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Nahrungsergänzungsmittel können Krebs verursachen

Tabletten liegen vor einem geöffneten GlasbehälterDas Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) warnt vor der Einnahme von Selen und Vitamin E: Eine aktuelle US-amerikanische Studie belegt ein erhöhtes Krebsrisiko bei unkontrollierter Einnahme dieser Stoffe als Nahrungsergänzungsmittel. Sie sollten ausschließlich auf ernährungsärztliche Empfehlung eingenommen werden.

 

Das US-amerikanische National Cancer Institute sorgte bereits vor sechs Jahren mit der Studie „Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trail“ (SELECT) für Aufsehen, so das ÖAIE. Die Studie wies nämlich nach, dass die Einnahme von Vitamin E das Krebsrisiko erhöht.

 

Frühere Ergebnisse bestätigt

 

Auch die Ergebnisse einer eben veröffentlichten Folgestudie sind nicht weniger alarmierend: Auch Selen kann in hohen Dosierungen zur Erkrankung an Prostata-Karzinomen führen, darüber hinaus existieren komplexe krebsfördernde Wechselwirkungen zwischen Vitamin E und Selen. „Die aktuelle Studie zeigt uns deutlich die Gefahren einer unkontrollierten Einnahme von Vitamin E und Selen. Beides ist in Nahrungsergänzungsmitteln, die in jedem Supermarkt gekauft werden können, enthalten, und kann im schlimmsten Fall zur Erkrankung an tödlichem Prostata-Krebs führen“, warnt Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE.

 

Nur ärztlich empfohlen einnehmen

 

Das ÖAIE rät – nicht zuletzt aufgrund dieser aktuellen Studienergebnisse – dringend dazu, Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamine und Mikronährstoffe enthalten, nur auf ärztliche Empfehlungen durch ausgebildete Ernährungsmedizinerinnen und Ernährungsmediziner einzunehmen. „Das Gebiet der klinischen Ernährungsmedizin ist heute durch die Anpreisungen von verschiedensten Nahrungsergänzungen und von besonderen Diätformen derart komplex geworden, dass nur wissenschaftlich ausgebildete Ernährungsmedizinerinnen und Ernährungsmediziner fachlich fundierte Verordnungen und Empfehlungen abgeben können“, sagt Widhalm. Zugleich warnt er: „Der Wildwuchs von unseriösen Empfehlungen durch selbsternannte und nicht mit wissenschaftlichen Methoden vertraute Beraterinnen und Berater kann unter Umständen sehr gefährlich sein und zu schwerwiegenden Erkrankungen führen.“

 

Studienabbruch wegen Selen und Vitamin E

 

Der Zusammenhang zwischen dem Versorgungszustand von Selen und Vitamin E und dem Risiko an einem Prostata-Karzinom zu erkranken, war und ist Gegenstand zahlreicher Studien weltweit. Die vom National Cancer Institut initiierte Vitamin E- und Selen-Studie (SELECT), die im Jahre 2001 gestartet wurde, zeigte allerdings, dass die Nahrungsergänzung mit Selen (200 mcg/d) und Vitamin E (400 IU/d) mit keinem Vorteil für die Studienteilnehmer verbunden war. Die Studie musste sogar vorzeitig nach drei Jahren abgebrochen werden, da in der Gruppe der Probanden, die Vitamin E alleine zu sich nahmen, sich das Risiko an einem Prostata-Karzinom zu erkranken deutlich erhöhte.

  

Deswegen führte das US-amerikanische Cancer Prevention Program am Cancer Research Center in Seattle eine weitere Studie durch. Es wurden die möglichen Effekte einer Ergänzung durch Vitamin E und Selen in Abhängigkeit von der basalen Selen-Plasma-Konzentration im Blut untersucht. Dabei wurden über 2.000 Männer mit Prostata-Karzinom und mehr als 3.000 Kontrollpersonen in die Untersuchung miteinbezogen. Die eben erschienene Auswertung der Studie zeigte, dass die Supplementierung mit Selen bei Männern mit niedrigem Selen Status keinen Vorteil erbrachte, bei Männern mit hohem Selen Status sogar das Risiko für höhergradige Prostata-Tumoren vergrößerte. Eine Vitamin E-Ergänzung erhöhte darüber hinaus das Risiko für die Entwicklung eines Prostata-Karzinoms für Männer mit niedrigem Selen Status. Die Autoren der Studie schließen daraus, dass Männer eine Nahrungsergänzung mit Selen und Vitamin E tunlichst vermeiden sollten.

 

Das Institut

 

Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) wurde 1996 auf Initiative des damaligen Präsidenten der Ärztekammer, Prim. Dr. Michael Neumann, gegründet, um Ärzte im Fach der Ernährungsmedizin fortzubilden. Das ÖAIE ist interdisziplinär ausgerichtet und vereint unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm Experten aus den Bereichen der Medizin, Psychologie, Ernährungswissenschaften, Diätologie, Sportwissenschaften und Nahrungsmittelproduktion. Als führende Fortbildungs- und Forschungs-Institution für Ernährungsmedizin in Österreich richtet es regelmäßig wissenschaftliche Veranstaltung aus und publiziert vierteljährlich das „Journal für Ernährungsmedizin“.

 

Mag. Christian Boukal

Mai 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020