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Instant-Fertiggerichte: Bequem und ungesund

Schüssel mit Nudelsuppe und LöffelEinfach ist es ja: Heißes Wasser mit einer Trockenmasse vermischen, ein paar Minuten warten und schon steht eine heiße Mahlzeit auf dem Tisch. Wie gesund solche Produkte sind, zeigt ein aktueller Test der Konsumentenschützer der Arbeiterkammer OÖ (AK).

 

Insgesamt wurden 15 im Einzelhandel erhältliche Instantfertiggerichten im Plastikbecher eingekauft und anhand ihrer Inhaltsstoffe beurteilt, so die AK. Bei Vorhandensein einer entsprechenden Nährwertkennzeichnung auf den Packungen, wurden die Produkte zusätzlich nach dem Ampelsystem der britischen Lebensmittelbehörde Food Standards Agency (FSA) bewertet.

 

Geschmack meist aus dem Labor

 

Als grobe Faustregel gilt: Je stärker verarbeitet das Lebensmittel wurde, desto mehr Zusatz- und Aromastoffe enthält es. Mit heißem Wasser aufgießen, umrühren, und schon ist das Essen fertig: Das kann nur funktionieren, wenn Food-Designer, Chemiker und Lebensmitteltechnologen durch diverse Lebensmittelzusatzstoffe für den Eindruck einer echten Mahlzeit sorgen. So fanden die Konsumentenschützer laut Zutatenliste in 13 von 15 getesteten Instantprodukten Säuerungsmittel, Stabilisatoren, Verdickungsmittel oder Emulgatoren, die helfen, Wasser und Öl zu verbinden. Geschmacksverstärker fanden sich in acht Produkten und sieben Produkte halfen mit Hefeextrakt beim Geschmack nach. Auch Zutaten auf Sojasaucenbasis waren in neun Instantgerichten als geschmacksverstärkende Beimischung enthalten. Ebenso fanden sich im Großteil der Produkte natürliche oder auch künstliche Aromastoffe, erklärt die AK.

 

Phosphat in Zusatzstoffen erhöht Blutdruck

 

Phosphor ist ein wichtiger Mineralstoff, der über die Nahrung als Phosphat aufgenommen wird. Natürliches Phosphat wird etwa mit Fleisch und Milchprodukten beziehungsweise mit Nüssen und Hülsenfrüchten aufgenommen. Wird überschüssiges Phosphat aufgenommen, wird das Zuviel nach dem Verzehr wieder ausgeschieden.

Phosphatzusatzstoffe, die als Emulgatoren, Geschmacksverstärker oder Konservierungsmittel eingesetzt werden (E339, E340, E241, E450, E451, E452) sind im Gegensatz zu natürlichem Phosphat frei löslich und werden vom Körper fast vollständig aufgenommen. Durch den starken Anstieg des Konsums von Fertiggerichten werden viel mehr Phosphate als früher aufgenommen. Phosphatreiches Essen kann den Blutdruck erhöhen und Gefäßverkalkungen verursachen. Die empfohlene Tagesdosis Phosphor liegt bei 700 Milligramm. Eine Tiefkühlpizza kann mehr als das dreifache dieser empfohlenen Tagesdosis enthalten.

 

Hersteller sparen häufig bei der Fettqualität

 

Für die Konsumenten ist ein Vergleich der verschiedenen Lebensmittel und deren Auswahl nach individuellen Bedürfnissen derzeit schwierig, da die verpflichtende Angabe von Nährwerten bei verpackten Lebensmitteln erst ab 2016 in Kraft tritt. So enthielten beispielsweise vier der 15 Fertiggerichte im Test (27%) keine ausreichend informativen Nährwertangaben und konnten von den Testern nicht nach dem Ampelsystem bewertet werden.

 

Nur drei Proben im grünen Bereich

 

Die Bewertung der restlichen elf Instantprodukte zeigte besonders beim Fettgehalt große Unterschiede. Vielfach verwenden die Hersteller gesättigte Fette, die vergleichsweise ungesund sind. Laut Ampelsystem wären fünf der getesteten Produkte mit einem gelben und drei sogar mit einem roten Ampelpunkt zu versehen. Lediglich drei Proben lagen im grünen Bereich.

