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Gesund und günstig essen

KartoffelnMenschen mit geringem Einkommen ernähren sich oft weniger gesund als Menschen mit hohem Einkommen. Laut Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ) essen sie mehr Fett, Zucker, Weißbrot, Fleisch und Wurst und konsumieren drei bis viermal mehr Softdrinks und Fast Food. Menschen der höheren Einkommensschichten dagegen konsumieren mehr Obst, Fisch und Milchprodukte.

 

Diese Tatsache könnte die Vermutung aufkommen lassen, dass gesunde Ernährung teuer sei. Fachleute widersprechen dieser These. „Gesund und dennoch günstig essen ist möglich“, sagt Mag. Hanna-Sophie Reynvaan, Ernährungswissenschafterin aus Bad Ischl. „Nährstoffreiche Lebensmittel sind durchaus leistbar. Wer sich an den Empfehlungen der Ernährungswissenschaft orientiert, hat am Ende des Monats mehr am Konto als der Süßigkeiten- und Fleischtiger“, betont man auch beim VEÖ. Der Verband stützt sich dabei auf eine deutsche Studie aus dem Jahr 2008, wonach es nicht nur am Geld liege, dass viele Konsumenten gesunder Ernährung die kalte Schulter zeigten.

„Untersuchungen zeigen, dass Berufsschulabsolventen viel weniger gesundheitsbewusst handeln als Akademiker. Sie machen sich auch seltener Gedanken über gesunde Ernährung. Darum wundert es nicht, dass sich die soziale Trennlinie zu einkommensstarken Schichten weniger in Unterernährung manifestiert als in Fettleibigkeit bei gleichzeitiger Mangelernährung: Menschen aus sozial schwachen Schichten gehen in die Breite und haben gleichzeitig die größten Defizite bei Vitaminen und Mineralstoffen“, so der VEÖ.

Im bewussten Umgang mit dem Thema Ernährung sieht auch Ernährungsberaterin Reynvaan den Schlüssel zum günstigen und dennoch gesunden Essen. „Jeder Verbraucher muss sich mit dem Thema Ernährung ausgiebig beschäftigen. Er sollte sich Gedanken machen, was er isst und wie oft er einkauft. Grundkenntnisse über Lebensmittel und des Kochens sind für eine gesunde und gleichzeitig günstige Ernährung unbedingt nötig. Viele Menschen können aber überhaupt nicht mehr kochen. Sie kaufen wahllos ein, was sie in den Regalen finden. Leider wird in den Schulen kaum über Ernährung und Nahrungszubereitung gelehrt. Über die Volkskrankheit Übergewicht und deren Folgekosten wird gejammert. Mit der breiten präventiven Vermittlung dieses Wissens und einem praktischen Training – Learning by doing – könnte man dem Übel begegnen“, so die Ernährungsberaterin.

Um sich gesund zu ernähren, sind laut VEÖ keine teuren Lebensmittel nötig. Zwischen elitärer Lebensmittelwahl und billigem Junkfood sei noch ausreichend Platz für eine vielseitige, nährstoffreiche und dennoch preisbewusste Lebensmittelwahl.

 

Spar-Tipps

  • Gut planen. Eine gute Hausaltsplanung hilft sparen. „Die Haushalte sollten einen Speiseplan für die ganze Woche und eine dazu passende Einkaufsliste erstellen. Spontaneinkäufe fallen dadurch weg“, empfiehlt die Expertin. Dadurch reduziert sich die Gefahr, Dinge zu kaufen, die nicht gebraucht werden.
  • Bewusst einkaufen: Nicht einfach nach Gusto in die Regale greifen. „Wenn ich mir ansehe, welche Produkte die Kunden im Supermarkt in ihre Einkaufswägen legen, sind diese keine Spur gesund: Softdrinks, Chips, fett- und zuckerhaltige Waren ohne Ende. Die Menschen glauben, dass sie all das brauchen, was die Industrie herstellt. Wir können gesund und günstig leben, wenn wir all das Überflüssige weglassen“, so die Ernährungsberaterin.
  • Nach dem Essen einkaufen gehen. Ein leerer Magen verleitet zum Einkauf überflüssiger Waren. Wer hungrig einkauft, wird zum sofortigen Verzehr oft nährstoffarmer und kalorienreicher Snacks und Süßigkeiten verleitet.
  • Saisonal und regional kaufen. Heimisches Obst und Gemüse der Saison ist meist günstiger als weit gereistes. „Ideal ist es, unverarbeitete Lebensmittel zu kaufen. Am besten frisch und unverpackt. Unverpackt kann auch wesentlich billiger sein als verpackt. Im Winter kann Tiefkühlgemüse eine gute Alternative sein. Erwerbstätige kommen damit zu einer schnellen und guten Mahlzeit. Aber möglichst keine Fertigprodukte kaufen, sie enthalten oft zu viel Fett, Zucker und Salz“, rät Reynvaan.
  • Vermehrt mit Grundnahrungsmittel kochen. Etwa mit Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören ebenfalls Milch und Milchprodukte und in geringen Mengen Fleisch und Fleischprodukte, sowie Fisch, Eier, Fette und Öle.

Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Erbsen) sind kostengünstig und reich an Nährstoffen. „Mit dieser Grundausstattung an Lebensmitteln kann man super günstig kochen. Grundnahrungsmittel sollten zuhause stets vorrätig sein. Denn wer Kartoffeln, Nudeln, Reis, Mehl und Öl jederzeit griffbereit hat, braucht nicht jeden Tag in den Supermarkt gehen. Das erspart einem viel Geld und Zeit“, empfiehlt Reynvaan.

  • Übrig gebliebenes Essen nicht wegschmeißen. Reste nicht wegwerfen, sondern diese für eine schnelle Mahlzeit an einem anderen Tag einfrieren oder am nächsten Tag als Zutat für eine andere Mahlzeit verwenden.
  • Wasser trinken. Aus der Leitung oder der Mineralflasche. Beides ist gesund und günstig. „Saft ist oft nichts anderes als teures Wasser, versetzt mit viel Zucker.“
  • Selber kochen: Anstatt vorwiegend Fertigprodukte zu konsumieren, plädiert Reynvaan dafür, sich wieder mehr an den eigenen Herd zu stellen, zu experimentieren und den Spaß am Kochen zu entdecken. „Wer selbst kocht weiß, was er wirklich isst und vermeidet die bei der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln verwendeten Zusatzstoffe.“
  • Günstig einkaufen
    • Preise vergleichen lohnt sich. Eigenmarken in Supermärkten sind oft billiger als Konkurrenzprodukte.
    • Bio muss nicht teuer sein. Viele Supermarktketten haben ihre eigenen Biolinien, hier kann der Kunde gute Qualität auch günstig bekommen.
    • Sonderangebote und Mengenrabatte nützen, falls diese Menge auch benötigt wird oder wenn die Möglichkeit der Lagerung besteht.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2010

 

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020