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Oberösterreichische Ernährungsumfrage – Teil 2

Gemüse am FeldDie oberösterreichische Landesregierung – und zwar Umwelt- und Konsumentenschutz-Landesrat Rudi Anschober – hat am 2. Mai 2014 den zweiten Teil der repräsentativen Umfrage zu Ernährungsfragen präsentiert. Befragt wurden 700 repräsentative ausgewählte Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher.

Die Umfrage beschäftigt sich mit Lebensmittelkennzeichnung und –verschwendung und zeigt, dass die Landsleute engagierte Konsumenten sind, so Anschober. Die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher wollen vor allem Verbesserungen bei der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln sowie ein Verbot irreführender Produktnamen. Lebensmittelverschwendung wird als großes Problem gesehen, allerdings zeigen die Konsumenten bereits ein hohes Bewusstsein und großes Engagement, ihren Beitrag zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung zu leisten, so die Landesregierung.

Für den Landesrat bedeuten die Ergebnisse den Auftrag die Kennzeichnung der Lebensmittel zu verbessern und ihre Verschwendung innerhalb der nächsten fünf Jahre zu halbieren.

Lebensmittelkennzeichnung

Auf die Frage wie gut Lebensmittel in OÖ gekennzeichnet wären und wie groß das Vertrauen in Gütesiegel in OÖ ist zeigt sich, dass Frauen über 45 Jahren der Lebensmittelkennzeichnung mehr vertrauen als Männer dieser Altersgruppe. Bei Landsleuten unter 45 Jahren ist dieser Befund umgekehrt. Nur wenig Vertrauen in die Kennzeichnung haben zwischen 21 und 31 Prozent der Befragten.

Gütesiegel

Bei den Gütesiegeln wird dem staatlichen AMA-Gütesiegel am meisten vertraut (71 Prozent sehr bis ziemlich), gefolgt von der Bio-Marke einer großen deutschen Supermarktkette.

Frauen vertrauen Gütesiegeln mehr als Männer, hält der Bericht fest (62 gegenüber 54 Prozent). Insgesamt vertrauen knapp mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) der Gütesiegel-Kennzeichnung.

Über alle abgefragten Gütesiegel erkennbar: Die Gruppe der 30-44-Jährigen vertraut Gütesiegeln am meisten, sowohl bei Jüngeren als auch bei Älteren sinkt das Vertrauen und die Angabe „vertraue gar nicht“ nimmt deutlich zu. Ausnahmen sind das Gütesiegel „Fair Trade“, dem die Unter-30-Jährigen am stärksten vertrauen sowie das AMA-Gütesiegel, das über alle Altersgruppen sehr gute Vertrauens-Quoten zeigt, bei den unter 30-Jährigen die Nase vorn hat.

Nach Haushaltstyp zeigen die Befragungsergebnisse über das Vertrauen in Gütesiegel: Familien mit Kindern bis 15 Jahren vertrauen Gütesiegeln am allermeisten, während Alleinstehende und andere Haushaltstypen weniger vertrauen, so die Umfrage.

Verbesserungen

Für 24 Prozent der Befragten ist die Lebensmittelkennzeichnung ausreichen. Genauso viele Befragte wünschen sich eine bessere Herkunftsbezeichnung, zwölf Prozent wünschen sich eine genaue Angabe der Inhaltsstoffe. Interessant sind die Werte über Bio-Kennzeichnung, Nährwerttabellen und einfache Ampelkennung: Je sieben Prozent halten diese Kennzeichnungen für verbesserungswürdig. Nur um ein Prozent Zustimmung abgschlagen rangiert dahinter die Forderung nach einem Verbot von irreführenden Produktnamen (z.B. Tiroler Speck, der nicht aus Tirol stammt) und fairen Produktionsbedingungen.

Lebensmittelverschwendung

Jeder Haushalt in Oberösterreich wirft pro Jahr durchschnittlich Lebensmittel im Wert von 277 Euro weg, erklärt Anschober die letzte „Restmüllanalyse“. En massiver Unterschied besteht zwischen Stadt und Land: 423 Euro in der Stadt, 207 am Land.

