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Mann wird von Arzt mit Ultraschall untersucht

Morbus Crohn: Neue Methode verbessert Therapie

Eine innovative Methode zur Diagnostik von verändertem Darmgewebe bei Morbus Crohn wurde in einer Studie von Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin untersucht. Die „Elastografie“ basiert auf Ultraschall und ist nicht-invasiv – bei der  Methode wird also nicht operiert.

 

Die Elastografie kann künftig Medizinern helfen, den medikamentösen Behandlungserfolg zu bewerten oder den optimalen Zeitpunkt für eine Operation festzulegen. Die aktuelle Studie wurde im Fachjournal „Radiology“ der Nordamerikanischen Radiologischen Gesellschaft (Radiological Society of North America) veröffentlicht.

 

Entzündliche Erkrankung 

Morbus Crohn zählt zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die auf einer Fehlantwort des Immunsystems auf die Darmflora beruhen. Als systemische Immunerkrankung kann sie nicht nur jeden Abschnitt des Verdauungstrakts betreffen, sondern in praktisch allen Organen des Körpers auftreten. Dabei entzünden sich die Darmschleimhaut und andere Organe nicht nur an der Oberfläche, auch tiefere Schichten können betroffen sein.

Etwa zwei von drei Patienten entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung darüber hinaus Vernarbungen der Darmwand. Dadurch können Engstellen entstehen, die – wenn eine medikamentöse Therapie nicht zum Ziel führt – operiert und in kleinen Darmabschnitten entfernt werden müssen.

Um den Zustand des Darmgewebes und den Behandlungserfolg der Medikamententherapie objektiv zu beurteilen, wurden bisher Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmitteln oder eine Darmspieglung mit einer Gewebeentnahme durchgeführt, so die Wissenschaftler der Charité. Eine nicht-invasive Beurteilung der mechanischen Gewebeeigenschaften des Darms war bisher nicht möglich.

 

Nicht-invasive Methode 

Die Wissenschaftler um Prof. Daniel C. Baumgart, Leiter der interdisziplinären Arbeitsgruppe chronisch entzündliche Darmerkrankungen an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Berliner Charité, haben in ihrer Studie nun erstmals den Einsatz der Elastografie bei Patienten mit Morbus Crohn untersucht. Sie ist ein neueres bildgebendes Verfahren, das eine Weiterentwicklung sowohl der Ultraschalldiagnostik als auch der Magnetresonanztomographie (MRT) darstellt. Die Mediziner haben den Zustand von gesundem und erkranktem Darmgewebe bei Patienten vor, während und nach einer Operation mit verschiedenen Methoden untersucht. Dabei ergab sich eine sehr hohe Übereinstimmung der Ergebnisse, die mittels Elastografie gemessenen wurden und den durch herkömmliche physikalische Methoden gewonnenen Daten.

  Ultraschallbild Morbus Crohn

BILDUNTERSCHRIFT: Ultraschallbild der Darmwand mit einem verengten Abschnitt (Stenose). Die Darmwandeigenschaften werden von der Elastographie in Echtzeit farbkodiert, wobei Blau härteres Gewebe anzeigt. (Foto ©: D. Baumgart)

  

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Elastografie alle Voraussetzungen erfüllt, um sie zu einer verlässlichen Methode zur objektiven Beurteilung der Darmgewebeeigenschaften zu entwickeln, die zudem ohne Gewebeproben oder Kontrastmittel auskommt. Dies ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur individualisierten und nachhaltig besseren Behandlung von Morbus Crohn Patienten“, resümiert Baumgart. „Die Entwicklung einer physikalischen Methode zur Beurteilung von Gewebeeigenschaften im klinischen Alltag ist ein gelungenes Beispiel der Translation – der Übertragung von Forschungserkenntnissen in die Klinik“.

 

Mag. Christian Boukal

April 2015


Foto: shutterstock, D. Baumgart

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020