DRUCKEN
Sechs Eier eines offen

Campylobacter-Infektionen in der EU auf dem Vormarsch

Die EU bekommt – die durch Lebensmittel bedingten – Campylobacter-Erkrankungen nicht in den Griff. 2014 wurden 236.851 Fälle registriert, ein Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zu 2013. Auch mehr Listerien-Erkrankungen gab es, teilten das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) und die Europäische Behörde für Ernährungssicherheit (EFSA/Parma) Ende Dezember mit, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

 

„Campylobacter-Erkrankungen bleiben die häufigsten durch Lebensmittel hervorgerufenen Erkrankungen in der EU – das ist seit 2005 so“, schrieben die beiden Behörden. 2013 waren in der EU 214.784 Fälle gemeldet worden. Das waren um 22.067 Erkrankungen weniger als im darauffolgenden Jahr. 

Campylobacter 

Campylobacter ist ein korkenzieherförmiges Bakterium, ein sogenannter Zoonosenerreger, der Krankheiten von Tieren auf Menschen übertragen. Während viele Arten Krankheiten auslösen, sind andere ungefährlich und natürliche Mitbewohner von Mensch und Tier. Sie befinden sich oft auf rohem Geflügelfleisch, bei Schweinen oder Rindern zeigen sie meist keine Krankheitssymptome. Beim Menschen äußert sich der Befall in entzündlichen Durchfallerkrankungen.

Waren ehemals Salmonellen die häufigsten Krankheitserreger über Nahrungsmittel, konnte ihre Zahl in den vergangenen Jahren stabilisiert werden. 2013 wurden in der EU 87.360 Erkrankungen registriert, 2014 waren es 88.715, so die APA. 

Listeriosen 

Bedenklich stimmt die EFSA- und ECDC-Experten auch die zunehmende Zahl von Listeriosen. 2013 waren es 1.868 Fälle. Im Jahr 2014 wurden in der EU 2.161 Erkrankungen registriert. Das war ein Zuwachs von 16 Prozent.

Prof. Mike Catchpole, leitender Experte des ECDC und Director of the Centre for Infectious Disease Surveillance and Control Public Health in England, betont: „Es ist beunruhigend, dass die Campylobacter- und Listerieninfektionen in der EU weiterhin zunehmen.“ Man müsse die Überwachung auf Listerien verstärken und auf EU-Ebene die Maßnahmen gegen Campylobacter intensivieren. Die Mehrheit der EU Staaten machte bei Erstellung des neuen Jahresberichts der beiden Stellen aber deutlich, dass die gestiegenen Campylobacter-Infektionen eventuell auch ein Ergebnis besserer Registrierung seien. „Alle maßgeblich an der Nahrungsmittelkette Beteiligten müssen zusammenarbeiten, um diese beiden Krankheiten zu zurückzudrängen“, betonte EFSA-Expertin und Lebensmittel-Mikrobiologin Dr. Marta Hugas. 

Eier, Fisch und Meeresfrüchte 

Die häufigsten Quellen für Lebensmittel-bedingte Krankheitsausbrüche waren im vergangenen Jahr in Europa Eier und Eiprodukte. Dann folgten Fisch und Meeresfrüchte.

Die Campylobacter-Problematik ist relativ schwierig in den Griff zu bekommen. Gegen Salmonellen gibt es für Tiere eine Impfung, gegen Campylobacter hingegen noch nicht. Campylobacter ist zusätzlich auch noch ein Keim, der bei Geflügel natürlich im Darm vorkommt. Da wären Bestrahlung oder das Besprühen mit Chlorlösung die einzige absolut sicher funktionierende Lösung.

Weltweit sterben nach UN-Angaben jährlich etwa 420.000 Menschen an Infektionen durch verseuchte Lebensmittel. Bis zu 600 Millionen Menschen – also etwa jeder Zehnte – erkranke durch den Verzehr von Nahrung, die mit Giften, Chemikalien, Bakterien oder Pararisten belastet ist. Etwa ein Drittel aller Todesfälle durch Lebensmittelinfektionen betrifft Kinder unter fünf Jahren. 

Rückgang der „Lebensmittel-Erkrankungen“ 

Laut dem Jahresbericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist es in Österreich 2014 zu einem deutlichen Rückgang der durch Lebensmittel bedingten Krankheitsausbrüche im Vergleich zu den vorangegangenen beiden Jahren gekommen. 2014 wurden 96 Erkrankungen gezählt, im Jahr davor waren es 133, und 2012 erkrankten 122 Personen.

Im Jahr 2014 wurden in Österreich 96 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche mit 790 Erkrankten dokumentiert. Davon mussten 121 stationär im Krankenhaus behandelt werden, eine Person verstarb an den Folgen der Infektion. Besonders ein Salmonellen-Ausbruch in Westösterreich durch aus Bayern importierte Eier schlug in der Statistik bei der Zahl der Patienten zu Buche. Von den gemeldeten Ausbrüchen wurden 47 (49 Prozent) durch Salmonellen und 40 (41 Prozent) durch Campylobacter ausgelöst. 

Küchenhygiene 

Zwar geht es bei Präventionsmaßnahmen speziell um die Vermeidung von Kontaminationen in der Lebensmittelproduktion. Doch entscheidend wäre auch eine entsprechende Küchenhygiene sowie die ausreichende Erhitzung von Lebensmitteln beim Kochen. Zur guten Küchenhygiene gehört das konsequente Reinigen von Händen, Utensilien und Zubereitungsflächen nach Kontakt mit rohen Lebensmitteln vom Tier und vor der Zubereitung weiterer Bestandteile einer Mahlzeit, erklärt der Leiter des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Dr. Andreas Hensel . Sind im rohen Fleisch Krankheitserreger vorhanden, reicht es zur Übertragung auf Salat oder Saucen schon aus, wenn das gleiche Messer oder Schneidebrett benutzt wird.

Als gesicherte Keimabtötung sowohl für Campylobacter als auch für Salmonellen gilt ein Erhitzen auf über 70 Grad für mindestens 15 Sekunden.

Durch die Campylobacter-Keime verderben die Lebensmittel nicht, weder das Aussehen noch der Geruch einer Speise lässt auf ihr Vorhandensein schließen. Durch Kochen, Braten oder Pasteurisieren lässt sich Campylobacter zwar abtöten, Voraussetzung dafür ist aber, dass für mindestens 2 Minuten eine Temperatur von 70° C im Kern des Lebensmittels erreicht wird. Das Tiefgefrieren von Lebensmitteln kann Campylobacter nicht vollständig abtöten, es reduziert nur die Anzahl der Keime, so das BfR.

 

Mag. Christian Boukal / APA

Jänner 2016

 

Bild: APA (dpa/gms/Kai Remmers)

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020