Anschober wirbt für Unterstützung, sein Ziel, die Lebensmittelverschwendung in Oberösterreich bis 2020 zu halbieren. Eine dazu initiierte Aktion ist die Plattform gegen Multipacks, der sich der Einzelhandel anschließen kann, wenn er bewusst auf Multipacks („Nimm 3, zahl 2“) verzichtet – und damit zu weniger Lebensmittelmüll in den Haushalten beiträgt.

Nur insgesamt 40 Prozent der Befragten kaufen „manchmal mehr Lebensmittel als sie brauchen, wenn größere Packungen billiger sind“. Dieser Wert steigt bei Alleinstehenden auf 50 und sinkt bei Familien mit Kindern (bis 15 Jahren) auf 31 Prozent.

Hingegen erwarten sich insgesamt immerhin nur knapp 20 Prozent der Befragten, dass „Brot und Gebäck bis zum Ladenschluss in der vollen Produktpalette angeboten werden“. Und nur etwa 15 Prozent, wünschen sich, dass Obst und Gemüse „immer gleich aussieht“.

Für Landesrat Anschober bedeutet das: „Die oö. Konsumentinnen und Konsumenten sprechen sich hier ganz klar für eine optische Vielfalt ihrer Lebensmittel aus. Ihnen ist es egal, ob die Gurke krumm ist oder die Karotten zwei Beine haben – dies geht keinesfalls zu Lasten der Qualität dieser Produkte. Dies ist auch eine ganz klare Botschaft in Richtung der Lebensmittelkonzerne und der Gesetzgebung auf EU- und Bundesebene.“

Über 60 Prozent der Befragten kaufen „Lebensmittel, die kleine Fehler haben, z.B. Äpfel mit Flecken“ genauso gern. Und immerhin 72 Prozent werfen Lebensmittel, die sie zuviel gekauft haben, nicht in den Abfall – auch wenn hier Männer großzügiger entsorgen als Frauen. Etwas geringer fällt die Zustimmung auf die Frage aus, ob Lebensmittel, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben, gleich entsorgt werden: Etwa 56 Prozent stimmen dieser Aussage gar nicht zu. Dementsprechend überprüfen rund drei Viertel der Betroffenen jedes Lebensmittel, ob es noch gegessen oder verkochte werden kann, bevor sie es wegwerfen.

Besser Essen – Initiativen des oö. Umweltressorts

Im Schwerpunkt „Besser essen“ des Umweltressorts bündelt Landesrat Rudi Anschober eine Reihe von Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung und für die nötige Ernährungswende.


  • Umfassende Kontrollen, Informations- und Aufklärungsarbeit zur Herkunft von Lebensmitteln, zu ihren Bestandteilen, zu ihrer Güte – vereint mit Tipps, die den Konsument/innen Alternativen aufzeigen.
  • Die erfolgreiche Kochshow „Kochtopf statt Mistkübel“ zeigt, wie Gemüse aus guter B-Ware verkocht werden kann – und rettet damit Lebensmittel vor dem Müll.
  • Weitere Aktionen gegen Lebensmittelverschwendung werden mit diversen Partnern, durchgeführt, z.B. durch die Plattform gegen Multipacks („Kauf 3, zahl 2“) mit dem Handel oder durch kleine, aber exakte Planungsarbeiten und Kalkulationen in Großküchen, die so eine Menge an Lebensmittelmüll vermeiden können.
  • Jeder Einzelne kann mittels öffentlicher Tausch-Kühlschränke „Fairteiler“ z.B. an der Pädagogischen Hochschule OÖ gute, aber gerade nicht gebrauchte Lebensmittel zur Verwendung anbieten, gegen andere Produkte tauschen.
  • Die Initiative FleischFreiTag des oö. Umweltressorts motiviert dazu, sich an einem Tag pro Woche bewusst gegen Fleischkonsum zu stellen, stattdessen ein ebenso köstliches vegetarisches Gericht zu versuchen.
  • Auch das Selbstziehen von Gemüse und Obst wird unterstützt. Urban Gardening bringt durch Gemeinschaftsgärten (auch in der Stadt), mit einer essbaren Bepflanzung von öffentlichen Flächen, mit der Förderung von Schulgärten wieder mehr Natur und deren Abläufe in unsere Lebensgewohnheiten.

 

Mag. Christian Boukal

Mai 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020