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Kleines Mädchen schneidet mit der Mutter Gemüse

Ohne Fleisch geht’s auch

Der Trend zu einer rein pflanzlichen Kost ist ungebrochen. Das betrifft auch Kinder und Jugendliche. Wenn man sich fleischlos, aber abwechslungsreich ernährt, ist das für die Gesundheit zumeist positiv. Mängel drohen nur in seltenen Fällen. 

Rein pflanzliche Kost liegt im Trend. Kam vor 20 Jahren noch fast täglich Fleisch und Wurst auf den Teller, so entscheiden sich seit einigen Jahren immer mehr Menschen, ihren Fleischkonsum zu reduzieren oder ganz zu streichen. „Gemüse ist das neue Fleisch. Aus gesundheitlicher Sicht ist das eine durchaus positive Entwicklung. Freilich bezeichnen sich viele Menschen als Vegetarier oder Veganer, ohne es wirklich zu sein, denn der Wille unterscheidet sich oftmals von der Realität. Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung ernähren sich dauerhaft, also über einem Zeitraum von mehreren Jahren, streng vegetarisch, ein Zehntel davon vegan“, erklärt Mag. Alexandra Hofer, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (Austrian Nutrition Society).

Viele Menschen sind zudem zwar keine Vegetarier im strengen Sinn, sondern sie verzichten für kürzere Zeiträume bewusst auf Fleisch oder reduzieren ihren Fleischkonsum deutlich. Man nennt diese Gruppe „Flexitarier“. 

Vegetarier und Veganer 

„Viele Menschen wissen nicht, was einen Vegetarier ausmacht und was ihn von einem Veganer unterscheidet“, sagt Hofer. Hier die gängige Kategorisierung:

  • Vegetarier essen generell weder Fleisch, Fisch noch Wurst. Unter den Vegetariern unterscheidet man zwischen
  • Ovo-Lakto-Vegetarier: Sie essen Eier, Milch und Milchprodukte.
  • Lakto-Vegetarier: Sie verzichten auch auf Fisch und Eier, essen aber Milch und Milchprodukte.
  • Veganer lehnen sämtliche Nahrungsmittel ab, die vom Tier stammen (wie z.B. Milch und Honig). Sie ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten. 

Motive bei Kindern und Jugendlichen 

Eltern, die sich selbst fleischlos ernähren, bemühen sich häufig, diese Lebensweise auch an ihre Kinder weiterzugeben. Viele Kinder und Jugendliche möchten auch aus eigenem Antrieb ihre Ernährung umstellen. Gründe dafür gibt es viele: Das steigende Wissen um das Tierleid in der Massen- und Intensivtierhaltung, die Ablehnung des Tötens bzw. der  Tiertransporte spielen ebenso eine Rolle wie berühmte Vorbilder, die sich als vegan outen. Nicht zuletzt lässt der Wunsch, Gewicht zu verlieren, vermehrt zur pflanzlichen Kost greifen.

Entscheiden sich Kinder zu fleischloser Kost oder wollen sie diese einfach einmal ausprobieren, sollten sich Eltern wertschätzend verhalten und dies akzeptieren. Freilich muss man darauf achten, dass an die Stelle von Wurst und Fleisch nicht vorwiegend Süßspeisen treten. Gerade Kinder müssen die nötigen Nährstoffe durch Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse aufnehmen und alle Nährstoffe in ausreichender Menge erhalten, um Wachstum, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit zu unterstützen. 

Gesundheitliche Vorteile 

Wer Pflanzen statt Fleisch isst, nimmt weniger gesättigte Fette und Cholesterin auf, dafür aber mehr Ballaststoffe, Magnesium, Vitamin C, Folat und Carotinoide. Zahlreiche Studien belegen, dass die Umstellung auf vegetarische Kost keine gesundheitlichen Probleme mit sich bringt, im Gegenteil: Es ist gesichert, dass Vegetarier länger leben als Fleischesser und dass sich viele gesundheitlichen Parameter bei einer fleischlosen Ernähung verbessern: So gehen Fett-Stoffwechselstörungen zurück, die Cholesterinwerte verbessern sich, Bluthochdruck verbessert sich und das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, sinkt. Auch Herzkrankheiten treten seltener auf. Ob auch eine dauerhafte streng vegane Kost zu diesen gesundheitlichen Vorteilen führt, lässt sich nur vermuten, aber nicht wissenschaftlich belegen, da es keine Langzeitstudien dazu gibt.

