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Frühstücksflocken: Viel Zucker, wenig Ballaststoffe

  Fruehstuecksflocken_Viel_Zucker__wenig_Ballaststoffe_G_E_112.jpgLaut Werbung sollen Cornflakes oder Müsli – jetzt auch Cerealien genannt – leicht und bekömmlich sein. Sie wären somit ein ideales Frühstück und ein idealer Start in den Tag. Doch die Werbung hält nicht immer was sie verspricht. Ein Test des Konsumentenschutz der Arbeiterkammer OÖ (AK) hat gezeigt, dass einige der Produkte zu viel Zucker oder Fett enthalten.

 

Für den AK-Test wurden 13 Frühstückscerealien, die im Einzelhandel unter anderem mit Begriffen wie Wellness, Fitness oder Vitality beworben werden, eingekauft. Die Produkte wurden anhand ihrer Nährwerte (Zucker-, Gesamtfett- und Ballaststoffgehalt) bewertet. Als Basis diente das Ampelsystem nach FSA für Lebensmittel, so die AK.

 

Die meisten Müsli und Flakes liegen im Mittelfeld

 

Mit einem Zuckergehalt von 12 bis 21 Gramm liegt der Großteil der Produkte im Mittel der Nährwertempfehlungen. Umgerechnet auf eine 45 Gramm Portion muss man also mit 1,4 bis 2,4 Stück Würfelzucker rechnen. Das entspricht bis zu 10,5 Prozent der empfohlenen Zuckerzufuhr einer erwachsenen Frau. Und auch beim Fettgehalt liegen die meisten Produkte (8 von 13) im Mittelfeld.

 

Schlanke Werbelinie mit viel Zucker

 

Die schlanke Körpersilhouette als Werbung für Produkte des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns aus der Schweiz kann vielleicht den Eindruck vermitteln, dass deren Fitness Flocken einer schlanken Figur förderlich sind. Beide Produkte sind aber mit einem Zuckergehalt von 23,6 und 30,2 Gramm je 100 Gramm (2,7 bis 3,4 Stück Würfelzucker je 45 Gramm Portion) eindeutig mit einem roten Ampelpunkt zu kennzeichnen, so die Tester. Die Werbung mit dem Zusatz von Vitamin und Mineralstoffen suggeriert den Konsumenten noch einen zusätzlichen gesundheitlichen Vorteil, der bei diesen Produkten eindeutig nicht gegeben ist.

 

Rote Fett-Ampel für Nuss Knusper Müsli

 

Das Nuss Knusper Müsli einer großen österreichischen Supermarktkette enthält aufgrund des hohen Nussgehaltes auch einen hohen Fettgehalt. Die Fettqualität ist durch reichlich ungesättigte, lebenswichtige Fettsäuren besonders hochwertig. Wer jedoch auf seine Linie achtet sollte die Portionsgröße lieber sparsam dosieren.

 

Ballaststoffe oft Mangelware

 

In der Werbung werden Frühstückscerealien häufig als gesunde Getreidekost mit einem hohen Vollkornanteil beworben. Dies suggeriert beim Verbraucher automatisch auch einen hohen Ballaststoffanteil. Von einem hohen Ballaststoffanteil spricht man, wenn mindestens 6 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm enthalten sind.

Der Ballaststoffanteil der Getreideflocken im Test liegt mit einer Ausnahme aber nur zwischen 3,9 und 5,7 Gramm. Wesentlich mehr Ballaststoffe (6,8 bis 12 Gramm je 100 Gramm) liefern hingegen die Müsli im Test.

 

AK fordert klare Kennzeichnung

 

  • Besonders gerne tricksen die Hersteller bei den Nährwertangaben auf der Produktvorderseite. Die Berechnungsmethoden für die empfohlene Tageszufuhr beruhen auf unterschiedlichen Modellen. Je nach Produkt wird mit unterschiedlichen Portionsgrößen von 30 bis 50 Gramm gerechnet. Weiters wird bei manchen eine 125 ml Portion Milch mitberücksichtigt bei anderen wiederum nicht.
  • Die Produkte auf einen Blick miteinander zu vergleichen ist also schwierig.
  • Eine klare und einheitliche Nährwertkennzeichnung nach dem Ampel-Prinzip auf der Produktvorderseite würde den Verbrauchern die Kaufentscheidung erleichtern.

 

Den gesamten Test können Sie auf der Seite der AK OÖ nachlesen.

 

Frühstückscerealien für Kinder – Zuckerbomben statt Hirnnahrung

 

Auch ein Test von Frühstücksflocken für Kinder – allerdings aus dem Vorjahr – stellt diesen kein gutes Zeugnis aus.

Das Ergebnis: Jedes zweite Produkt besteht zu mindestens 30 Prozent aus Zucker; der Höchstwert liegt sogar bei 45 Prozent. Produkte mit mehr als 30 Prozent Zucker sind Süßigkeiten und kein ausgewogenes Frühstück. Die Hersteller müssen sich hier ihrer Verantwortung bewusst werden und weniger Zucker zusetzen fordert die AK.

 

Frühstücksflocken werden als gesund angepriesen

 

Vor allem Kinder werden mit den Verpackungen und Geschmacksrichtungen angesprochen. Sie sollen damit einen perfekten Start in den Schultag haben. Viele Angebote versuchen, mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen zu punkten, dabei deckt eine Schale mit den Flocken vor allem eines: die Hälfte des Tagesbedarfs an Zucker.

 

Für den Test wurden 23 verschiedene Frühstückscerealien eingekauft und der Zuckergehalt ermittelt. Der Zuckeranteil pro Packung liegt zwischen 8 und 45 Prozent. Ein Schulkind unter zehn Jahren sollte pro Tag höchstens 27 Gramm zugesetzten Zucker essen. Umgerechnet auf die empfohlene Tageszufuhr eines Volksschulkindes entspricht eine 30-Gramm-Portion zwischen 9 und 50 Prozent des Bedarfs.

Am besten schnitt ein Produkt der amerikanischen Erfinder der Kornflakes ab: Eine Schüssel diese Produkts kam auf nur 9 Prozent der empfohlenen Tageszufuhr an Zucker.

 

Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe

 

In der Werbung werden diese Frühstückscerealien häufig als gesunde Getreidekost beworben. Meist enthalten sie aber kein Vollkorn und Ballaststoffe sind – wie bei den Produkten für Erwachsene – Mangelware, so die AK. 65 Prozent der getesteten Flocken für Kinder sind mit Vitaminen, manche auch mit Mineralstoffen angereichert.

 

Tipps:

  • Achten Sie beim Einkauf auf den Zuckergehalt der Frühstücks-Flocken. Bedenken Sie, dass sich vor allem Kinder schnell an süßes Essen gewöhnen.
  • Zusätze von Vitaminen und Mineralstoffen sind bei einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung grundsätzlich nicht notwendig. Allenfalls Folsäure kann bei Kindern sinnvoll sein.
  • Machen Sie für sich und Ihre Kinder lieber ein Frühstück mit Haferflocken und Obst, eventuell gemischt mit ein paar anderen Getreidesorten.

 

Mag. Christian Boukal

Februar 2014


Foto: BilderBox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020