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Tasse mit Kaffe und Kaffeebohnen

Gesundheitliche Wirkungen von Kaffee

Ohne Kaffee am Morgen ist für viele Menschen der Tagesanfang schwer vorstellbar. In Maßen konsumiert, bringt das beliebte heiße Getränk keine gesundheitlichen Risiken mit sich – im Gegenteil, er dürfte sogar einige positive Effekte erzielen.

 

Kaffee zählt weltweit zu den beliebtesten Genussmitteln. In Österreich werden im Durchschnitt etwa 240 ml Kaffee pro Tag getrunken (1,5 bis 2 Tassen Kaffee ohne Milch). Neben dem wohl bekanntesten Inhaltsstoff, dem Koffein, enthält Kaffee eine Vielzahl von Bestandteilen, die sich je nach Sorte unterscheiden. Neben den Hauptnährstoffen (Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß) enthält die Kaffeebohne Mikronährstoffe wie Magnesium, Kalium, Niacin und Vitamin E sowie Aromastoffe und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe.

„Unter den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen im Kaffee mit ihren antioxidativen Eigenschaften haben die Chlorogensäure und die Koffeinsäure die größte Bedeutung. Aufgrund seiner komplexen chemischen Struktur ist es aber bisher nicht gelungen, eine vollständige Bilanz aller Inhaltsstoffe zu erstellen“, sagt Irene Umschaden von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Unbestritten ist, dass Koffein wach macht. Er erhöht die Pulsfrequenz und entfaltet eine anregende Wirkung. Um Schlafstörungen vorzubeugen, sollte man daher abends kein Koffein zu sich nehmen. Bei regelmäßigem Verzehr passt sich der Organismus an und die Wirkung von Koffein nimmt ab.

Über die gesundheitlichen Wirkungen der Kaffeebohne wird häufig spekuliert. Oft wird gesagt, Kaffee-Konsum sei schädlich und viele Menschen versuchen, ihren Konsum zu verringern. Ist das nötig? Welche Annahmen stimmen und welche sind schlichtweg falsch?

Hier der aktuelle Stand der Wissenschaft: 

„Koffein ist schlecht für das Herz“ 

Wahrscheinlich falsch. Ein gesteigertes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei regelmäßigem Kaffeekonsum ist laut aktueller Studienlage nicht erkennbar. Koffein kann unterschiedliche Risikofaktoren beeinflussen, die bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen: So steigert Koffein den Blutdruck zwar kurzfristig, nach einer Gewöhnungsphase konnte in Studien aber kein dauerhafter Anstieg mehr festgestellt werden. In einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 war sogar ein schützender Effekt von Kaffee bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennbar. Eine moderate Aufnahme von 3 bis 5 Tassen Kaffee pro Tag war hier mit einem niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Hierfür sind wahrscheinlich andere Inhaltsstoffe neben Koffein verantwortlich. 

„Kaffee kann vor Diabetes Mellitus Typ 2 schützen“ 

Wahrscheinlich richtig. Es gibt Hinweise, dass sich Kaffeekonsum positiv auf die Entwicklung von Diabetes mellitus auswirkt. In einer Meta-Studie zeigte sowohl der Genuss von koffeinhaltigem als auch koffeinfreiem Kaffee ein niedrigeres Risiko an Diabetes zu erkranken. Diese Wirkung ist möglicherweise auf bestimmte Kaffeebestandteile (wie z. B. Chlorogensäure) zurückzuführen. Jedoch sind längerfristig angesetzte Studien erforderlich, um einen kausalen Zusammenhang und die zugrundeliegenden Mechanismen zu bestätigen. Wichtigster Risikofaktor für die Entwicklung von Diabetes ist Übergewicht. Die Reduktion von zu hohem Körpergewicht ist somit einer der bedeutendsten Schutzfaktoren hinsichtlich einer Diabetes-Prävention. 

