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Sport für Senioren: Mit 93 ins Fitness-Studio

Alter Mann am Laufband im Fitnessstudio Auch sehr betagte Senioren sind im Linzer health-Center willkommen.

Mein Ziel ist es, wieder ohne Stock gehen zu können", sagt Angelika Hagen aus Linz. Deshalb kommt die 64-jährige Pensionistin ins Fitness-Studio des Elisabethinen-Krankenhauses in Linz. Das "health – medizinisches Training" hat aber nicht nur Angebote für ältere Menschen, sondern ist auch auf wirklich alte Senioren spezialisiert. Ein Beispiel: Der 93-jährige Josef Mayr aus Linz kommt schon seit vier Jahren zum Training. Zweimal pro Woche spult er sein Programm herunter. "Ich habe insgesamt schon 817 Kilometer zurückgelegt und 102.000 Kilo gestemmt", sagt der rüstige Pensionist. Er ist so fit, dass er sich sogar ehrenamtlich um andere Senioren kümmert, denen es nicht so gut geht wie ihm. „Das hält mich jung“: Der 93-jährige Linzer Josef Mayr kommt zweimal pro Woche zum Training. (Bild: health) 


Freude an der Bewegung

"Es tut der Seele gut. Ich brauche das, und es macht mir Freude", verrät die 89-jährige Friederike Huemer, warum sie ins Fitness-Studio kommt. Besonders schätzt sie, dass sie nicht nur von den sieben Trainern gut betreut wird, sondern dass auch ein Arzt sich um ihr Wohl kümmert. Denn der Primar für physikalische Medizin bei den Elisabethinen untersucht jedes neue Mitglied und stellt dann einen individuellen Trainingsplan zusammen. Nach Vereinbarung sind auch weitere Arzttermine möglich. "Bei uns trainiert niemand, der damit überfordert ist. Wir haben auch schon Leute abgewiesen, manchmal ist vorher eine Reha sinnvoller", sagt Ulrike Neuner, Leiterin des Studios.


Training gibt Sicherheit

Das Konzept sieht vor, dass neben ganz gesunden Mitgliedern auch Patienten nach Krankheiten oder Unfällen im "health" gut aufgehoben sind. So wie Gottfried Stein: Er kam nach schwerer Krankheit zum Training. "Ein normales Fitness-Studio eignet sich für mich einfach nicht", sagt der 70-Jährige, der sich über seine sportlichen Erfolge freut. "Mir gibt das Training Sicherheit", sagt die 68-jährige Elfriede Schöller. Sie ist froh, dass die ausgebildeten Trainer – oft Sportwissenschafter – sie genau angeleitet haben. Auch das Messen des Blutdrucks während des Trainings kann Schwachpunkte entlarven.


"Eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung des Trainingsplans alle drei Monate ist bei uns normal", sagt Neuner. Denn es gelingt den Senioren nicht nur, ihre Leistung zu stabilisieren, sondern oft sogar deutlich zu steigern. Es gibt extra Geräte, die auch für sehr untrainierte Mitglieder geeignet sind. "Die gerade am Anfang sinnvoll sein können", so die Sportwissenschafterin. Im Angebot sind sowohl Kraft- als auch Ausdauertraining.


Als Gedächtnisstütze dient nicht nur ein ausgedruckter Plan, auf dem die Übungen abgebildet sind; ein elektronischer Schlüssel hat alle Daten gespeichert, zeigt bei Geräten die Einstellungsoptionen an oder stellt diese sogar selbst ein.


Für das moderate und regelmäßige Training im Alter gibt es viele gute Argumente. Neuner zählt die wichtigsten davon auf:


  • Es gibt kein Medikament, das so umfassend positiv wirkt, wie Bewegung.
  • Mäßig dosierte, körperliche Aktivität beugt unter anderem Demenz, hohem Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Tumoren, Zuckerkrankheit, Osteoporose und Muskelschwund vor.
  • Wer körperlich aktiv ist, lebt länger.
  • Wer sich bewegt, kann länger ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen, wird deshalb auch weniger schnell zum Pflegefall. 


Ein besonderes Service ist im Fitness-Studio der Elisabethinen die persönliche Assistenz. Um elf Euro pro Stunde begleitet einer der Trainer das Mitglied und unterstützt es aktiv bei den Übungen. Das ist ein Service, das übrigens nicht nur eingeschränkte Senioren, sondern auch Menschen mit Behinderung schätzen. "Es kommen zum Beispiel auch Rollstuhlfahrer zu uns", sagt Neuner.


Mehr Informationen unter www.health-mt.at


Training für Senioren:

Um die Gesundheit zu fördern, empfiehlt Primar Winfried Habelsberger folgendes Training für gesunde Erwachsene ab 65 Jahren ohne spezifische gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie z.B. Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Erkrankungen des Bewegungsapparates:


  • 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität oder
  • 75 Minuten Bewegung mit höherer Intensität oder
  • eine Kombination aus mittlerer und höherer Intensität 


Mittlere Intensität bedeutet, dass während der Bewegung gerade noch gesprochen werden kann. Höhere Intensität: dass nur noch kurze Wortwechsel möglich sind. Aktivitäten auf möglichst viele Tage verteilen, jede Einheit sollte mindestens zehn Minuten durchgehend dauern. Zum Beispiel flottes Gehen oder Wandern, Joggen, Nordic Walking oder Radfahren.


Aktion für Senioren:

Wer bis Ende August beim Fitness-Studio „health – medizinisches training“ des Elisabethinen-Krankenhauses Linz eine Jahresmitgliedschaft abschließt, bekommt als Pensionist für die ersten drei Monate eine Ermäßigung: Je älter der Betroffene ist, umso mehr wird reduziert.


Die monatliche Gebühr beträgt bei einem Jahresvertrag 93 Euro, Pensionisten zahlen 83 Euro. Diese Summe beinhaltet einen ärztlichen Check, einen medizinischen Trainingsplan, der alle drei Monate angepasst wird, sowie eine persönliche Betreuung während der ersten zwei Besuche. Persönliche Assistenz kostet elf Euro pro Stunde.



OÖN ZeitungsrolleGesundheitsmagazin der OÖNachrichten
Dietlind Hebestreit
9. Juli 2014



Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020