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Laborschale mit roter Flüssigkeit

Komplizierte Lebensmittelkette ist riskant

Die Vielschichtigkeit der Lebensmittelkette erhöht Gefahren für die Sicherheit von Nahrungsmitteln. Das stellte Ende März das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Kopenhagen fest. Das WHO-Regionalbüro gehe davon aus, dass lebensmittelbedingte Erkrankungen deutlich verbreiteter sind als bisher registriert, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

 

„Unsere Lebensmittelkette ist heute länger und komplexer als je zuvor, und demografische, kulturelle, ökonomische und umweltrelevante Entwicklungen – wie die Globalisierung von Handel, Reiseverkehr und Migrationsströmen, die Bevölkerungsalterung, sich verändernde Konsummuster und -gewohnheiten, neue Technologien, Notlagen, der Klimawandel und extreme Wetterereignisse – haben eine Erhöhung der lebensmittelbedingten Gesundheitsrisiken zur Folge“, heißt es in einer Aussendung der WHO.

 

Viele Fehlerquellen

Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Chemikalien in der Lebensmittelkette sowie durch weitverbreitete Mikroorganismen wie Salmonella und Campylobacter erkranken, wird unterschätzt. Das sollte an vielen Stellen, die in der Lebensmittelkette tätig sind, die Alarmglocken läuten lassen. „Ein Fehler in der Lebensmittelsicherheit in auch nur einem Glied dieser Kette – von der Umwelt über Primärproduktion, Verarbeitung, Transport, Handel und Gastronomie bis zum Konsum zu Hause – kann erhebliche gesundheitliche und ökonomische Auswirkungen haben“, betont Zsuzsanna Jakab, die WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Die Überwachungs- und Meldesysteme in der Europäischen Region der WHO sind begrenzt und können nur einen Bruchteil der Fälle aufdecken. In Ländern mit weniger fortgeschrittenen Laborkapazitäten und weniger entwickelten Überwachungssystemen sei die Dunkelziffer besonders hoch. Für eine wirksame Antwort auf solche Gefahren sind bessere Daten erforderlich.

 

Nicht-saisonale und nicht-regionale Produkte

Die Probleme im Bereich der Lebensmittelsicherheit seien durch vielfältige Faktoren bedingt. So gibt es aufgrund der Nachfrage der Konsumenten einen verbesserten Zugang zu einem breiteren Angebot an Lebensmitteln. Außerhalb der normalen Saison produziert, werden sie über Kontinente hinweg transportiert, verarbeitet und außerhalb des Haushalts konsumiert. Nach Zahlen aus dem Welthandelsbericht 2014 betrug die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate im Agrarhandel zwischen 1950 und 2010 etwa vier Prozent. Damit lag sie über der jährlichen Zuwachsrate in der weltweiten Landwirtschaftsproduktion, die zwei Prozent betrug.

 

EHEC

Eine Verseuchung aus einer einzigen Quelle kann sich ausbreiten und beträchtliche gesundheitliche sowie ökonomische Konsequenzen nach sich ziehen. So kam es beispielsweise 2011 bei einem Ausbruch enterohämorrhagischer Escherichia coli (EHEC) in Deutschland und Frankreich, der mit verseuchten Bockshornklee-Sprossen in Verbindung gebracht wurde. Dabei kam es zu knapp 4.000 Fällen von EHEC-Infektion in 16 Ländern, darunter mehr als 900 Fälle des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), von denen 55 tödlich endeten. Die Verluste für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie beliefen sich laut WHO auf geschätzte 1,3 Milliarden US-Dollar (1,20 Milliarden Euro).

 

Verbesserte Überwachung gefordert

Die WHO appelliert an die Politik, ausreichende Systeme und Infrastrukturen für Lebensmittelsicherheit aufzubauen und aufrechtzuerhalten, einschließlich der erforderlichen Laborkapazitäten, Überwachungs- und Meldesysteme. Darüber hinaus sollten die Risiken entlang der gesamten Versorgungskette beobachtet und beherrscht werden. Schließlich sollte es zu einer übergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Bevölkerungsgesundheit, Tiergesundheit und Landwirtschaft kommen.

 

Mag. Christian Boukal / APA
Juni 2015

Foto: APA (dpa-Zentralbild)

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020