„Kaffee beeinflusst das Krebsrisiko“ 

Immer wieder wird Kaffee mit der Entstehung verschiedener Krebsarten in Verbindung gebracht und als möglicher Risikofaktor diskutiert. Seit vielen Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit diesem Thema. Im Allgemeinen sind die Studienergebnisse hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen von Kaffee nicht immer eindeutig.

Laut Expertenbericht des World Cancer Research Fund (WCRF) konnte kein Zusammenhang mit Bauchspeicheldrüsen- und Nierenkrebs gefunden werden. Aktuelle Meta-Analysen zeigen auch keinen Zusammenhang zwischen dem Kaffeekonsum und einem erhöhten Risiko z. B. für Magenkrebs. Andere Meta-Analysen deuten auf eine schützende Wirkung von Kaffee auf unterschiedliche Krebserkrankungen (Prostata, Leber etc.) hin. Es gibt aber auch Hinweise, dass durch den Konsum von Kaffee das Risiko für die Entwicklung von Krebs (Blase, Kehlkopf etc.) gesteigert werden könnte.

„Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da die Datenlage sehr limitiert ist und die Mechanismen noch unklar sind. Anzumerken ist, dass bei der Krebsentstehung eine Vielzahl von Faktoren beteiligt ist und das Risiko nicht von einer einzelnen Komponente abhängig gemacht werden kann“, sagt Umschaden. 

„Kaffee nach dem Essen fördert die Verdauung“ 

Viele Menschen wissen von einem förderlichen Effekt auf die Darmtätigkeit. Wissenschaftliche Literatur hinsichtlich einer positiven Wirkung auf die Verdauung wurde in den letzten Jahren jedoch nicht veröffentlicht. 

„Kaffee wirkt sich auf den Cholesterinwert aus“ 

Wahrscheinlich richtig. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Kaffeekonsum (im speziellen ungefilteter Kaffee) deutlich zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels führt. Ob es dazu kommt, entscheidet die Zubereitungsart. „Bestimmte Kaffeeöle werden für die cholesterinsteigernde Wirkung verantwortlich gemacht. Wobei gebrühter oder ungefilterter Kaffee einen stärkeren Effekt auf Blutfettwerte haben als Filterkaffee, da im Filter Inhaltsstoffe zurückbleiben. Der cholesterinerhöhende Effekt zeigte sich verstärkt in Studien mit einem täglichen Kaffeekonsum von über sechs Tassen“, so die Ernährungsexpertin. 

Empfehlung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) 

Bei regelmäßigem Koffeinkonsum von bis zu 400 mg pro Tag (aus allen Koffeinquellen wie Kaffee, Cola, Energy-Drinks etc.) über den gesamten Tag verteilt – gibt es laut EFSA für den gesunden erwachsenen Menschen keine Bedenken. Einzeldosen von bis zu 200 mg Koffein sind für gesunde Erwachsene unschädlich. Sowohl Verträglichkeit als auch Gewöhnungseffekte sind beim Kaffeekonsum sehr individuell und im Einzelfall zu berücksichtigen.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird jedoch empfohlen, beim Konsum von koffeinhaltigen Lebensmitteln und Getränken zurückhaltend zu sein. Eine über den gesamten Tag verteilte Koffeinmenge (aus allen Quellen) von bis zu 200 mg pro Tag gilt für diese Personengruppe als unbedenklich. 

Fazit 

Kaffee ist ein Genussmittel und sollte auch als solches konsumiert werden. Der tägliche Flüssigkeitsbedarf sollte bevorzugt durch energiearme Getränke wie Wasser, Mineralwasser, ungezuckerte Früchte- oder Kräutertees, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte gedeckt werden.

Derzeit bestehen keine Hinweise, dass sich ein moderater Kaffeekonsum (3 bis 4 Tassen pro Tag) ungünstig auf die Gesundheit auswirkt. Mögliche schützende Wirkungen für die Entwicklung von chronischen Erkrankungen müssen noch verstärkt erforscht werden.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2016


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020