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Ragweed: Allergieauslöser bekämpfen

Beifußblättriges Taubenkraut oder auch Ragweed genannte PflanzeMit der Blüte des Krautes Ragweed nähert sich das Ende der Pollensaison. Ihre Pollen sind aggressiv, schon der Hautkontakt mit dem Blütenstand kann Allergien auslösen. Das Ausreißen der Pflanze trägt dazu bei, ihre Ausbreitung einzudämmen.

 

Ragweed, auch bekannt unter Ambrosia artemisiifolia oder Beifußblättriges Traubenkraut, zählt zur Familie der Korbblütengewächse. Die Pflanze stammt aus Amerika und wurde vor etwa 150 Jahren nach Europa eingeschleppt. Sie keimt ab Mitte April und wächst zu einer stark verzweigten Pflanze mit bis zu 1,5 Meter Wuchshöhe heran.

Saison dauert länger, belastet aber weniger

 

Die Blühzeit beginnt Ende Juli und endet im September. Mitte August wird mit den stärksten Belastungen gerechnet. Die Blühbereitschaft und -intensität hängt von Temperatur, Menge des Lichteinfalles und Regenmenge ab. Ragweed braucht viel Wasser, um sich auszubreiten. Ragweed-Samen können jahrelang im Boden überdauern, bei günstigen Bedingungen (Wärme, genug Regen) keimen bis zu 95 Prozent davon.

„In den letzen vier Jahren waren Ragweedpollen früher in der Luft als die Jahre davor. Gleichzeitig ist die Intensität der Belastungen, die 2009 am stärksten waren, gesunken, weil an weniger Tagen große Pollenmengen in der Luft waren“, erklärt Uwe E. Berger, MBA, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes sowie der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der HNO-Klinik der Medizinischen Universität Wien.

 

Beschwerden

 

Ragweed besitzt eine hohe allergische Potenz, es reichen wenige Pollenkörner pro m³ Luft aus, um allergische Probleme, den so genannten „Herbstheuschnupfen“ zu verursachen. Der Blütenstaub des Krauts ist ein besonders aggressiver Allergie-Auslöser. Mögliche Symptome sind Jucken in Augen und Rachen, laufende oder verstopfte Nase, Niesreiz, Bindehautentzündungen, Bronchitis mit Husten, Atemnot und allergisches Asthma. Ragweed-Allergiker reagieren schneller in der Lunge als andere Allergiker. Häufig verwechseln Betroffene die Symptome mit einer anhaltenden Erkältung. Treten solche Symptome in der Zeit von Ende Juli bis September/Oktober auf, sollte man die Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Anders als andere Allergieauslöser (z.B. Birke, Gräser) kann bereits der Hautkontakt mit dem Blütenstand der Ragweed-Pflanze Allergien auslösen (und nicht erst das Einatmen). Kreuzreaktionen mit Beifuß, Goldrute, Sonnenblume, Kamille, Arnika und anderen Korbblütern sind ebenso möglich wie mit Melonen, Bananen, Pfirsichen, Nektarinen, Äpfel, Gurken und Zucchini. Auch Tiere wie z.B. Hunde, Katzen und Pferde können allergisch reagieren, diese reagieren vorwiegend über die Haut (Jucken).

 

Ganzes Bundesgebiet betroffen

 

Ragweed, das anfangs vor allem in Ostösterreich ihr Verbreitungsgebiet gefunden und sich in den Süden ausgebreitet hat, ist mittlerweile in fast ganz Österreich zu finden. Ihr Schwerpunkt liegt zwar weiterhin im Burgenland, in Niederösterreich, im Wiener Raum, in Kärnten und der Steiermark, doch hat sich die Pflanze – in geringeren Beständen – auch in den Westen und Norden des Landes verbreitet. Oberösterreich und Vorarlberg sind bisher noch weitgehend verschont geblieben, doch auch hier gibt es bereits punktuell Stellen, wo sich die Pflanze findet.

 

Hot spots

 

Hat sich Ragweed in einer Gegend erst einmal etabliert, breitet es sich rasch aus. Das Kraut wächst vor allem auf unbewirtschafteten Flächen, etwa an Straßenrändern, Bahndämmen und Buastellen, aber auch an Feld- und Wegrändern und entlang von Flüssen. Auch an Plätzen, an denen Vögel im Winter gefüttert werden, findet man diese Pflanze, da Ragweed-Samen häufig in schlecht gereinigtem Vogelfutter (zum Beispiel aus Ungarn, Serbien oder Kroatien) zu finden sind. „Man sollte daher kein billiges Vogelfutter kaufen“, rät Berger.