Gesättigte Fette stehen im Verdacht, in größeren Mengen das Krebsrisiko zu erhöhen sowie Herzattacken und Schlaganfälle zu begünstigen. Die gesunden ungesättigten Fette, wie sie in Raps- und Walnussöl vorkommen und auch im Fisch reichlich vorhanden sind, werden dagegen selten in Fertiggerichten verarbeitet. Sie werden beim Erhitzen zerstört und eigenen sich daher nicht für die stark verarbeiteten Mahlzeiten. Darüber hinaus werden sie schneller schlecht und sind teurer, warum die Hersteller gerne darauf verzichten.

 

Zu viel Salz zugesetzt

 

Fertiggerichte sind mit zu viel Salz auf standardisierten Geschmack getrimmt. Kritik vom Konsumentenschutz ernteten die getesteten Fertiggerichte auch für zu viel Salz. Von allen Ernährungsfaktoren steht die Kochsalz- bzw. Natriumzufuhr seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der Diskussion um Bluthochdruck. Hoher Blutdruck kann zu Gefäßschäden und Erkrankungen am Herzen und folglich zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Sechs Gramm Salz (ca. 1 Teelöffel) pro Tag werden von den Ernährungsfachgesellschaften empfohlen. Keines der bewerteten Fertiggerichte hatte einen empfehlenswerten Salzgehalt. Der Großteil der Produkte war mit 0,7-1,2 Gramm Salz je 100 Gramm im mittleren Bereich anzusiedeln. Drei Produkte wurden mit einem roten Punkt bewertet, da hier eine Portion beinahe die gesamte Tagesdosis an Salz abdecken würde, hält die AK fest.

 

Geworben wird mit Selbstverständlichkeiten

 

Vertraut man der Werbung auf den Produkten, müssten ein Drittel der getesteten Fertiggerichte regelrechte Naturprodukte sein. „Clean Labeling“ nennt sich dieser neue Trend in der Ernährungsindustrie. Das bedeutet, dass bei einem Produkt gezielt mit den Worten „Laut Gesetz ohne...“ oder „ohne ...“ bzw. „ohne Zusatz von ...“ auf den Verzicht von Zusatzstoffen und Zusatzstoffklassen hingewiesen wird. Besonders irreführend für die Konsumenten ist, dass mit Selbstverständlichkeiten geworben wird. Der Hinweis etwa „lt. Gesetz ohne Konservierungsstoffe“ bedeutet, dass sich der Hersteller an geltendes Recht hält – was hoffentlich ja selbstverständlich ist – meint die AK. Für die Käufer kann allerdings der Eindruck entstehen, dass dies ein besonderer Vorteil des Produktes wäre.

 

Deklarationspflicht von E-Nummern wird häufig umgangen

 

Häufig die Hersteller auch die Deklarationspflicht für die bei den Konsumenten wenig beliebten E-Nummern, ohne jedoch unbedingt auf den Wirkstoff zu verzichten. So wird beispielsweise Natriumglutamat (E- Nummern der 600er Reihe) durch Hefeextrakt ersetzt. Hefeextrakt enthält von Natur aus viel Natriumglutamat gilt aber rein rechtlich nicht als Geschmacksverstärker. Besonders dreist ist die Werbung mit Starköchen, die mit ihrem Namen und einem Qualitätsgebot für sogenannte Gourmetsuppen werben, die ebenso wie die herkömmlichen Produkte im Test zugesetzte Aromen und als Hefeextrakt getarnten Geschmacksverstärker enthalten, erklären die Konsumentenschützer der AK.

 

Die Liste der „Zusatzstoffe in Fertiggerichten“ und „ Ampelkennzeichnung der Fertiggerichte “ finden Sie als Download auf der Seite der AK OÖ.

 

Mag. Christian Boukal

Mai 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020