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Zwei kleine Kinder beim Rodeln

Rodelunfälle: Rund 700 jährlich in Oberösterreich

Rodeln liegt im Trend: die Zahl der Anhänger dieser Sportart steigt stetig. Der richtige Umgang mit dem Schlitten will gelernt sein, rät das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und die Experten des Österreichischen Rodelverbandes (ÖRV). Mangelnde Ausrüstung, Selbstüberschätzung und falsche Risikobewertung führen jährlich zu rund 700 (österreichweit 4.600) schweren Unfällen in Oberösterreich.

 

Seit Jahrtausenden werden Schlitten als winterliches Transportmittel genutzt. Neben Ziehschlitten etwa für Holztransporte wurden immer auch kleinere Formen für den Personentransport verwendet. Nach und nach entwickelte sich das Rodeln auch zum beliebten Wintersportvergnügen.

 

Gilt rodeln landläufig als eher harmloser Winterspass (für Kinder), so entwickelt sich die Sportart zunehmend zum Trendsport. Nicht ohne Folgen: Die Gefahren beim Rodeln werden unterschätzt, so das KFV: „Rund 700 Personen verletzen sich jährlich in Oberösterreich beim Rodeln so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen,“ erklärt Dipl.-Ing. Christian Kräutler, Teamleiter Forschung & Wissensmanagement im Kuratorium. „Die KFV Freizeitunfallstatistik zeigt, als häufigste Unfallart Stürze – 72 Prozent – und Zusammenstöße – 21 Prozent.“

 

Die häufigsten Verletzungen sind dabei Knochenbrüche (mehr als die Hälfte) gefolgt von Sehnen- und Muskelverletzungen (ein Fünftel). Besonders schwerwiegend sind Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen (17 Prozent). Fast alle (94 Prozent) der Verunfallten trugen zum Unfallzeitpunkt keinen Helm.

 

Eine aktuell vom KFV durchgeführte Erhebung zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten Rodler nur ein bis zwei Tage im Jahr rodelt. Nur beinahe ein Drittel ist drei bis sieben Tage mit einer Rodel unterwegs. 

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Nachtrodeln: Nach 20 Uhr mehr als 20 Prozent der Unfälle 

Nachtrodeln ist beliebt. Das zeigen auch die Unfallzahlen: Mehr als 20 Prozent aller Unfälle passierte in der Nacht. „Unabhängig davon, ob man untertags oder in der Nacht rodelt: Am besten fährt man auf eigens angelegten Rodelpisten hinunter. Auf keinen Fall sollten schneebedeckte Straßen oder Forststraßen gewählt werden, die nicht zum Rodeln freigegeben sind“, so Kräutler. Denn die Gefahr von Zusammenstößen ist hier besonders groß. 

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Richtiges Sportgerät entscheidend 

„Besonders gefährdet sind vor allem auch Kinder, die in Plastik-Bobs unterwegs sind“, erklärt ÖRV-Präsident Dr. Mag. Michael Bielowski. Da die flachen Schalen keine Kufen haben, bleibt fast kein Widerstand und man kann schlecht lenken und bremsen. Hinzu kommt das geringe Körpergewicht von Kindern. „Bobs sinken nicht wie normale Rodeln in den Schnee ein und kommen deshalb schwer zum Stehen“, erläuterte der Experte. Im freien Gelände ist das Fahren mit dem Plastikgefährt daher besonders gefährlich. 

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Mit Spaß und Sicherheit ins Ziel rodeln 

„Wie bei anderen Sportarten auch, gibt es beim Rodeln spezielle Brems- und Kurventechniken die erlernt werden müssen. Mit ein wenig Training und einigen einfachen Tricks ist ein uneingeschränkter und vor allem sicherer Rodelspaß möglich“, so Bielowski. „Eine hochwertige Ausrüstung, die Fähigkeit die Rodel zu kontrollieren, rücksichtsvolles Fahrverhalten und die richtige Einschätzung von Gefahren und Geschwindigkeit sind die zentralen Punkte, um sicher auf der Rodelbahn unterwegs zu sein.“ Helm und Schneesportbrille sollten auch beim Rodeln zur Standardausstattung gehören. Festes Schuhwerk mit tiefem Profil, Schihandschuhe und wasserabweisende Kleidung machen das Rodeloutfit komplett. Nach einigen Aufwärmübungen sollte man die erste Abfahrt dazu nützen, um sich mit den Streckenbedingungen und dem Gefährt vertraut zu machen. Wichtig ist es, Streckenhinweise und das Verhalten anderer Fahrer immer im Blick zu haben und die Geschwindigkeit den Sicht- und Schneeverhältnissen sowie dem eigenen Können anzupassen. Alkohol hat – wie auf der Skipiste – auch auf der Rodelstrecke nichts verloren. Wenn schon sollte er erst im Anschluss genossen werden. 

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Rodelregeln 

  • Rücksicht auf andere Rodelbahnbenützer nehmen

  • Sperren und Warnhinweise beachten

  • Gute Ausrüstung verwenden

  • Rechts und hintereinander aufsteigen

  • Kontrolliert und auf Sicht fahren

  • Abstand halten

  • Sich bemerkbar machen

  • An übersichtlichen Stellen auf die Begleitung warten

  • Rodeln auf Schipisten ist gefährlich und verboten

  • Keine Hunde

  • Keine Beeinträchtigung durch Alkohol oder Medikamente


Auch beim Rodeln gilt:

  • Erste Hilfe leisten und bei Unfällen ausweisen

 


Mag. Christian Boukal

Jänner 2016


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020