In Gärten dagegen kommt Ragweed kaum vor, da ein Rasen die Pflanze verdrängt. Bisher nahm man an, dass sich das Unkraut nur bis in eine Höhenlage von 500 Metern findet, doch wurde Ragweed nun sogar in höheren Lagen bis zu 1.000 Meter Seehöhe gesichtet.

„Hot spots“ sind die Straßenränder der Hauptverkehrsrouten, also auch der Autobahnen. Die Verbreitung geschieht häufig durch Fahrzeugen, die die Pollen oft über viele Kilometer weitertransportieren. In Kärnten sind zum Beispiel die Gebiete entlang der Autobahn nach Slowenien betroffen.

 

Vermeidung

 

Wer auf diese Pollen allergisch reagiert, sollte sich ihnen (wenn möglich) nicht aussetzen. „Auf www.pollenwarndienst.at werden die aktuellen Belastungen angezeigt. Man erfährt hier, zu welchen Stunden an welchem Orten hohe Belastungen auftreten und kann dieses Wissen dazu nützen, in den stark belasteten Zeiten dort eben nicht ins Freie zu gehen. Man kann also seine Freizeitaktivitäten im Freien vorausschauend planen. Konstante Überwachung der Entwicklung der Pollensaison macht sich für Pollenallergiker bezahlt“, sagt Berger.

In der Regel pollenfrei ist es in den Bergen (zumindest über 1.000 Meter) und an den Meeresküsten. Pollenfilter im Auto sind wichtig, da sie Unfälle vermeiden können (Pollen können Niesanfälle auslösen). Zusätzlich müssen die Autofenster natürlich geschlossen bleiben.

 

Medikamente

 

Die Diagnose einer Allergie erfolgt durch Beobachtung der typischen Beschwerden. Ein Bluttest auf Ragweed bestätigt den Verdacht oder verwirft ihn. Wer in stark belasteten Gebieten lebt und in der Zeit von Ende Juli bis Ende September/Anfang Oktober allergisch reagiert, sollte sich mit einem Arzt besprechen und eventuell Medikamente vorrätig halten. Da sich Ragweed verstärkt auf die Lunge schlägt, sollte man als Betroffener in den Belastungszeiten auch einen Asthmaspray mit sich führen.

Wie bei allen Allergie auslösenden Pollen ist das Grundprinzip für Allergiker die Vermeidung. Die spezifische medizinische Therapie ist die Impfung (Hyposensibilisierung). Dadurch soll ein chronischer Verlauf der Allergie verhindert werden. Gegen die Beschwerden können, wie bei anderen Pollenallergien, Antiallergika mittels Nasenspray und Augentropfen verwendet werden.

 

Ausbreitung verhindern

 

Das Ausreißen der Pflanze (mit der Wurzel) hilft ihre Ausbreitung einzudämmen. „Wir hoffen auf die Mithilfe der Bevölkerung. Sie soll den Gemeinden melden, wo Ragweed auftritt. Nichtallergiker sollen das Unkraut ausreißen, und es in einem Plastiksack im Hausmüll entsorgen“, empfiehlt Berger. Keinesfalls sollte es auf dem Kompost landen, sonst wächst es weiter und breitet sich aus. Achtung: Ragweed sollte man nie mit bloßen Händen angreifen, da bereits der Hautkontakt Beschwerden auslösen kann, daher unbedingt Handschuhe tragen.

„Ganz wichtig ist es, dass die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung ebenso wie die Bevölkerung entschlossen gegen Ragweed vorgehen. Wie zum Beispiel in Niederösterreich und im Burgenland. Dort wurden die Landesregierungen aktiv, die Straßenmeistereien haben das Unkraut bekämpft, es also entfernt, wo das möglich war. Es zeigt sich, dass diese Maßnahmen greifen. Die Pollen in der Luft stagnieren oder wurden sogar weniger“, sagt Berger. Man dürfe jedoch keineswegs nachlässig werden, ansonsten würden auch in Österreich massive Pollenbelastungen und Beschwerden drohen wie etwa in Serbien. „Noch haben wir es in der Hand, zu handeln und können die Gefahr abwehren. Wir müssen aber noch mehr tun als bisher“, fordert Berger.

 

www.pollenwarndienst.at

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 12. März 2015