Zudem sind Vegetarier und Veganer seltener übergewichtig. „Eine Umstellung auf eine fleischlose Kost bedeutet im Schnitt im ersten Jahr einen Gewichtsverlust von bis zu 3,5 kg, bei veganer Kost sind es gar 6 bis 8 kg“, sagt Hofer. Dann stabilisiert sich das Körpergewicht in der Regel.

Vegetarische Ernährung ist für die ganze Familie auch auf Dauer geeignet, um gesund zu essen. Wichtig ist es, dass regelmäßig Hülsenfrüchte und viele verschiedene Getreidesorten auf dem Speiseplan stehen. 

Vor Umstieg informieren 

Wer sich einen Umstieg überlegt, sollte sich gut informieren und am besten den Rat eines Ernährungsberaters einholen, vor allem wenn Kinder und Jugendliche, Schwangere oder Stillende diesen Weg gehen wollen.

Den Umstieg erleichtert, dass auch Gastronomie und Gemeinschaftsküchen auf die Nachfrage nach fleischloser Kost mit einem breiteren Angebot reagieren. Schulen und Kindergärten hinken der Entwicklung hinterher, hier wird nur in seltenen Fällen auf die Bedürfnisse von Vegetariern eingegangen. 

Vegan und mögliche Mängelversorgung 

Damit fleischlose Kost zu gesundheitlichen Vorteilen führt, muss auf eine möglichst vielfältige Lebensmittelauswahl und abwechslungsreiche Kost geachtet werden. Ist die Ernährung einseitig, besteht die Gefahr einer Mangelversorgung. Hinzu kommt, dass Nährstoffe aus pflanzlichen Lebensmitteln biologisch meist schlechter verfügbar sind und somit dem Körper in geringerer Form zu Verfügung stehen.

Während Vegetarier mit abwechslungsreicher Kost kaum Mängel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zeigen, sieht die Situation bei Langzeit-Veganern anders aus. Vor allem das Vitamin B 12 ist ein Problem, denn es kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Milch vor. „Bei echten Veganern, die mehrere Jahre lang diese Ernährungsweise einhalten, ist demnach eine Unterversorgung an Vitamin B 12 zwingend“, sagt die Expertin. Sie empfiehlt eine Supplementierung dieses Vitamins, also eine Einnahme in Form eines Nahrungsergänzungsmittels in Absprache mit dem Arzt.

Alle anderen Vitamine und Mineralstoffe lassen sich durch pflanzliche Kost ohne Mängel decken, wenn die Ernährung abwechslungsreich und bewusst vielfältig gestaltet wird. Bei einseitiger Speisenauswahl kann es jedoch bei veganer Ernährung mitunter zu Mangel an Eisen, Kalzium, Zink, Jod, Vitamin D, Vitamin B6, Omega-3-Fettsäuren kommen. 

Vegan ernährte Kinder 

Man sollte in regelmäßigen Abständen ein Blutbild machen zu lassen, damit man auf allfällige Mängel durch eine Nahrungsumstellung oder Supplementierung reagieren kann. Achtung! „Säuglinge und Kleinkinder sollten nach herrschender Meinung nicht vegan ernährt werden, sonst drohen Entwicklungsstörungen“, sagt Hofer.

Auch in einer Stellungnahme des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit wird vegane Kost für Babys und Kleinkinder als ungeeignet (ebenso für Schwangere und Stillende) betrachtet. Der Grund: Es können nicht alle Spurenelemente optimal aus dem Darm aufgenommen werden und es mangelt an gut verfügbarem Eiweiß und Eisen.

 

Dr. Thomas Hartl

August 2015


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020