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Intelligente Küche für Senioren

Älterer Mann und ältere Frau mit grauen Haaren und IpadErnährung für ältere Menschen ist zunehmend der Schlüssel zu einem gesunden, selbständigen, vitalen und langen Leben. Mit dem Projekt DIAFIT will die Fachhochschule Joanneum Graz (FH Joanneum) die Küche als „Gesundheitsstandort“ aus ihrem untergeordneten Rang hervorheben.


Das Projekt mit dem sperrigen Titel „Diätetischer Ernährungs-Assistent mit multimodaler Schnittstellen-Funktionalität und Intelligentem Küchen-Terminal“ wird abgekürzt – immerhin zugänglicher – „DIAFIT“ genannt und wird vom Studiengang „Gesundheitsinformatik / eHealth“ der FH Joanneum in Graz geleitet. Das Projekt widmet sich gesundheitsgerechter Ernährung im Alter mit Hilfe von „Ambient Assisted Living“ – zu Deutsch: Umgebungsunterstütztes Leben. Das ist ein Leben mit altersgerechten Assistenzsystemen für ein selbstbestimmtes Leben, sagt wikipedia.

Grafik DIAFIT

„Ambient Assisted Living“

Die Küche als Gesundheitsstandort nimmt bei bisherigen technischen Lösungen im Bereich „Ambient Assisted Living“ nur einen untergeordneten Rang ein, so die Projektbetreiber. Das Projekt DIAFIT bietet einen zentralen Beitrag für die „Intelligente Küche für SeniorInnen“ als Assistenzfunktion für eine gesundheitsfördernde Ernährung. Altersgerechte Ernährung umfasst die diätetische Berücksichtigung alterstypischer Krankheitsbilder, die Verhinderung von Mangelernährung oder Übergewicht und die Sicherung der Lebensqualität durch bleibende Vitalität. Erst eine kontinuierliche Überwachung der Ernährungsgewohnheiten kann das Aufdecken diätetischer Defizite ermöglichen und in der Folge zu Empfehlungen und Erinnerungsvorschlägen zur individuell geeigneten Speisenzusammenstellung führen. Das Projekt DIAFIT verfolgt das Ziel, Ernährung als kritischen Aspekt der Gesundheit beim Älterwerden technologisch zu unterstützen, erklärt Projektleiter Walter Scheitz von der FH Joanneum.

Ziele

Im Projekt steckt sich folgende Ziele:

  • Entwicklung eines Ernährungs-Assistenten zur Unterstützung einer altersgerechten Ernährung
  • Erstellung eines Küchen-Terminals als natürliche Schnittstelle für die Assistenz
  • Effizientes IT-gestütztes Diätmanagement
  • Usability gestütztes Design für reale Technologieakzeptanz

Intelligenter Küchenterminal für Senioren

Nach über zwei Jahren Entwicklungsarbeit im Projekt DIAFIT konnten die FH JOANNEUM und ihre externen Partner nun einen Prototyp für einen intelligenten Küchenterminal für Senioren vorstellen: Das digitale Assistenzsystem unterstützt ältere Menschen im Alltag bei einer individuell gesunden Ernährung und wurde unter Einbeziehung der Zielgruppe entwickelt.

Die individuell richtige Ernährung ist ein wichtiger Schlüssel für ein gesundes und beschwerdefreies Leben im Alter, so Projektleiter Scheitz. Alterstypischen Krankheitsbildern stehen Problembereiche wie Übergewicht oder Mangel- bzw. Fehlernährung gegenüber. Im Projekt DIAFIT erforschte ein interdisziplinäres Team, wie ältere Menschen durch eine digitale Ernährungsassistenz, die als intelligenter Terminal in der Küche integriert ist, in einer gesunden Lebensweise unterstützt werden können.


Assistenz-Prototyp realisiert

Unter Einbindung einer Testgruppe von Seniorinnen und Senioren im Alter zwischen 65 und 80 Jahren wurde der Küchenterminal nun als Prototyp realisiert. Das intelligente Assistenzsystem wird in seinen Einstellungen auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Benutzer abgestimmt. „Im Küchenterminal können die Ernährungsbedürfnisse und der Gesundheitszustand einer Person hinterlegt werden, beispielsweise ob jemand Diabetes-Typ-2 hat oder mit Altersübergewicht kämpft. Diesen Eingaben entsprechend gibt unser Prototyp individuelle Ernährungs-, aber auch Bewegungsempfehlungen“, hält Scheitz  vom Institut eHealth der FH fest. Als interne Partner in der FH Joanneum arbeiten am Projekt seit zwei Jahren die Institute Diätologie und Ergotherapie mit.

Kamera erkennt Lebensmittel

Frau schneidet Gemüse in der Küche

Bereits im Gerät vorhanden ist eine Datenbank mit rund 4.000 Lebensmitteln und deren Ernährungswerten. Gemeinsam mit den Daten über den Benutzer wird diese herangezogen, um spezielle Menüs vorzuschlagen. Eine eingebaute Kamera erkennt sogar die Lebensmittel, die eine Person kochen möchte; und ein Bewegungsmesser misst, wie viele Schritte die Person an einem Tag zurücklegt. Darauf wird wiederum der vorgeschlagene Kalorienbedarf abgestimmt, erklärte Scheitz gegenüber dem ORF Steiermark.

Die Nährwert-Datenbankeines externen Projektpartners steht bereits zur Verfügung.

Hoher Spaßfaktor beim Testkochen

Die Testreihe mit den Seniorinnen und Senioren ergab positive Ergebnisse, wie Scheitz erklärt: „Das Testkochen hat gezeigt, dass der Einsatz des Terminals zwar etwas gewöhnungsbedürftig ist, insgesamt für die Testpersonen aber einen hohen Spaßfaktor aufweist.“

Mobiler Ernährungsassistent

Der aktuelle Prototyp muss aber nicht das Ende sein: „Studien zeigen, dass Tablet-Computer bei älteren Menschen sehr beliebt sind“, so Scheitz gegenüber dem ORF Steiermark. Deshalb denkt man an der FH Joanneum auch daran, einen vergleichbaren Ernährungsassistenten auch für mobile Geräte zu entwickeln. Als Zukunftsvision schwebt den Forschern vor, das System per Handy oder Tablet etwa im Restaurant oder im Supermarkt verwendet zu können.


Mag. Christian Boukal

Mai 2014


Fotos: shutterstock; FH Joanneum

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020