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Grillen: Nicht auf Bierdosen

Grillhuhn auf einer Bierdose am GrillerBeim „Bierdosen-Huhn“ wird ein Henderl auf eine Bierdose gesteckt und über der offenen Grillkohle gegart. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) warnt, dass bei dieser Methode gesundheitsschädliche Stoffe entstehen können. 


Zurzeit häufen sich Kochrezepte, die das Grillen eines Huhns auf einer Bierdose beschreiben. Beruft sich die AGES auf das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Bei dieser Zubereitung werden besonders die Einfachheit und der Übergang von Bieraromen in das Hühnerfleisch gelobt. Aus fachlicher Sicht wird von dieser Zubereitungsart allerdings dringend abgeraten, so die AGES. 


Das tatsächliche Gefahrenpotenzial ist derzeit schwer abschätzbar. Dennoch ist aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist von dieser Art der Zubereitung abzuraten. Denn das Institut geht davon aus, dass die Hitze beim Grillen und Braten gesundheitsschädliche Substanzen aus der bedruckten Außenseite und der beschichteten Innenseite der Bierdose löst, die in das Hühnerfleisch übergehen. 


Hühnerfett 

Beim Braten und Grillen von Hühnern kommt zudem bei hohen Temperaturen das Fett aus dem Huhn in direkten Kontakt mit der bedruckten Außenseite der Dosen. Dies schafft Bedingungen, die grundsätzlich Stoffübergänge aus Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, begünstigen. Bei hohen Temperaturen können auch die Bildung und der Übergang von Zersetzungsprodukten aus den Bestandteilen der Druckfarben und der Lackbeschichtung nicht ausgeschlossen werden.  


Die Beschichtung macht den Unterschied 

Getränkedosen werden aus Aluminium oder Weißblech hergestellt. Diese Materialien bilden eine Barriere zwischen den Stoffen aus der Außenbedruckung auf die eingefüllten Lebensmittel. Bei normalem Gebrauch ist somit nicht von einem Übergang von Stoffen aus der Druckfarbe auf die Getränke auszugehen, so das BfR.Dagegen kommt bei der Verwendung von Bierdosen zum Braten und Grillen von Hühnern die bedruckte Außenseite der Dosen direkt mit dem Lebensmittel in Berührung. Ein solcher Gebrauch ist von Herstellerseite nicht vorgesehen. 


Nicht geprüft 

Gemäß dem Entwurf für eine deutsche Druckfarbenverordnung gelten für bedruckte „Lebensmittelbedarfsgegenstände“, bei denen ein Übergang von Stoffen aus der Druckfarbe auf das Lebensmittel ausgeschlossen ist, keine Beschränkungen hinsichtlich der in Druckfarben verwendeten Stoffe. Bei der Bedruckung der Außenseite einer Getränkedose können somit auch Substanzen in den Druckfarbenzubereitungen verwendet werden, für die keine gesundheitliche Bewertung in Hinblick auf ihren Übergang auf das Lebensmittel vorliegt, da das Getränk in der Dose nicht beeinträchtigt wird. Daher stellt das BfR fest, dass es beim Braten und Grillen von Hühnern auf Bierdosen dazu kommen kann, dass nicht bewertete und möglicherweise gesundheitsschädliche Stoffen in das Lebensmittel gelangen können. Es rät deshalb von dieser Zubereitung ab. Wer auf diese Zubereitungsform nicht verzichten will, dem werden sogenannte „Hähnchengriller“ empfohlen. Diese haben die gleiche Funktion, bestehen aus geeignetem Material (z.B. Edelstahl) und sind überdies auch wieder verwendbar. 


Bier besser aus dem Glas 

Also: Wenn schon unbedingt Bieraroma, dann Bier aus dem Glas zum Grillhuhn. 


Mag. Christian Boukal

August 2014 


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020