Leben):
    Alte, traditionelle indische Heilkunst. Im Sinne des Ayurveda bedeutet Gesundheit, dass sich die Körperfunktionen (Stoffwechsel, Verdauung, Gewebe und Ausscheidungen) im Gleichgewicht und Seele, Sinne und Geist im dauerhaften Zustand inneren Glücks befinden. Die Selbstregulierungskräfte des Körpers stehen im Mittelpunkt der Therapie. Zudem ist die innere Reinigung des Körpers wichtig in der ayurvedischen Heilkunde. Sie geschieht durch: Fasten, Ganzkörpermassagen mit verschiedenen Ölen, Wärmedampfbäder, Einläufe, das Auslösen von Niesen und Aderlass.
  • La Stone:
    Massageform, die 1993 von Mary Dolores Nelson entwickelt wurde. Grundlage der La Stone Therapie ist der Wechsel von kalt und warm. Schwarze Basaltsteine werden im Wasserbad auf 50°C erwärmt, Marmorsteine in Eis gekühlt. Die Steine dienen, in Kombination mit aromatischen Ölen, zur Massage. Holistic Pulsing : Körperorientierte, ganzheitliche Behandlungsform. Während einer Sitzung wird der ganze Körper in wiegender/pulsierender sanfter Bewegung gehalten, die zu einer tiefen Entspannung führt. In dieser Entspannung ist es dem Körper möglich, den Weg zur Lösung von teilweise tiefen Blockaden zu gehen und diese aufzulösen.
  • Yoga:
    Teil der traditionellen indischen Heilkunde (s.o. Ayurveda). Bestimmte Körperstellungen (Asanas), Atemübungen (Pranayamas) sowie Konzentrations- (Meditations-) und Entspannungsübungen verbessern das Körperbewusstsein und die Wahrnehmung innerer Prozesse. Muskelrelaxation nach Jacobson: Die vom amerikanischen Physiologen Edmund Jacobson Anfang der 20er Jahre entwickelte Methode geht davon aus, dass ein Mensch, der innerlich angespannt oder ängstlich ist, auch muskulär angespannt ist. Ziel: Spannungszustände in der Muskulatur zu lokalisieren und diese eigenständig durch bewusstes Entspannen zu beheben.
  • Autogenes Training:
    Ein wissenschaftlich fundiertes, psychotherapeutisches Verfahren. Es beruht auf der Erkenntnis, dass sich jeder Mensch durch Selbst-(auto)Suggestion in einen bestimmten Gefühlszustand versetzen kann.



Mag. Lisa Ahammer

April 2006


Foto: Tassilo Therme, Bad Hall, privat


Kommentar

Kommentarbild von Mag. Gerald Gollnhuber zum FG-Printartikel "Megatrend Wellness", Ausgabe 2/2003"Wellness bedeutet ein Gleichgewicht zwischen aktiver und passiver Entspannung, eine Optimierung des Lebensstils, ein ausgeglichenes Spannungsverhältnis zwischen aktiv sein und loslassen. Der Boom wird noch länger anhalten, jedoch sollten die Methoden in unser Leben integriert werden."

Mag. Gerald Gollnhuber
Sportwissenschafter, Bad Tatzmannsdorf

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020